Emil Bulls‘ Vollkontakt-Konzert zur Einstimmung auf die Festtage

Mit besinnlichen Weihnachtsliedern hat die „X-Mas Bash“-Tour von Emil Bulls wirklich gar nichts zu tun, denn es geht weder besinnlich noch weihnachtlich am Freitag im Hamburger Docks zu. Viel mehr fallen uns die Wörter eskalierender Abriss dazu ein. Die Tour, die zuerst eigentlich gar keine echte Tour war, sondern lediglich zwei Konzerte in Hamburg und München im vergangenen Jahr, gibt es diesen Sonnenzyklus ausgeweitet als Tournee auf sechs ausgesuchte deutsche Städte. Damit läutet die Münchener Alternative-Metal-Band die Weihnachtszeit musikalisch ein. Der ausverkaufte Tour-Auftakt in Hamburg wird unterstützt von Improvement, Grizzly und Annisokay.

Und die drei Vorbands leisten mehr als ordentliche Arbeit ab mit feinem Metal, mal lauter von Improvement, mal Rap und Punk-lastiger von Grizzly oder mit neuem Shouter Rudi von Annisokay interpretiert, dem Club einzuheizen. Nachdem das Vorprogramm inklusive Muffins zum Release Day des neuen Grizzly-Albums „Movement“ bestritten ist, ist das Haus voll und die Stimmung bereits fabelhaft.

Somit starten die fünf Jungs von Emil Bulls unter besten Voraussetzungen in den Abend, denn Hamburg hat richtig Bock auf laute, rockige Musik. Der Vorhang mit Emil Bulls-Aufdruck fällt, die Band fängt an zu spielen, in der Mitte des Saals herrscht dichtes Gedränge und es gibt direkt Arbeit für die Security, welche im Verlauf noch mehrfach gefordert sein wird, aber alle Situationen bestens im Griff hat, sodass ohne Zwischenfälle gefeiert werden kann. Das zweite Lied „Tell it to my heart“ ist vom aktuellen Album „Mixtape“ und kommt unwahrscheinlich gut beim Publikum an. Damit werden letzte Zurückhaltungen endgültig beiseite gewischt und das Docks schaltet auf Abrissmodus.

Normalerweise werden an dieser Stelle ausgelassene Tanzszenen in bester Pogo-Manier kombiniert mit einer überragenden Stimmung beschrieben, die in der Lage sind, die Location aus den Grundfesten zu heben. Für Emil Bulls ist dieser Zustand aber tatsächlich Standard und es wird das ganze Konzert durchgängig bis zur Erschöpfung durchgefeiert. Verlorene Schuhe werden zu „Hearteater“ und einem schmucken Gitarrensolo in die Höhe gereckt, um ihre Besitzer wieder zu finden. „Here comes the fire“ ist einfach nur pure Eskalation und niemand steht in der Halle steht mehr still, weder auf der Bühne noch davor. Das Publikum ist auch während des nächsten Songs voll da, klatscht und singt frenetisch mit. Nach einem furiosen Auftakt erlaubt der Mittelteil mit minimal ruhigeren Songs, wie zum Beispiel „These are the days“ ein kurzes Herunterfahren, sofern das überhaupt möglich ist. Da sich aufs Durchatmen konzentriert wird, sind die Zuschauer kurz weniger bei der Sache als beim Einstieg, was allerdings verzeihlich ist.

Mit „Smells like rock’n’roll“ geht’s energetisch weiter, sodass Sänger Christoph von Freydorf selbst zur Gitarre greift und Klänge des Nu-Metal anklingen lässt. Dazu nimmt das Licht an Intensität zu; es ist klar: da kommt noch was. Und es ist „Nothing in this world“. Dieser Track bringt gestandene, erwachsene Männer dazu Herzchen mit ihren Fingern zu formen und versetzt alle Zuschauer in ein absolutes Hochgefühl. Die Masse sitzt, die Masse springt, die Masse ist restlos begeistert von genialen Münchnern. Richtig cool sind die Moves im gemeinsamen Gitarren- Double. Allgemein ist an diesem Abend absoluter Sympathieträger der Gitarrist Andy Bock. Er hat sichtlich Spaß am Auftritt und lächelt eigentlich die ganze Zeit durch. So eine positive Attitüde ist einfach nur ansteckend!

Zum krönenden Abschluss des offiziellen Programms gibt es noch einmal richtig was auf die Ohren. Der Circle Pit zu „When god was sleeping“ gaukelt im Zuschauerraum eine minimale Luftbewegung vor, während die Jungs auf der Bühne noch einmal alles geben. Zu „Age of revolution“ sind dann Band und Publikum eine Stimme und schreien sich den Schlachtruf „This is how we do it“ an den Kopf. Die Band lässt das Publikum weiter schreien und zieht sich währenddessen von der Bühne zurück. Die Zuschauer fahren unbeirrt fort, um nach kurzer Zeit auf Emil-Bulls-Rufe umzuschwenken, die es so gut wie nach jedem dritten Lied sowieso schon gab.

Danach servieren Emil Bulls eine Zugabe, die sich sehen lassen kann. Genau genommen sind es zwei Encores, die Hamburg noch einmal die Haare neu frisieren. In sechs zusätzlichen Songs werden noch einmal Hits wie „Mr. Brightside“, „Euphoria“, „The jaws of oblivion“ und „The ninth wave“ untergebracht, die dem Publikum wirklich alles abverlangen. Vor dem letzten Lied wird sowohl zu einer Wall of Love als auch zum Applaus für die Vorbands aufgerufen. Hamburg vereint beide Forderungen kurzerhand miteinander und so bekommt jede Vorband ihre eigene Wall- ein wirklich starkes Zeichen für den Support von Vorgruppen zum Abschluss eines absolut denkwürdigen Abends. Danke, Emil Bulls!

Fotocredit: Holger Fichtner

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