Deutscher Hiphop-Abend im Zeichen der Liebe – Fettes Brot Live aus Köln

Dass echte Liebesgeschichten nie enden, beweist uns Fettes Brot heute Abend gewohnt großartig im ausverkauften Palladium in Köln. Dabei handelt es sich schon um eine zweite Zusatzshow für das Publikum der Rheinstadt, also ist die Erwartungshaltung entsprechend hoch.
Supportakt des Abends ist der hessische Rapper Mädness, der im August sein viertes Studioalbum „OG“ veröffentlichte. Bevor er im kommenden Februar mit seiner EP selbst auf Tour geht, gibt er sich die Ehre und eröffnet für Fettes Brot die Bühne. Lässig im Bademantel und vor zusammengezimmerter Wohnwagenkulisse rappt er seine Texte souverän und bereitet das Publikum mit einem circa 30-minütigen Set solide für die Hauptshow vor.

Diese beginnt mit einem Tisch, einem Stuhl und den Liebesäpfeln des Albumcovers vom mittlerweile neunten Studioalbum „Lovestory“, welches namensgebend für die Tour ist. Um Punkt 21 Uhr betritt König Boris die Bühne und nimmt vor dem bedruckten Vorhang Platz. In Hommage an den 80er-Jahre Hit „Ich liebe dich“ von Clowns und Helden leitet er zu dem ersten Song „Ich liebe mich“ über. Zum ersten Chorus betreten dann auch Doktor Renz und zuletzt Björn Beton die Bühne und starten gemeinsam in einen fulminanten Abend. Als der Vorhang fällt gibt er den Blick auf vier weitere Bandmitgliedern am Schlagzeug, Keyboard und Bass sowie eine richtig coole Bühneninszenierung mit Leuchtreklameschildern zu ausgewählten Songtiteln in Neonfarben frei.

Und damit ist man dann schon mitten drin im Fettes-Brot-Konzerterlebnis, denn mit „Erdbeben“ und dem größten Hit des Hamburger Trios „Emanuela“ gibt es direkt am Anfang schon einmal den bekannten Sound der Deutsch-Hiphop-Urgesteine auf die Ohren. Über die Maßen raffiniert dabei sind Samples von Depeche Mode und Billie Eilish, die gekonnt in die eigenen Songs untergemischt werden und DJ Pauly Begeisterungsstürme entgegen bringen. Trotz oder gerade wegen der 26 Jahren Banderfahrung sind die Interaktionen zwischen Band und Zuhörern sowie die Zwischenmoderation meisterhaft gestaltet; so gab es zum Beispiel zu „The Grosser“ einen Strauß Blumen für die Damen der ersten Reihen. Allerdings macht diese Routine auch den minimalen Kritikpunkt des Konzertes aus: teilweise wirken Dialoge und Bewegungen angestrengt. Zwischendurch lässt man die Mühelosigkeit oder Leichtigkeit vermissen, die einstudierte Choreographien lebendig und spontan wirken lassen. Das jedoch ist Meckern auf ganz hohem Niveau, denn im Großen und Ganzen ist am Abend im Zeichen der Liebe wirklich gar nichts auszusetzen und mit den Song-Samples und Zuschauerinteraktion ist immer wieder für überraschende Momente gesorgt.

Musikalisch wirkt es mit Klängen aus Elektro, Rap, Pop und natürlich Hiphop alles andere als monoton und die Jungs singen sich munter durch die Bandgeschichte. Dabei dürfen die ganz großen Hymen wie „Jein“ oder „Amsterdam“ natürlich nicht fehlen und werden auch lautstark vom Publikum begleitet. Insgesamt sind ein Viertel der gespielten Songs vom neuen Album. Dazu gehört ebenso das, die Zugabe eröffnende, Lied „Du driftest nach rechts“. Die Single an der sich Anfang des Jahres die Geister geschieden haben, manifestiert ein klares politisches Statement, für den ein oder anderen jedoch nicht überzeugend genug ist. In Szene gesetzt wird das Musikstück durch drei leuchtende Neonherzen auf dem Rücken von Collegejacken mit denen die Drei die Bühne betreten. Dadurch wird die Message um eine zusätzliche Ebene erweitert und hat jetzt zweifelslos eine ganz starke Aussage. Für die breite Masse verträglicher ist „Tage wie diese“, welches von der Menge gesungen und der Band dirigiert wird.

Zum Abschluss ziehen die Brote ihre alten Songs aus dem Zauberhut, die beim Publikum wesentlich besser ankommen als die Stücke von der neuen Scheibe. Jeder der, aus welchen Gründen auch immer, bisher noch nicht von der Musik abgeholt wurde, hat spätestens jetzt gar keine andere Wahl mehr als sich der Party anzuschließen. Die letzte Eskalationsstufe wird mit „Bettina, zieh dir bitte etwas an“ eingeleitet und zum großen Finale sind alle mit ganzem Herzen dabei. Zu dem gesellschaftskritischen „Schwule Mädchen“, scharfsinnig gespickt mit Melodien von „The Prodigy“, kocht die Halle und die Stimmung ist auf dem Siedepunkt. Eine außerordentliche Darbietung findet mit der Hamburg-Hymne „Nordisch by Nature“ um 22:45 Uhr ihren Endpunkt und zeigt, dass Fettes Brot immer noch im Herzen ihrer Fans wohnen und manche Liebesgeschichten ewig weiter gehen können.

Fotocredit: Kevin Randy Höfer

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