Die Götter müssen verrückt sein! Taubertal Festival 2019

Traditionsgemäß steigt das Taubertalfestival am zweiten Augustwochenende am Fuße des idyllischen Örtchens Rothenburg ob der Tauber. Während sich die Touristenmassen durch die pittoreske Altstadt schieben, bekommen sie nun gratis auch noch eine Ladung Qualitätsmusik aus dem Tal dazu. Was für ein Service!

Dabei hat das Taubertalfestival dieses Jahr mit einigen Wetterkapriolen zu kämpfen. Bereits am Anreisetag stehen viele Festivalbesucher in einem Dauerstau, da der Campingplatz durch den vorangegangenen Starkregen stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Der erste Festivalabend, immer am Donnerstag im Steinbruch, kann trotzdem wie geplant stattfinden.

Der Freitag

Der Freitag beginnt mit Sonne im Herzen und am Himmel. Auf der Hauptbühne feiert das Publikum ausgelassen zu Moop Mama, die mit ihrer starken Bühnenperformance wirklich Jeden zum Tanzen bringen. Kein Wunder, wo sie doch Liebe für alle im Gepäck haben! Weitere Highlights OK Kid, Milliarden und The Slow Readers Club. Letztere kommen aus Manchester und führen die Tradition der sehr guten Indiebands aus diesem Dunstkreis fort. Großes Tennis und mehr als einen Anspieler wert. Das ganze Festival freut sich auf die beiden Headliner Bullet for my Valentine und The Offspring, doch der Wettergott hat andere Pläne. Vielleicht, weil er keinen Platz in der ersten Reihe bekommen hat, zulange am Handbrotstand anstehen musste oder keinen Fotopass für Dexter Holland ergattern konnte- alle Taubertaler müssen büßen, denn kurz bevor BFMV die Bühne entern sollen, erscheint ein unheilvoller Text auf den großen LED-Tafeln. Das Gelände muss umgehend geräumt werden, es herrscht Unwetterwarnung und somit Lebensgefahr. Ungläubiges Gemurmel, weht doch nicht mal ein laues Lüftchen vor den Bühnen. Erstmal Vogel Strauß-Taktik, wenn man nicht hinschaut, dann kommt auch kein Sturm. Leider belieben Veranstalter nicht zu scherzen und es nützt nichts- das Festival ist gelaufen- zumindest für den Rest des Freitags. Und zurecht, denn nur kurze Zeit später war die Apokalypse da, Zelte werden von reißenden Fluten mitgerissen, Pavillons aus dem Boden gerissen und in das Land des Zauberers von Oz gestrudelt, Menschen fliegen zum Mond, Dexter Holland verteilt Fotopässe an alle…. nein, das ist natürlich gelogen. Immer noch NO PICS!

Der Samstag

Am Samstag ist dann alles wieder gut, das Wetter hält, die Bands haben Bock und die Zuschauer ebenfalls. Bereits seit Freitag laufen die Emergenza Endrunden und ab und zu lohnt es sich, auch bei den Newcomern vorbeizuschauen. Findige Musikmanager sollten sich deshalb das Taubi ganz dick im Kalender anstreichen. Besonders gut machen ihre Sache die Italiener von Adrenaline, die top gestylt tighten Metal auf die Bühne bringen und das Publikum zum Moshen, Springen und Mitgrölen animieren. Einzig der schlecht googlebare Bandname dürfte dem Erfolg dieser Gruppe im Wege stehen. Die Acts, die es auch ohne umstrittenen Musikwettbewerb auf die Bretter, die die Welt bedeuten, geschafft haben, sind die Donots, die als erste das Taubertal zum Schwitzen bringen, gefolgt von den angesagten Indiepoppern Von Wegen Lisbeth, die den Hauptstadtflair nach Franken bringen,  Madsen, die sympathischen Wendländer und zu guter Letzt die Fantastischen Vier, Hip-Hop Urgesteine aus Benztown, die sogar ihren ersten Hit Die Da?! live performen. Abseits der Hauptbühne heizen SIND, Megaloh, Pottinger und Frank Carter& The Rattlesnakes den Zuschauern ein. Letzterer fegt wie ein Derwisch über die Bühne, springt meterhoch, geht mitten ins Publikum, hechtet zurück auf die Bühne und veranstaltet zusammen mit seiner Band einen Veitstanz, von dem man sich noch lange erzählen wird. Wer immer noch nicht genug hat geht zu MC Fitti in den Steinbruch und entert dort nach Aufforderung die Bühne- was für ein perfekter Samstag das doch ist!

Der Sonntag

Glücklicherweise ist am Sonntag trotzdem noch genügend Energie übrig, um den letzten Festivaltag zu zelebrieren. Zebrahead sind das erste und einzige Highlight auf der Sounds for Nature Bühne. Wer möchte, kann sich den Rosenkavalier David Friedrich, bekannt aus dem Trash TV Format Der Bachelor, live an den Drums von Eskimo Callboy anschauen oder sich von Trettmann in die Autotune-Hölle entführen lassen. Auf der Hauptbühne reißt, nach der recht ruhigen Darbietung von Nothing but Thieves, die nicht so recht überzeugen will, Aki Bosse mit seiner positiven Energie alles wieder raus. Im strömenden Regen feiert er zusammen mit dem Publikum das Leben, holt sogar zwei Fans auf die Bühne, die mit ihm singen dürfen und verabschiedet sich pitschepatschenass, um die Bühne für Die Toten Hosen freizugeben. Oder sollte dieser Auftritt auch ins Wasser fallen? Schwingt Thor seinen Hammer wieder, weil er auch Campino und Co. Wegen Fotoauflagen nicht fotografieren darf? Nein, der heilige Sonntag findet ein versöhnliches Ende. Das war gar nicht so klar, denn ein Bienenstich verhindert den pünktlichen Beginn der Punk-Opas aus dem feinen Düsseldorf. „Besser spät als nie“ ist die Devise und so rocken die Mannen um Campino in gewohnt mitreißender Manier, covern sogar die Ärzte und spendieren am Ende sogar noch ein paar Luftschlangen. Von Hits wie Bonnie und Clyde, bis hin zu Paradies, Madelaine und hier kommt Alex ist alles dabei, was den Musikern und dem Publikum Freude bereitet.

 

Friedlich und nachhaltig

Das friedliche Festival war auch in der 24. Ausgabe wieder ein voller Erfolg- trotz der Wetterkapriolen, für die ja keiner etwas kann. Der Veranstalter lobt das wachsende Umweltbewusstsein der Gäste, die geordnete Evakuierung des Festivalgeländes am Freitag und die gute Stimmung am Zeltplatz und auf dem Platz. Abgesehen von der idyllischen Lage ist und bleibt das Taubertalfestival eines der entspanntesten und schönsten Musikhappenings Deutschland. Die positive und wohlwollende Grundstimmung vor und hinter den Bühnen, die immer gut gelaunten und hilfsbereiten Securities, die entspannte festivalwache, das sorgfältig ausgewählte Musikprogramm, die liebevollen Foodtrucks mit regionalen und internationalen Spezialitäten zu humanen Preisen und natürlich der unerschütterliche Optimismus der Besucher, die jedes Jahr aufs Neue ins Taubertal pilgern, sind Grund genug, bereits jetzt einen Besuch beim Taubi 2020 fest einzuplanen. Los geht’s, wir fahren zum Taubertal, wie jedes Jahr und „gscheid schee wird’s!“

Redaktion und Fotocredits: Désirée Pezzetta

About The Author

Eine Italienerin in Franken. Popkulturelle Geisteswissenschaftlerin. Geht jährlich auf über 100 Konzerte von David Hasselhoff bis Heaven Shall Burn. Mag Katzen, Pasta und Weinschorle. All time favourite Band: Bonaparte

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