Volle Power voraus – Im Interview mit Montreal aus Hamburg

Am ersten offiziellen Festivaltag des Hurricane Festivals trafen wir uns in einer netten Ecke des Pressebereichs mit Hirsch, dem Frontsänger der Hamburger Punk-Rock-Band MONTREAL. Wir haben uns ganz viel über die neue Platte des Dreiergespanns unterhalten, die zum Großteil in einem gemeinsamen Kurzurlaub entstanden ist. Die Geschichte hinter dem Album und vieles mehr erfahrt hier nun hier.

Gringoz: Ja moin Hirsch … Same same, but different – Gleicher Ablauf wie beim Hurricane 2017 oder wie? Warm-Up Party am Donnerstag – Komplettabriss, Freitag chillaxen und Samstag wird dann wieder geballert?

Hirsch: Ja genau, vor zwei Jahren haben wir an dem Freitag unsere Platte „Schackilacki“ rausgebracht und heute haben wir den Vorverkauf gestartet und ne neue Single veröffentlicht. Daher ist heute nichts mit chillen, da wir ja selbst unser eigenes Label sind. Mein Tag sah also so aus, dass ich um 5 Uhr ins Bett gefallen und um 8 Uhr heute wieder aufgestanden bin, hab den Vormittag bis 15 Uhr am Rechner verbracht, mich danach kurz hingelegt um dann für den Abend für Interviews wie mit euch fit zu sein. Werde dann noch paar Freunde treffen und mir um 22.45 Uhr die Toten Hosen geben!

Gringoz: Ich musste leider noch fleißig arbeiten am Donnerstag und heute, weshalb ich eure Show auf der Warm up-Party am Donnerstag leider nicht sehen konnte. Erzähl doch mal, was ich so verpasst habe.

Hirsch: Komplettabriss! Es war bis dato noch sehr unklar wie es werden wird, weil das Wetter ja nicht so wirklich mitgespielt hatte. Vor uns hatten unsre Freunde von Radio Havanna gespielt, da hat es unfassbar angefangen zu schütten. Es hatte dann aber wieder aufgehört und wir haben aufgebaut. Als wir aber angefangen haben zu spielen, fing es wieder an zu regnen und dann ist es ja meistens so, dass die Leute das Gelände verlassen. Dadurch, dass der Regenschauer aber nur kurz anhielt, wurde es dann doch schnell recht voll und den Leuten war das Nass-Werden egal. Der Veranstalter stand hinten mit auf der Bühne und hatte mir danach gesagt, dass das schon so an die 15-20.000 Leute waren und die haben ganz gut Alarm gemacht! Haben auch unsren neuen Song „Dreieck und Auge“ performt, der einigermaßen gut ankam. Ist ja immer recht schwierig bei neuen Songs. Aber war okay und spielen wir morgen auch wieder!

Gringoz: Das ist nun mein Cliffhänger. Hatte mir Euren neuen Song im Auto auf der Herfahrt angehört und dachte mir so; „Okay, 1:45 Minuten…ist ja relativ kurz.“

Hirsch: Ja, musst du heutzutage machen. Die Leute haben nicht mehr so ne große Aufmerksamkeitsspanne wie früher. Der Song „Endlich wieder Discozeit“ von unsrem dritten Album ist 4:11 Minuten lang, das ist heutzutage schon fast ein halbes Album. Wir haben auch schon bei „Schackilacki“ selbst gemerkt, dass wir auf alles Unnötige wie zB. Intros oder lange C-Teile verzichten können und mehr auf den Punkt kommen möchten. Daher fangen wir jetzt auf der neuen Platte bei acht oder neun Liedern direkt mit Gesang an und dadurch sind die Lieder auch ein bisschen kürzer, aber das gefällt uns und wir machen dafür gerne zwei-drei Songs mehr. Auf dem neuen Album wird es 12 Songs geben, insgesamt 31:15 Minuten. Ist schon ne normale Punkrock-Plattenlänge. Ich finde eine Punkrock-Platte muss länger als 30 Minuten sein, darf aber idealerweise nicht länger als 34-35 Minuten sein, sonst wird’s auch schon wieder ein bisschen anstrengend!

Gringoz: Was mich als Biologin natürlich brennend interessiert ist die Tatsache, dass ihr auf Eurem Albumtitelbild eine Gerbera mit Löwenzahn-Blättern habt- why that?

Hirsch: Das hat uns schon jemand gesagt. Aber ich schwöre dir, wir sind in einen Blumenladen gegangen, haben den Topf gekauft und haben das Ding fürs Titelbild fallen lassen. Also ich hab keine Ahnung, was die sich in ihrem Keller da aufzüchten. Das haben wir jetzt nicht hinterfragt oder geguckt, ob das jetzt so stimmt. Aber schön, wenn das Gesprächsstoff liefert!
Wenn man das Cover aber genauer betrachtet, findet man tatsächlich einen kleinen Fehler. Der Fotograf hatte nämlich beim Verrücken der Pflanze den Kopf abgebrochen und wir hatten aber nur diese eine gekauft. Also haben wir uns geholfen, indem wir eine Nadel in den Stängel gesteckt, die Blume wieder draufgesetzt und mit Tesafilm festgeklebt haben. Wir hatten zwar zwei Töpfe, aber nur diese eine Blume. Also haben wir das so für den Videodreh verwendet und von oben fotografiert und gefilmt, aber in der Zeitlupe sieht man, dass sich während des Falles schon die Blume von der Nadel löst und das ging natürlich nicht. Also haben wir den zweiten Topf genommen und alles so reingesteckt, dass es irgendwie geht und dann ist es das fertige Bild geworden, aber den Tesafilm sieht man bei genauerem Hinsehen schon noch!

Gringoz: Ihr bleibt Eurer Diskographie-Geschichte ja sehr treu, alle zwei-drei Jahre ein neues Album…sportlich! Wir fiebern natürlich der Veröffentlichung Eures neuen Albums „Hier und heute nicht“ im August entgegen – War die Produktion denn eher so alâ „Das verflixte Siebte Album“ oder eher „Schackilacki“?

Hirsch: Teilweise hatten wir bisschen Sorge wegen dieser abergläubischen Geschichte, aber war tatsächlich das einfachste und schnellste Album, das wir je gemacht haben. Ich hatte, glaube ich, sieben Texte innerhalb einer Woche oder zwei Wochen letztes Jahr schon im Urlaub fertig gehabt. Bei uns gibt es auch ne ganz klare Aufteilung; ich mach die Texte und Yonas macht die Musik. Daher war ich die ganze Zeit schon mega entspannt, weil ich wusste, dass es nicht mehr wie 11-12 Lieder werden und ich schon mehr als die Hälfte hatte. So musste die Abteilung „Musik“ erstmal nachziehen und ich hatte dann noch genug Zeit, die restlichen Songs zu schreiben. Yonas und ich waren Anfang des Jahres gemeinsam im Urlaub und da haben wir innerhalb einer Woche diese sieben Songs fertig gemacht und für die anderen Paar haben wir uns zusammen mit unsrem Produzenten im Proberaum getroffen. Hatten eine kleine Vorprobe, in der wir quasi alle Songs schon einmal aufgenommen haben und da haben wir dann innerhalb von sechs Tagen den Rest fertig gemacht und sind ins Studio gegangen und haben innerhalb von 11 Tagen die Platte aufgenommen. Das ist also schon ne sportliche Leistung und es gab dieses Mal auch keinen Song, bei dem wir rumdoktoren mussten. War schon echt ekelhaft, wie glatt das alles dann doch lief! Kann man eigentlich auch mit nem Toilettengang vergleichen wa; manchmal hast du Glück, aber manchmal zieht sich das und ist nicht schön. *lach*

Gringoz: Die erste Singleauskopplung „Dreieck und Auge“ ist ja heute schon veröffentlicht worden, geht’s darin wie erstmal vermutet um die Illuminati oder eher um eure Dreifaltigkeit? *lach*

Hirsch: Das war das erste Lied, zu dem ich den Text hatte. Ich hatte eine Melodie im Kopf und paar Zeilen, die zu dem Flow gepasst haben. Aber dann musst du ja auch gucken, wie du da ne Geschichte rumgebastelt bekommst, um diese Zeile zu rechtfertigen. Und dieses Gebastle macht dann schon Spaß! Uns ist das Thema so an sich komplett egal, mir ging es eigentlich nur um die gängigen Klischees, die man kennt, und um diese dann überspitzt wiederzugeben. Es soll keinen Menschen jetzt in irgendeine Richtung verändern oder beeinflussen, es ist mit 1:45 Minuten einfach ein launisches Punkrock-Lied! Auch unser Video ist genau so aufgebaut und geht nicht ins Detail, es ist einfach als eine Satire zu verstehen!

Gringoz: Und der Titel „Hier und heute nicht“… was wollt ihr denn hier und heute nicht?

Hirsch: Das ist der Titel des zweiten Songs auf der Platte und ist glaube ich sogar unser erstes Lied, bei dem wirklich alles so passiert ist, wie es im Lied gesungen wird. Yonas und ich waren im November 2018 in Amsterdam und wir waren mit sechs anderen Freunden dort verabredet um NOFX zusehen. Wir beide waren ganz früh schon da und saßen noch in einem Straßencafe und trinken so unser erstes Bier. Auf einmal fiel von einem Fensterbrett wohl 3 Stockwerke über uns ein Blumenkübel samt Inhalt auf den Stuhl neben mir herab, der wurde durch den Wind einfach umgeworfen und knallte nur ein paar Millimeter neben mir auf den Stuhl, auf den Yonas Sekunden vorher saß. Das hätte es auf jeden Fall sein können, es hätte vorbei sein können, aber da eben noch nicht. Daher der Albumtitel und deshalb auch das Titelbild. Yonas hat sich die Gerbera quasi auch als Andenken daran auf dem Greenfield Festival tätowieren lassen.

Gringoz: Mit welcher Band habt ihr es am meisten genossen auf Tour?

Hirsch: Wir haben sehr viel mit der Sondaschule die letzten Jahre getourt, das ist mittlerweile aber auch eher wie ein Ausflug mit Freunden. Wir haben uns ja auch alle über die Jahre weiterentwickelt und kommen jetzt natürlich viel anders zusammen als noch vor 10 Jahren. Es sind auch ganz andere Themen wichtiger geworden. Mit den Donots war‘s aber auch immer super. Die kennen wir auch schon seit ca. 14 Jahren und waren dieses Jahr zum 1. Mal zusammen mit dem Bus in der Schweiz unterwegs, das war auch nochmal ein ganz anderes Erlebnis – eine unfassbar geile Tour! Aber auch jedes Europa-Konzert mit der Bloodhound Gang war sehr, sehr gut.

Gringoz: Ihr könnt jetzt auf eine gewisse Zeit zusammen als Band, zusammen als Freunde zurückblicken, ihr kennt Euch gegenseitig ziemlich gut, seid miteinander gewachsen. Wie hat euch das Bandleben persönlich und gegenseitig verändert? Was könnt Ihr für Euch herausfiltern, was könnt ihr mitnehmen?

Hirsch: Wir zu dritt machen seit 1999 gemeinsam Musik. Das ist mehr als die Hälfte unseres Lebens. Die Band ist schon der größte Bestandteil in unsrem Leben und bestimmt ja auch unsren Alltag. Also ich weiß jetzt schon, was ich in den nächsten 2-3 Jahren machen werde, wann und wo Konzerte stattfinden sollen, wann wir mal frei haben und in Urlaub fahren können. Wir sind auch froh und stolz darauf, dass wir seit gut 20 Jahren noch in der Ursprungsbesetzung vorhanden sind, das gibt es in Deutschland ja relativ selten. Dass wir nicht nur eine Band sind, die sich zum Songsaufnehmen trifft und zusammen auf Tour geht, sondern dass wir auch ein Stück weit zu einer Familie zusammengeschweißt sind und in unserer Freizeit viel zusammen unternehmen. Das ist nicht selbstverständlich!
Wie lange quatschen wir hier eigentlich schon? Um Gottes Willen, ich hab noch einen anderen Termin, ganz vergessen …

Gringoz: Ja jetzt aber HuschHusch und viel Spaß noch auf dem Festival und bei Eurem morgigen Auftritt! Vielen Dank für deine Zeit!


Das Interview wurde geführt von Mona Riahi
Fotocredits: Max Threlfall

Bildquellen

  • Montreal: © Max Threlfall

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