Kosmonautfestival 2019 – Galaktische Stimmung am Stausee Rabenstein

Am ersten Juliwochenende ist es wieder soweit, der Stausee Rabenstein in Chemnitz verwandelt sich in eine bunte Parallelwelt voller Musik, Party und gute Laune. Das Kosmonautfestival bittet zu Tanz, Spaß und Spiel. Viele sind dieses Jahr schon einen Tag früher angereist, um beim Kosmos Chemnitz zusammen mit 50.000 Menschen friedlich gegen rechts zu demonstrieren. Bands wie Großstadtgeflüster, Tocotronic, Alligatoah (mit Gaststar Felix Kummer) und Herbert Grönemeyer streckten bei der zweiten Auflage von #wirsindmehr unter dem Motto #wirbleibenmehr den ewig Gestrigen nicht nur den sprichwörtlichen Mittelfinger entgegen.

Nun, da sich die Tore zum idyllischen Stauseebad wieder öffnen, erwartet die Besucher wieder zwei Tage lang ein feines musikalisches Programm, das durch Rahmenveranstaltungen wie Herzblatt, Bingo und das mittlerweile fast olympische Flunkyball-Turnier aufgelockert wird.

 

Der Freitag

Granada, die sympathische Band aus Graz, eröffnet den Slot auf der Hauptbühne und zeigen, dass Österreich durchaus immer noch für neue Überraschungen gut ist, ihr eingängiger Indie gepaart mit steirischer Mundart ergeben eine interessante Mischung, die der Kapelle eine große Zukunft eröffnen dürfte. Wir haben Thomas und Lukasz nach dem Gig zum Interview getroffen, das bald auf unserer Seite zu lesen ist.

Weitere Highlights des Freitags waren Pom Poko, die Überflieger aus Norwegen, die sich nicht um Klischees kümmern sondern sich ganz und gar darauf konzentrieren alles in Grund und Boden zu rocken. Die Nerven schreien derweil die ganze Atomino Bühne zusammen und man kann der Drangsal höchstselbst am Bühnenrand beim Eskalieren zuschauen. Schön, wenn Musiker selbst wieder Fans werden. Eine Menge Fans haben auch die Leoniden vor der Bühne versammelt und liefern einen gewohnt energetischen und gutgelaunten Auftritt ab, der seinen Höhepunkt darin findet, dass Sänger Jakob mitten im Publikum musiziert und singt. Bosse fungiert als Opener für den geheimen Headliner und sorgt mit seinen Songs von der Liebe und vom Leben für den ein oder anderen Gänsehautmoment.

 

Wicked!

Dann ist es endlich soweit, alle warten auf den Geheimen Headliner. In alter Tradition kommen die Kraftklubber auf die Bühne und sagen kryptisch den nachfolgenden Act an. „Wer jetzt nicht tanzt, der hat Popmusik nicht verstanden!“ Die Gerüchte verdichten sich, Hobbydetektive kombinieren die letzten Hinweise und dann sind alle Zweifel dahin, denn hinter dem Vorhang verbergen sich Scooter! Wickeeeeed! Scooter, die immerhin mit einem Song berühmt wurden, in dem sie einfach nur Namen von DJs aufzählen, deren lyrischen Meisterwerke wie „Move your ass“ oder „One (always hardcore)“ unvergessen bleiben und die immer noch nicht wissen, wieviel der Fisch denn jetzt eigentlich kostet, legen direkt mit viel Feuer und Tänzern und Trallala los. Sind das vielleicht doch Rammstein? Der deutsche Akzent von HP Baxxter im Englischen legt das nahe. Aber nein, es sind die Massen-Techno-Götter höchstselbst, die das Publikum aus den Socken hauen. In der Geschichte des Kosmonautfestivals hat ein geheimer Headliner selten so viel Begeisterung ausgelöst, wie Scooter. Alles richtig gemacht! Wer dann noch zu richtigem Elektro weiterfeiern will, schaut bei Kid Simius vorbei, mit dem der Freitag endet.

Der Samstag

Am Samstag eröffnen die grandiosen Flut den Tag musikalisch auf der Atominobühne, bevor es mit Pish auf der Hauptbühne weitergeht. Der Frontmann von Kakkmaddafakka stellt sein Soloprogramm vor und erreicht mit seinem fröhlichen und doch melancholischen Set mehr als nur einen Anstandsapplaus. Wir haben Pish zum Interview getroffen und ihn ausführlich zu seiner Musik sowie der Indieszene in seiner norwegischen Heimatstadt Bergen befragt. Auch dieses Interview kann bald nachgelesen werden. Zu den Überfliegern von Giant Rooks versammeln dann gefühlt das ganze Festival am Stausee und wem es vor der Stage zu eng wird, der kühlt sich einfach noch ein wenig im See ab, denn das Wetter meint es gut mit den Kosmonauten. Kein einziger Regentropfen fällt in Karl Marx Stadt an diesem Festivalwochenende. Die Parcels und Von Wegen Lisbeth (die im Übrigen auch das Flunkyballturnier gegen Kraftklub für sich entscheiden) liefern in gewohnter Manier sauber ab, während Fil Bo Riva am anderen Ende des Geländes mit seinen verträumten Klängen ein kleines Hippie Kontrastprogramm bietet. Das große Finale ist den Berlinern von K.I.Z. vorbehalten, die ihren Headliner Spot zurecht haben.

 

Gelungenes Festival

Auch 2019 begeistert das Kosmonautfestival mit vielen liebevollen Details von Minigolf über das bewährte Postamt, wunderschöner Kulisse, ausgefallenem Merch und entspannten Besuchern. Die Auswahl an Gastronomie lässt keinen Magen knurrend zurück, obschon die Wartezeiten an den Foodtrucks teilweise grenzwertig sind. Qualität braucht eben seine Zeit.  Für den Preis von knapp 80Euro bekommt man sehr gute Bands, friedliche Stimmung und beste Unterhaltung. Top Ebayer, 2020 gerne wieder.

 

Redaktion: Désirée Pezzetta

Fotocredits: Adina Scharfenberg

About The Author

Eine Italienerin in Franken. Popkulturelle Geisteswissenschaftlerin. Geht jährlich auf über 100 Konzerte von David Hasselhoff bis Heaven Shall Burn. Mag Katzen, Pasta und Weinschorle. All time favourite Band: Bonaparte

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