100 ways to be a good band – Skunk Anansie live, Berlin,  Columbiahalle 21. Juli 2019

25 Jahre Skunk Anansie. 25 Jahre mitreißender Rock, unzählige Hits und unvergessliche Livemomente mit der Band um Sängerin Skin, die in den 90er Jahren mit sämtlichen Klischees in der Männerdomäne der härteren Musik aufgeräumt hat. Von Anfang an politisch, gegen den Strom und stimmgewaltig zwirbelten Skunk Anansie die Szene zusammen und spuckten sie wieder aus. Zum Jubiläum haben die Briten nicht nur ein Livealbum auf den Markt geschmissen, sondern melden sich auch mit einer ausgedehnten Tour zurück, die sie heute in die Berliner Columbiahalle führt.

 

Allusinlove – die Überflieger aus Leeds

An einem der heißesten Tage des Jahres kocht die Stimmung bereits beim Opener allusinlove über. Die Jungs aus Leeds überraschen mit einem energiegeladenen Set, eingängigen 90er Jahre Alternative Rock, Spielfreude und Gespür für den großen Auftritt. Kürzlich erst erschien das Debütalbum der Engländer It’s okay to talk, das sie auch während des Sets anpreisen. Man solle es doch bitte erwerben, die Band habe Hunger und es gelüstet ihr nach Chicken. Oder vielleicht doch nach Chicks? Doch ein Mitleidskauf ist nicht nötig, die Songs des Quartetts rocken und auch die leisen Töne, zu denen das Licht gelöscht wird und nur die Smartphones des Publikums die Columbiahalle erleuchten, zünden. Den meisten Zuschauern noch unbekannt, werden sie wohlwollend empfangen und nach ihrem knapp 40minütigen Set unter frenetischem Jubel entlassen.  Anspieltipps für Neulinge: „All good people“, „bad girls“ und der titelgebende Track „It’s okay to talk“. Nach diesem würdigen Support ist die Masse nun bereit für den Headliner des Abends.

 

Berlin can dream

Nicht lang später erklingen die ersten Töne von Charlie Big Potatoe, das live-Lieblingslied von Drummer Mark, wie er in einem Interview verraten hat. Die Bühne ist in rotes Licht getaucht, als Skin erscheint. Sie trägt eine wuchtige Lackjacke, zerrissene Strumpfhosen und skandiert, diabolisch in die Menge schauend, Zeile um Zeile des Megahits. Das Publikum wird sofort in den Bann der stimmgewaltigen Frontfrau gezogen und starrt gebannt auf die Bühne. Vom ersten Moment an interagiert die Sängerin mit den Fans, nimmt ein Bad in der Menge, macht Späßchen. Auch die Jahre scheinen spurlos an der 52Jährigen vorbeigegangen zu sein. Musik hält jung.

Neben den Hits  because of you, my ugly boy und Intellectualize my blackness sind es natürlich die Evergreens wie Hedonism, Weak, Charity und Twisted,  die das Publikum hören will und lauthals mitgrölt. Und auf einmal ist der Spirit der 90er wieder voll da, Haare und Arme fliegen, Skin lässt sich abermals durch die Menge tragen, nachdem sie inmitten der zum Bersten gefüllten Columbiahalle zwischen ihren Fans singt und zu guter Letzt entlockt sie sogar dem Theremin die süßesten Töne mit ihrer Zunge. Auch neue Songs werden vorgestellt, besonders what do you do for love bleibt im Gedächtnis und könnte sich zum Smash Hit entwickeln.

 

Yes, it`s fucking political!

Soviel Liebe Skin auch für ihre Fans übrig hat- für den Brexit und das britische Parlament findet sie keine versöhnlichen Worte. Wie bereits zu den Anfängen Skunk Anansies hat die Gruppe eine klar liberale politische Einstellung, mit der sie auch nicht hinter dem Berg hält- und das ist heutzutage wichtiger denn je. Skin, die Frau, die sich schon vor 25 Jahren gegen Rassismus, Sexismus und Homophobie stark gemacht hat, tritt auch heute noch für ihre Werte ein und schreit sie in die Welt hinaus. Das Phänomen Deborah Ann Dyer, so ihr bürgerlicher Name, ist noch lange nicht entmystifiziert. Die grundsympathische Art der ganzen Band, die akzentuierten Ansagen von Skin und die maßlose Begeisterung des Publikums bilden zusammen einen Hexenkessel.

 

Überwältigt von dem positiven Feedback der Berliner spielt die Band zusätzlich noch 100 Ways to be a good girl, bevor nach Little Baby Swastikkka nun wirklich im Saal das Licht angeht. Wer die Möglichkeit hat, noch eines der kommenden Skunk Anansie Konzerte zu besuchen dem sei dazu geraten- eine bessere Liveband findet sich schwer dieser Tage.

 

Redaktion und Fotocredits: Désirée Pezzetta

About The Author

Eine Italienerin in Franken. Popkulturelle Geisteswissenschaftlerin. Geht jährlich auf über 100 Konzerte von David Hasselhoff bis Heaven Shall Burn. Mag Katzen, Pasta und Weinschorle. All time favourite Band: Bonaparte

Keine Kommentare on "100 ways to be a good band – Skunk Anansie live, Berlin,  Columbiahalle 21. Juli 2019"

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.