El dia de los guitareros – Rodrigo y Gabriela, Berlin, Columbia Theater, 15. April 2019, Live Review

Die Geschichte der beiden Gitarristen Rodrigo Sanchez und Gabriela Quintero liest sich wie aus einem modernen Märchen. Als Teenager trafen sich die beiden Heavy Metal Fans in Mexiko City und beschlossen, fortan zusammen zu musizieren. Was mit Metallica Coversongs begann, entwickelte sich bald zu einem eigenständigen Projekt. Es folgte eine Übersiedlung nach Irland, wo die beiden in Dublin Kontakt zur lokalen Musikerszene aufbaute, bis schließlich Damien Rice das Duo mit auf Tour nahm. 2003 veröffentlichen sie ihr Debüt Re-Foc, was den Beginn ihrer steilen Karriere besiegelte. Nicht nur in renommierten Formaten wie der Late Show mit David Letterman oder bei Jay Leno gastierten Rodrigo y Gabriela,  sondern sie spielten auch beim White House State Dinner 2010 vor Barack Obama (und Beyoncé auch). In Deutschland sind die Wahliren noch nicht so bekannt und daher ist das Columbia Theater zwar sehr gut gefüllt, aber bis zu Konzertbeginn noch nicht ausverkauft. Neben München ist Berlin das einzige Deutschlandkonzert.

 

Bereits vor Konzertbeginn ist die Stimmung im gemütlichen Columbia Theater ausgelassen und freundlich. Das bunt gemischte, multikulturelle Publikum hat keine Berührungsängste und wohin man sich wendet sieht und hört man angeregte Gespräche über Musik, Konzerte, Berlin und natürlich Gitarren! Voller Vorfreude jauchzen die Fans, als um kurz nach 20 Uhr das Licht aus- und der Spot angeht und die beiden grundsympathischen Gitarristen auf die Bühne kommen. Gabriela und Rodrigo geben ohne Umschweife sofort Vollgas und die Stimmung im Club springt sofort auf Tanzen und Feiern um. Die energiegeladene Show löst überschwängliche Begeisterung aus, die sich in schier endlosen Applaus nach jedem Stück widerspiegelt. Während der Songs blicken sich Rodrigo und Gabriela an, wenden sich ganz einander zu, drehen sich wieder zum Publikum und interagieren nonverbal mit der faszinierten Menge. Die erste Ansage des Abends gehört der Dame. Mit sanfter Stimme und charmanten Akzent erklärt Gabriela auf Spanisch und Englisch, wie sehr sie sich freuen in Deutschland zu sein und dass es doch kälter sei, als gedacht. Während des 14 Songs umfassenden Sets, das natürlich überwiegend aus flamencoesken Stücken besteht, nehmen Rodrigo y Gabriela ihre Fans mit auf einen wilden Ritt aus Bewegung, Druck, Energie und Emotionen. Wenn Gabriela auf dem Korpus ihrer Gitarre einen Beat schlägt, klingt das gewaltig und ergänzt die Soli von Rodrigo auf perfekte Weise. Neben den eigenen Werken wie Krotona Days oder Terracentric haben die Beiden ein weiteres Highlight in  petto: Eine Coverversion von Pink Floyd’s Echoes. Scherzend kündigt Rodrigo den Titel an und rät den Anwesenden, sich zu setzen. Diesem Aufruf kommt keiner nach, im Gegenteil, das Publikum ist total aus dem Häuschen! Und das zurecht, denn von diesem Cover wird man noch lange schwärmen. Das Konzert ist nicht nur eine akustische Glanzleistung, sondern auch visuell wird Einiges geboten. Neben gut ausgeklügelter Belichtung sind Kameras auf die Gitarren gerichtet, die das Spiel der beiden Protagonisten live einfangen und auf eine Leinwand, die anstelle eines Backdrops hängt, projizieren.  Die ansonsten karge Bühne stört nicht im Geringsten- heute Abend hat das Publikum sowieso nur Augen für Rodrigo y Gabriela. Für Gitarrenliebhaber, Flamencofreunde und Musiknerds sollte der nächste Deutschlandstopp des Duo Infernale als fixes Datum im Kalender eingetragen werden.

 

Fotocredit: Desiree Pezzetta

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Eine Italienerin in Franken. Popkulturelle Geisteswissenschaftlerin. Geht jährlich auf über 100 Konzerte von David Hasselhoff bis Heaven Shall Burn. Mag Katzen, Pasta und Weinschorle. All time favourite Band: Bonaparte

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