Ohh La – The Kooks Live in Berlin, Tempodrom 02. April 2019 Live Review

The Kooks tummeln sich bereits seit über einem Jahrzehnt in der Indiemusiklandschaft und haben mit Hits wie Naive oder She moves in her own way schon ziemlich jeden Hipster zum Tanzen gebracht. Nachdem es in der Vergangenheit mit dem Hitpotential stetig bergab ging und den vorläufigen Tiefpunkt mit dem experimentellen Album namens  Listen erreicht hatte, versuchte man mit dem 2018 erschienenen Let‘s Go Sunshine alles wieder zu richten (die Review ist auch auf Gringoz zu finden). Nach einigen intimen Gigs kurz nach dem Albumrelease sind The Kooks jetzt auf Welttournee und machen dabei natürlich auch Halt in Berlin, wo sie sich das Tempodrom als Spielstätte ausgesucht haben.

 

Unspektakulärer Support

Gleich zwei Opener haben sich die Briten mitgebracht, allesamt Landsleute. Vielleicht ist es ja auch das letzte Mal, dass unsere Freunde von der Insel unbeschwert durch die Welt tingeln und arbeiten können.

Den Auftakt macht Callum Beattie mit einem kurzen Akustik Folk Set und herzerwärmenden Ansagen im tiefsten schottischen Akzent. In Folge treten die Blossoms auf, die mit ihrem Retorten-Indierock auch nicht so recht überzeugen.

 

Kooks zurück auf der Bühne

Anders als The Kooks, die um 21:10 Uhr die Bühne betreten. Diese ist stufenförmig, wie bei einer alten  Showrevue und mit LED Lichtern versehen. Statt eines Backdrops hängt da ein schwerer Vorhang, der je nach Song stimmungsvoll in Farbe getaucht wird. Die Band steht auf den Stufen im Hintergrund, während Sänger Luke Pritchard, durchaus bewegungsfreudig, die gesamte Bühne für sich nutzt. Das ist eines der Talente des Frontmanns, das Entertainment. Er wird nicht müde, mit dem Publikum zu interagieren und scheint die Begeisterung der Fans aufzusaugen und zu potenzieren. Mit seinem weißen Hemd, der on fleeken Jacke und der schicken Hose ist er immer noch Fashionista erster Güte für eine ganze Generation.

 

Solides Set einer gutgelaunten Band

Der Abend beginnt glorreich mit Always where I need to be und bereits beim vierten Song setzt man auf den 2006er Hit She moves in her own way. Erst zwei Songs später gibt es den ersten Output der neuen Platte mit Four Leaf Clover. Im Laufe des Konzertes kommen zwar noch eine Stücke von Let’s Go Sunshine dazu, wie zum Beispiel das lyrische Fiasko All The Time oder das schmissige No Pressure, aber im Allgemeinen hält man sich an bewährte Hits, die das Konzert zu einem Selbstläufer werden lassen.

Die Stimmung ist gut und wenn die Band sich dann in gebrochenem Deutsch für die „Gemütlichkeit“ bedankt und den Anwesenden Alles Liebe wünscht, dann hat die liebe Fanseele Ruhe. Auch die meisten Zuschauer auf den Rängen hält es nicht lange in ihren Sitzen und viele tanzen und hüpfen, als wären sie das erste Mal ausgelassen unterwegs. The Kooks machen Musik zum Wohlfühlen und Spaß haben.

See me now ist da eine willkommene und bewegende Abwechslung. Wenn Pritchard, allein am Klavier, die Ballade für seinen verstorbenen Vater performt, rührt das schon- vielleicht nicht zu Tränen, aber ein bisschen.

 

Bevor es in die Zugabe geht, die mit „a few songs“ angekündigt wird, dann aber doch nur aus No Pressure und dem wohl bekanntesten Song der Briten Naive besteht, kommen die Fans an diesem Abend noch in den Genuss von Luke und seiner Akustikgitarre bei Seaside und Junk of Heart (happy). Glücklich sind auch die Fans, die bekommen haben, wofür sie gezahlt haben und vielleicht noch ein bisschen mehr. Schöner Abend, feine Band, das macht Lust auf die Festivalauftritte im Sommer, unter Anderem auf dem Deichbrand.

 

Redaktion und Fotocredits: Désirée Pezzetta

About The Author

Eine Italienerin in Franken. Popkulturelle Geisteswissenschaftlerin. Geht jährlich auf über 100 Konzerte von David Hasselhoff bis Heaven Shall Burn. Mag Katzen, Pasta und Weinschorle. All time favourite Band: Bonaparte

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