Ein emotionaler Abend mit Mike Shinoda in Oberhausen

Knappe 20 Monate sind seit dem tragischen Ableben von Linkin Park Frontmann Chester Bennington vergangen, wenige Woche danach sah man im Oktober die Band das letzte mal zusammen auf der Bühne Performen, doch für Mike Shinoda fing der wahre Prozess dort erst an – offen verkündet er in L.A., dass er zum verarbeiten solcher Ereignisse oft Musik schreibt und stellte in der gleichen Rede auch direkt seinen eigenen Song Looking For An Answer zu diesem seelischen Tiefschlag vor – die musikalische Geburt für das kommende Album Post Traumatic fand damit statt.
Die im Januar folgende EP ebnete den Weg für das gleichnamige Album im Juni, auf welchem sich Vollblutmusiker Shinoda wie auf einem Progressalbum durch die fünf Phasen der Trauer – Leugnen, Zorn, Verhandeln, Depression, und Akzeptanz rapt, singt und vor allem durchlebt.
Und heute – am 06.03.2019 stehen wir als begeisterter Linkin Park Solidier endlich hier, um eben jenen Progress auch zu fühlen und zu erleben. Zuviel Respekt vor der WarmUp Tour im August war noch da, um von dieser für euch zu berichten, doch knappe 20 Monate später fühlen wir uns bereit, mit euch zusammen hier diesen Weg zu gehen – oder?

Eingeleitet wird der Abend von der fest verankerten Opener Band Don Broco, welche bereits auf der WarmUp Tour Mike quer über die Erdkugel stets begleitete. Nach den ersten Takten merkt man auch sofort wieso, denn die Mischung als englischem Rock gepaart mit groovelastigen Beats lädt sofort zum mitspringen ein und verleiht uns auf den ersten Blick gar nicht so das Gefühl eines quälenden Openers, der uns nur die Zeit vom eigentlich Headliner wegnimmt. Nicht nur uns, sondern die gesamte Turbinenhalle hatten die Jungs spätestens zum zweiten Song voll im Griff, sodass die viel zu kurzen 30 Minuten Spielzeit wie im Flug vergingen.

Gefühlstechnisch brachten Don Broco dabei selbstredend mehr Freude und gute Laune rüber, als das eigentliche Thema des Abends widerspiegeln soll, und während der Umbaupause wurde dies wahrscheinlich dem ein oder anderen Fan auch bewusst, denn klar wurde hier und da ordentlich geredet und diskutiert, aber in den Minen einzelner Konzertbesucher konnte man nur zu gut auslesen, dass nicht nur Interesse und ein schöner Konzertabend heute im Vordergrund stehen.

Mike selbst eröffnete den Abend mit dem aktuellsten Fort Minor Song Welcome, welcher wahrscheinlich als kreatives Nebenergebnis vom Do It Youself Album The Hunting Party von Linkin Park entstanden ist und 2015 seinen Weg auf die verschiedenen Streamingportale fand – schöner Opener.

Wir möchten hierbei nur ungern Song für Song den Abend durchgehen, denn hochachtungsvoll anzumerken ist, dass Mike Shinoda seine Setlist für jeden Abend recht spontan zusammenstellt und sich so jedes Konzert seiner Tour mit einigen Highlights durchaus vom anderen Unterscheidet. Das betrifft nicht nur die Reihenfolge der Songs sondern auch die direkte Songauswahl, wodurch Oberhausen zum Beispiel als erste Station auf der Tour den Klassiker Numb in einer emotionalen Piano Version hören durfte.

Generell zählten die Linkin Park Songs hier zu dem wahren Highlight des Abends, bei denen, die wie bereits beim Hollywood Bowl einzeln bewiesen, die Menge den Part von Chester Bennington übernimmt – als Fan eine schöne Geste, seinen Beitrag zu leisten und dazu auch wirklich sehr berührende Momente, denn spätestens hier fällt auf, was eigentlich selbstverständlich oder logisch ist: Egal ob vor 10 Jahren bei der Project Revolution Tour, den kalten Stunden vor der Halle wartend auf der A Thousand Suns Tour 2010 oder dem Mega Auftritt bei Rock am Ring 2012 oder 2014 – wir sind alle hier, die selben Menschen, nur alle um eine sehr tragische Erfahrung reicher. Dadurch wirkt generell die Menge heute Abend sehr familiär und gerade bei Songs wie Waiting For The End könnte man zwischen den Zeilen eine Nadel fallen hören.

Mike selbst schafft es durch seine Geschichten und Erlebnisse mit Chester den Abend wirklich aufzulockern und beweist uns wie zu den besten Linkin Park Zeiten die volle Kreativität hinter dem Projekt – sei es ein wirklich geniales MashUp aus Waiting For The End / Where´d You Go, dem vielfältigen Umgang mit Piano, Gitarre und Synthesizer oder der Tatsache, dass dieser Mann der so viel durchmachte Abend für Abend seine Dämonen durchlebt auf eine musikalische Art und Weise, um sowohl sich als auch all die Fans zu unterstützen – man kann an dieser Stelle Mike gar nicht genug dafür danken, dass er diese Stärke jeden Abend in den verschiedenen Ländern erneut unter Beweis stellt.

Wir können zum Schluss euch einfach nur die Worte auf den Weg mitgeben, welche auch Mike an diesem Abend unter anderem uns mitgab: Nicht jeder Tag muss immer der beste sein oder dazu gehören, es reicht manchmal auch, wenn er okay ist – in diesem Fall hast du uns persönlich jedoch ein wahres emotionales Highlight beschert Mike, vielen Dank für alles.

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Denkt er wäre der Administrator, fährt Smart, mag Enten, Guitar-Hero-Profi, putzt Bier mit Zähnen - oder umgekehrt?, cheated bei Pokémon Go, speifrei seit 2014, Erste-Reihe-Milchtrinker aus Überzeugung und liebt Katzenbilder.

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