Ich glaub dir alles- ClickClickDecker, Club Stereo Nürnberg, 09.03.2019 Live Review

Als die Neuigkeit die Runde machte, dass ClickClickDecker mit neuem Material zurück sind und sogar auf Tour gehen, war die Verzückung bei den eingefleischten Fans anspruchsvoller Indiemusik groß. Kevin Hamann, geboren in Berlin, aber aufgewachsen in Hamburg und somit mit dem Spirit der zwei sehr guten Städte Deutschlands gesegnet, legte im November 2018 zusammen mit seinen zwei  Bandmitgliedern Oliver Stangl und Sebastian Cleemann ein neues Album vor, das auf den poetischen Namen Am Arsch der kleinen Aufmerksamkeiten hört.  Vier Jahre mussten vergehen, bis wieder auf hohem Niveau in tragisch komischen Gedanken geschwelgt werden konnte.

 

Weil das live und im Kollektiv noch schöner ist als alleine zuhause, lassen sich an diesem Samstag im März zahlreiche Besucher im Nürnberger Club Stereo, der lokalen Scheißindiedisko, blicken, um ClickClickDecker abzufeiern. Die Stimmung ist bereits vor Konzertbeginn ortstypisch gut, aber zurückhaltend.

Also Supportact fungiert Sebastian Cleeman mit seinem sehr guten Ein Mann-Ambient-Projekt Petula. Faszinierend, was der Multiinstrumentalist da live präsentiert. Besonders sein Oberheim Echoplex Digital Pro (wenn es denn wirklich eins war) zieht wohl den ein oder anderen neidischen Blick im Publikum anwesender Musiker auf sich. Passend zu seiner Musik gibt es sehr zurückhaltendes Licht, im Grunde wird Cleemann nur von einer roten und einer blauen Lampe indirekt angestrahlt. Die Gäste sind jedenfalls instantan verzaubert und als dann auch noch Hamann und Stangl für ein paar Songs unterstützend auf die Bühne kommen, ist auch dem Letzten klar, dass dieser Abend nichts als grandios werden kann.

 

Ein Geborgenheitsbedarf

Nach einer sehr kurzen Umbaupause kommt das Trio, nunmehr als ClickClickDecker, zurück auf die Bühne und eine Woge der Sympathie schwappt sowohl auf als vor die Bühne. Der Sound ist mehr als passabel, Hamann ist gut bei Stimme, das Licht ist wieder sehr spartanisch, aber das ist ja auch nicht so wichtig, es geht ja auch um die Musik und vor Allem um die Lyrik. Die Entspanntheit der Band überträgt sich auf das Publikum und die Grenze zwischen Band und Besuchern verschwimmt zusehends. Das Gefühl gleicht eher dem eines Wohnzimmer-Konzerts und was kann es Schöneres geben für diese Art von Kunst?

Weit gefehlt aber, dass das Publikum nicht abgeht- denn das tut es! So familiär die Atmosphäre auch ist, das hält den Club Stereo nicht davon ab, seine Körper zu schütteln, zu jubeln und sich -für fränkische Verhältnisse- richtig gehen zu lassen. Als wundervolles Beispiel sei hier Was kommt wenn nichts kommen will genannt, bei dem aber auch wirklich der Letzte gepackt wird. Auch wenn Hamann in Liebchen ein „ein Herz wie ein Hotel“ propagiert und dazu fröhliche Melodien paart, bleibt doch alles, was heute auf dieser Bühne passiert, bittersüß. Kleine Pannen werden weggelächelt und Hamann unterbricht auch einen Song, um eine kleine Anekdote über den FOH und den Trettmann-Sound zum Besten zu geben. Man ist halt unter sich.

 

Irgendwie ist immer noch besser als nie

Während einer kurzen Stimmpause soll das Publikum der Band Fragen stellen und sofort wird das Datum des nächsten Nürnbergbesuches recherchiert. Die trockene Antwort: „Also, wenn wir uns wieder so viel Zeit lassen mit der nächsten Platte, dann 2024!“ Das sorgt natürlich für lange Gesichter, aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Zur Zugabe betritt Hamann alleine mit seiner Gitarre, auf der ein Elan-Aufkleber prangt, die Bühne und ist für eineinhalb Songs ganz bei sich. Nachdem er Im Halogen sowie die Hälfte von Sozialer Brennpunkt Ich ohne die Band vorträgt, steigt dieselbe ein  und nach fünf Zugaben ist dann mit Festschwimmen wirklich Schluss.

 

Das war ganz, ganz schön, oder um es mit den Worten des Poeten zu sagen:

Die geballte Lust am Leben
Die Ängste die verstummen
Wenn wir wissen was wir tun
Gehören wir nicht mehr zu den Dummen

 

Redaktion und Fotocredits: Désirée Pezzetta

About The Author

Eine Italienerin in Franken. Popkulturelle Geisteswissenschaftlerin. Geht jährlich auf über 100 Konzerte von David Hasselhoff bis Heaven Shall Burn. Mag Katzen, Pasta und Weinschorle. All time favourite Band: Bonaparte

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