Let’s dance to The Wombats- Columbiahalle Berlin, 08. Februar 2019 Live Review

„What a great achievement it was…“ an diesem Freitagabend im Februar eine Karte für die Wombats in der Berliner Columbiahalle zu haben. Die drei Briten aus Liverpool machen auf ihrer aktuellen Europatournee halt in der Hauptstadt und haben als Support noch die Bloxx und die Circa Waves dabei. Ein Line Up, das Indieherzen höherschlagen lässt.

 

Girls, Boys and Marsupials

 

Nun ist es mit Indiebands ja immer so eine Sache: Viele ergehen sich in melancholischer Monotonie, rumpeln sich mehr schlecht als recht durch ihr Set und versuchen dabei auszusehen wie die Cool Kids aus Zeiten, die sie selbst nur aus Erzählungen kennen. Als Indiefan ist man also durchaus Leid gewohnt.

Zwischendurch gibt es aber auch Gruppen, die auf alle Klischees scheißen und einfach gute Musik mit schönen Melodien, schmissigen Beats und trotzdem tiefgründigen Texten produzieren. So eine Band sind The Wombats. In den letzten Jahren kam wohl keiner, der jemals eine Scheißindiedisko besucht hat and Klassikern wie Let’s dance to Joy Division, Kill The Director oder Tokyo (Vampires & Wolves) vorbei. Die sympathischen Engländer sind auch Garanten für formidable Liveshows, was sie regelmäßig auf Festivals und ausgedehnten Touren beweisen. Witzig, aber nie mit übertriebenem Klamauk nehmen sie ihr Publikum mit auf eine Odyssee im Wombat’schen Weltraum als wären sie ein Lonely Planet Reiseführer. Es gibt Überlieferungen, nach denen sich Fans bereits bei Wombats-Konzerten im Pogo die Außenbänder gerissen haben (Anm. der Red.: Das war es wert!). Ihre Karriere seit dem Erstlingswerk aus dem Jahr 2007: The Wombats Proudly Present: A Guide to Love, Loss & Desperation geht zurecht steil nach oben und auch die Nachfolgealben This Modern Glitch (2011), Glitterbug (2015) sowie die neue Scheibe Beautiful People Will Ruin Your Life festigen die Position der Wombats im modernen Alternative noch zusätzlich.

 

Hochkarätige Supportacts

Heute Abend liegt die Latte also sehr hoch und man kann mit Fug und Recht behaupten, dass die Zuschauer in der Columbiahalle Laune haben und tanzen wollen. Dafür haben sich The Wombats die richtigen Supportacts mitgebracht. Den Anfang machen um 19:30 Uhr die grandiosen Bloxx, die mit ihrem erfrischenden Sound und Erscheinungsbild jenseits der Hipsterkataloge das bereits anwesende Publikum inklusive Galerie zum wackeln bringt. Von einem Ohr zum anderen grinsend absolvieren die vier Londoner mit der nonchalanten Frontfrau Ophelia nach eigener Aussage einen ihrer ersten Gigs in Deutschland, worüber sie sehr happy sind. Jetzt schon sind Coke und Curtains Songs, die man sich für die Zukunft merken sollte. Die Spielfreude und die Leichtigkeit des Seins, die diese Band ausstrahlt ist bemerkenswert, ebenso wie das letzte Gitarrensolo des Gitarristen hinter seinem Kopf. Das nächste Mal dann bitte mit der Zunge, Hendrix Style. Apropos Style: Da lassen sich die Bloxx auch auf keine Kompromisse ein: Ein bisschen Grunge, ein bisschen Goth, ein bisschen Indie… ein buntes Potpourri des Laissez Faire, das sich ebenso in der Musik widerspiegelt. Man darf noch Großes von dieser Gruppe erwarten.

Welche, die es schon geschafft haben, sind die Circa Waves, die als nächstes die Bühne für sich beanspruchen. Das bereits aufgeheizte Publikum ist nun endgültig dabei, sich überflüssiger Bekleidung zu entledigen und wippt begeistert auf und ab, wenn die vier Jungs aus Liverpool ihren tanzbaren und wohlgefälligen Indierock, getaucht in ein Meer aus Blau- und Lilatönen, zum Besten geben. Crying Shame und Stuck in my teeth sind wohl die Songs, die am meisten im Ohr bleiben und für Neulinge wunderbare Anspieltipps sind. Das Berliner Publikum will die Band gar nicht gehen lassen, aber es hilft nichts- die Bühne gehört gleich den Wombats. Doch Sänger Kieran Shudall  hat einen Ausweg für gebrochene Fanherzen:  „Kauft alle ein Shirt, dann sind wir dead rich!“ Und wie wir vom Headliner wissen braucht es „money und aeroplanes“, also sollte das mit dem Merch schon klar gehen.

 

I kick and you like to punch

Nach diesem grandiosen Auftakt mit zwei wirklich talentierten Bands ist nun also der Weg frei für die australischen Beutelsäuger. Um 21:17Uhr geht das Licht im Saal aus und James Brown‘s Sex Machine schallt durch die Lautsprecher. Selbstironisch sind sie ja, die Wombats. Kaum haben Matthew, Dan und Tord ihre Bühnenpositionen und freudigem Begrüßungsapplaus eingenommen, starten sie auch auch schon mit dem perfekten Opener Cheetah Tongue vom neuen Album und die Columbiahalle dreht schier durch. Sofort bildet sich ein veritabler Moshpit, in dem sowohl Buben wie Mädchen gleichermaßen Gas geben. Wohin man blickt schaut man in glückliche, lachende Gesichter, deren Begeisterung beim Nachfolgesong Moving to New York noch zunimmt und auch wirklich den letzten Besucher unter der Hallendecke packt. Bei Jump into the fog, einem der wohl schönsten Wombatssongs, gibt es dann erstmals Zeit zum Verschnaufen, zumindest bis zum Refrain. Die Wombats machen keine Gefangenen und servieren ihren Fans im Anschluss Give me a try und Black Flamingo, bevor bei Emoticons ein Feuerwerk an Wombats-Smileys auf der großen Bühnenleinwand zu bestaunen gibt. Ein trauriger Wombat schwebt an einem lachenden vorbei und davor stehen die Liverpooler und rocken sich die Seele aus dem Leib. Ein weiterer Höhepunkt ist das melancholische Lemon to a knife fight, das ein wenig an die gute britische Postpunk-Schule erinnert. Bee Sting widment Drummer Dan seinem Hund und den Light Engineer, aber auch hier summt eine Wombatsbiene im Hintergrund herum, die an Cuteness kaum zu übertreffen ist. Gänsehaut der besonderen Art gibt es bei Kill the Director, wenn der ganze Saal aus voller Lunge schreit: „This is no Bridget Jones, this is no Bridget, Bridget!“ Nach dem Diskogassenhauer Techno Fan machen die Wombats ein Popquiz mit dem Publikum, unter dem auch auffällig viele Briten sind (Yorkshire represent!) und fragen, welcher Song wohl als nächstes komme. Der Gewinner, der Your Body is a weapon richtig orakelt hat, bekommt laut Dan eine Plastikflasche Wasser, was in Anbetracht der Temperatur in der Columbiahalle so wertvoll wie Gold ist. Dann kommt endlich Tokyo (Vampires and Wolves) und die Halle wird mit einem Meer von bunten Ballons geflutet. Dieses Showelement erfreut sich ja großer Beliebtheit und so reihen sich die Wombats in die illustre Reihe zu den Flaming Lips und den 30 Seconds to Mars und irgendwie auch Metallica ein (auch wenn es da schwarze Ballons waren). Beim letzten Track des regulären Sets, Let’s dance to Joy division (wie könnte es anders sein), geben dann Band und Fans nochmal alles und der Bänderriss rückt wieder in lebhafte Erinnerung. Lang lassen sich die Wombats nicht bitten und legen mit Lethal Combination, Turn und Greek Tragedy noch drei Zugaben obendrauf. Extra zu erwähnen sind natürlich die mannsgroßen Plüsch-Wombats, die die Band bei den letzten Songs unterstützen. Nach einem unglücklichen Sturz über die Bühnenabsperrung beim Konzert in Melbourne tanzt der Gitarrenwombat aber nur noch auf der Bühne und nicht mehr im Publikum. Schade eigentlich.

 

Keine Griechische Tragöde

 

Die Wombats haben die besondere Gabe, sich selbst immer treu zu bleiben, ohne dabei langweilig zu wirken. Sie sind die Herzensband eines ganzen Genres und enttäuschen live niemals. So auch nicht an diesem Abend, an dem sich wirklich jeder gut unterhalten gefühlt haben dürfte. Wenn es eine Band schafft, Mittdreißiger eine zweite Jugend zu beschweren und Anfangzwanziger ein Gefühl der kindlichen Unbeschwertheit zurückzugeben, dann sind es die Wombats. Der eigentliche Skandal ist die anhaltende Unterschätzung dieser Kombo in Deutschland. Ein nicht ausverkauftes Konzert in Berlin haben sie nicht verdient. Trotzdem alles gegeben und zurecht mit Lob und Liebe überhäuft worden. Oh dear Wombats: „You’re a hammer/ sweet firecracker“. Danke für alles.

 

Redaktion und Fotocredits: Désirée Pezzetta

About The Author

Eine Italienerin in Franken. Popkulturelle Geisteswissenschaftlerin. Geht jährlich auf über 100 Konzerte von David Hasselhoff bis Heaven Shall Burn. Mag Katzen, Pasta und Weinschorle. All time favourite Band: Bonaparte

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