Musik für Körper und Geist– Death Cab for Cutie, Astra Kulturhaus Berlin, 07. Februar 2019- AUSVERKAUFT Live Review

Vor über 20 Jahren kam eine Indie-Band angefahren, ohne Strümpf und ohne Schuh… und das waren Death Cab for Cutie, die seit 1997 für klassischen Indierock ohne Kompromisse stehen. Die US-amerikanische Band aus Bellingfort lief bereits bei den eingefleischten Indiefans Anfang der Nuller Jahre rauf und runter, bevor der wohl größte Hit der Band Soul meets Body für die Hoffnungsträger-Serie aller Endzwanziger-Singles How I met your mother entdeckt und verwurstet wurde.

 

Die Indieband aus dem Bilderbuch

Nun gibt es zwei Arten von Death Cab for Cutie, deren Bandnamen übrigens ein Songtitel der nicht minder grandiosen, artistischen  Bonzo Dog Doo-Dah Band ist, die ihre Inspiration vermutlich aus einem Film Noir haben: Death Cab for Cutie vor und Death Cab for Cutie nach ihrem wegweisenden Album Transatlanticiscm, das die Band endgültig im Mainstream ankommen ließ. Vom rotzigen Spirit des 1998 erschienen Something about Airplanes ist nicht so viel übrig, was die Musik nicht unbedingt schlechter gemacht hat, aber auch nicht cooler. Ebenso wie sich die Vita nach 2003 spaltet, tut es auch das Death Cab for Cutie auf Platte-Hörerlebnis und das Death Cab for Cutie Live-Spektakel. Dass dieses nicht unbedingt deckungsgleich ist wissen auch die circa 1500 Gäste im Astra Kulturhaus, die das Konzert bereits lange vor dem heutigen Spätwintertag im grauen Berlin ausverkauft haben. Live erlangt der philosophisch und musikalisch wertvolle Output der Parade-Indierocker nämlich noch einmal eine ganz andere Ebene. Alle Songs, die in den dunkelsten Stunden auf Dauerschleife im heimischen Plattenspieler totgedudelt wurden, weil nicht mal Morrissey so schön leiden konnte wie Ben Gibbards, nehmen auf der Bühne nochmals an Fahrt auf und verwandeln jedes noch so bewegungsunfähige Publikum in ein ekstatisch zuckendes Kollektiv.

 

Live Auftritt ohne Längen

Nach einem ermüdenden Auftritt der neuseeländischen Indiepopper The Beths, die eindrucksvoll beweisen, dass man die Langeweile innerhalb eines Support-Slots von Song zu Song exponentiell steigern kann, wartet nun also die versammelte Indie-Elite Berlins ungeduldig auf das Erscheinen von Death Cab for Cutie, die pünktlich gegen 21 Uhr die Bühne betreten. Für die nächsten knapp zwei Stunden nimmt die Band das Astra mit auf eine gefühlsmäßige Achterbahn und durch ihren Backkatalog. DCFC sind vom ersten Takt an energetisch und präsent- Sänger Ben Gibbard muss sich regelrecht hinter das Mikrofon zwingen, das seinem Bewegungsdrang nur im Weg zu sein scheint. Er hüpft und zappelt und auch das Publikum kann nicht anders und fängt instantan an zum Beat der Band mitzuwackeln. Live bereichern Dave Degger, der optisch auch bei den Eels spielen könnte, an der Gitarre und Zac Rae, ein Protohipster mit Manbun und Weste, am Keyboard DCFC. Wie aus dem Bilderbuch sieht die Band aus, zumindest das, was man von ihr sieht, denn das Licht ist äußerst spartanisch gehalten. Bereits beim Opener I dreamt we spoke again beweist das Publikum seine Textsicherheit, die es auch bei Klassikern wie Goldrush und Photobooth nicht einbüßt. Aber welcher Song aus der 24 Tracks umfassenden Setlist ist eigentlich kein Klassiker? Spätestens wenn sich Ben Gibbard ans Klavier setzt und dadurch die Intensität der Performance nochmal steigert, entfalten Death Cab for Cutie die ganze Magie ihrer Liveauftritte. Weitere Gänsehautmomente liefern das emotionale Cath, Black Sun und natürlich Soul meets Body, bei dem das Publikum aus voller Kehle das Thema mitsingt. Nach Kurzer Pause kommt nur Ben mit seiner Gitarre zurück auf die Bühne und stimmt eine herzergreifende Akustikversion von I will follow you into the dark an. Großes Kino, das keinen im Saal kalt lässt. Insgesamt vier Zugaben gibt es und das Konzert endet mit dem Titeltrack der 2003er Platte Transatlanticism.

 

Beeindruckende Bühnenpräsenz

Jeder, der dir Möglichkeit hat, Death Cab for Cutie live zu sehen und sich unsicher ist, sollte sich an folgende Textzeile aus dem wunderschönen I will possess your heart  halten:

You gotta spend some time, love
You gotta spen
d some time with me
And I know that you’ll find love
I will possess your heart

 

Redaktion: Désirée Pezzetta

Fotocredits: Adina Scharfenberg

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Eine Italienerin in Franken. Popkulturelle Geisteswissenschaftlerin. Geht jährlich auf über 100 Konzerte von David Hasselhoff bis Heaven Shall Burn. Mag Katzen, Pasta und Weinschorle. All time favourite Band: Bonaparte

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