Herzlich Willkommen im Hotel Kalliforniah – Alligatoah beendet seine „Wie Zuhause“-Tour 2019 in ausverkaufter Sporthalle

Das Erste, das einem beim Betreten der Sporthalle am heutigen Abend direkt ins Auge springt, ist der Altersdurchschnitt von gefühlt ca. 18 Jahren. Das Zweite das man dann spürt, wenn man sich zwischen den einzelnen Teenie-Grüppchen seinen Weg bis zur Bühne gebahnt hat, ist die Tatsache, dass sich jeder Einzelne auf den Auftritt von Alligatoah am heutigen Abend freut und darauf hin fiebert die eingängigen Texte des Deutschrappers mit zu grölen. Viele hatten sich vorab schon am Merchstand eines der neuen Tshirts abgestaubt um es direkt zu präsentieren.

BOOM BOOM BOOM! RANG KANG KANG!
Um Punkt 19.30 Uhr betritt aber zunächst einmal Dazzle zusammen mit seinem DJ die Bühne der ausverkauften Sporthalle in Hamburg. Wer ihn zuvor nicht kannte, weiß zumindest nach diesem Abend wie der junge Mann aus Berlin heißt und buchstabiert wird und wie man möglichst schnell viele Worte – vor allem Kraftausdrücke – in nur kurzer Zeit passend zum Beat zu einem Satz formulieren kann. Nebenbei läuft ein Timer, der auf der Bühne stationiert ist, herunter, um uns alle daran zu erinnern, dass das wilde Gerappe über Parties, Drogen, Konsum und Kapitalismus nach 20 Minuten auch schon wieder vorbei ist. Die Vorband sei schließlich nur dafür da, die Leute einzuheizen und ihnen den Hauptact schmackhaft zu machen. Damit leitet Dazzle zu seinem Song „Hunger“ über, zu dem er feierlich seine eigene „Kuduro“-Tour im Frühjahr ankündigt und die Leute, die Hunger nach mehr von Ihm haben, um zahlreiches Erscheinen bittet. “Kindisch wer nicht kommt!“. Die Beats seines „Musikmeisters“, wie er ihn selbst betitelt, dropen und die Arme einiger weniger Kids in den ersten Reihen bewegen sich zum Rhythmus. Ein paar Wenige springen zu den Beats. Von dem Berliner sollte sich jeder selbst ein Bild machen und hat dazu am 7. März z.B. in Stuttgart die Möglichkeit. Er kommt mit seiner Tour auch noch nach München, Hamburg, Leipzig und beendet diese kleine aber feine Musikexkursion in seiner Heimatstadt Berlin am 17.03.19.

Wer reitet noch so spät durch Nacht und Wind?
Nach einer ca. 30minütigen Umbaupause, erstrahlt eine über die ganze Bühne reichende Leinwand mit der eingetopften Blume des neuen Albumcovers „StRwV – Schlaftabletten, Rotwein V“ im Lichte der Scheinwerfer und Alligatoah eröffnet mit seinem Counterstrike Song den letzten Abend seiner „Wie Zuhause“-Tour. Wie Zuhause soll man sich auch nach eigenen Angaben des Rappers fühlen, nachdem die Leinwand losgemacht wird und dahinter eine bunte Hotelkulisse offenbart. 21 Songs stehen auf der Setlist und zu einigen davon hat sich das Team unterschiedliche Umbaumaßnahmen am Hotel „Kalliforniah“ ausgedacht. So wird ein Teil des Hotels für den Song „Ein Problem mit Alkohol“ z.B. in eine Bar umgewandelt oder schnell mal zu einer Müllkippe zu „Lass Liegen“. Nicht nur bei „Freie Liebe“ im Hippie-Zimmer sondern auch bei seinem deutsch-englischen Song „I Need A Face“ bezieht Strobel Battleboi Basti, getarnt als sein Hotelpage, mit ein. Der Arme muss zu jedem im Song genannten Gesicht die passende Mimik bereithalten. So bekommt man zwischen dem guten Mix aus alten und neuen Titeln auch etwas zu lachen.

Eine kurze Schweigeminute
Vor dem Trauerfeier Lied sieht man plötzlich drei Sanitäter, die in die Menge stürmen und nach einiger Zeit eine Person auf einer Bahre aus dem Publikum tragen. Dies sieht Strobel in dem Moment taktloserweise als passende Schweigeminute an und unterbricht die Show nach „Namen machen“ für ein paar Minuten. Von einigen Seiten ertönen „Buuuuhs“ und ein Raunen geht durch die Reihen, viele Zuschauer schütteln auch mit dem Kopf. Unpassend, Herr Alligatoah, sehr unpassend. Zum Ende hin wird es zu „Hass“ und „Terrorangst“ auch ein wenig wilder im Publikum und mit den Aussagen aus dem Titel „Meinungsfrei“ wird sogar eine kleine aber feine Wall of Death besiegelt.
Als Zugabe gab es dann neben dem guten alten Klassiker „Willst du“ noch „Nicht wecken“ auf die Ohren. Passend zur Tourbetitelung beendet Lukas um kurz vor 22 Uhr mit dem letzten Song „Wie Zuhause“ seine Tour und entlässt das Publikum in die letzten Stunden der kalten Sonntagnacht.
Eine sehr gelungene Bühnenshow mit erzählerischen Inhalten und einer durchaus mitreißenden Songauswahl. Man hat sich durch die wechselnden Hotelkulissen und die einzelnen kurzen Erzählpausen gut unterhalten gefühlt. In diesem Sinne; „Tschau, ich bin raus. Wer suchet, verschwindet.“

Fotocredit: Kevin Randy Höfer @Gringoz Magazine

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