Völlig (un)verfroren- So cool rocken Don Broco die Hauptstadt – live im Bi Nuu, Berlin, 24. Januar 2019 AUSVERKAUFT

Es wäre übertrieben zu behaupten, die Musikszene der letzten Jahre hätte mehr als eine Handvoll Bands hervor-gebracht, die Musikkritiker noch hinter dem Ofen hervor-locken würden. Don Broco ist aber genau so eine Band. Die Briten aus Bedford, England (noch Europa), haben sich bereits 2008 dazu entschlossen, ihrer künstlerischen Kreativität mithilfe von schweren Gitarren, poppigen Lines und funkigen Grooves Ausdruck zu verleihen. Klingt ganz schön abgedreht- und genau das ist es auch. Die Mannen um Sänger Rob Damiani einem Stil zuzuordnen wäre schlichtweg falsch und auch sehr gemein. Es ist eher ein Mix aus den besten Teilen von Allem, hübsch verpackt und portioniert für den sofortigen Verzehr, am Besten live in kleinen Clubs. Während sie im Spätsommer 2018 noch mit Mike Shinoda tourten und sein Vorprogramm -und um ehrlich zu sein den ganzen Abend- aufwerteten, sind sie jetzt in wesentlich kleineren Clubs unterwegs. Dafür als Headliner. Da ihnen ihr Ruf als fantastische Liveband vorauseilt, sind die meisten Tourstopps bereits weit vorab ausverkauft.

 

Genauso ist es auch heute an diesem bitterkalten Januartag in Berlin. Vor dem Bi Nuu stehen sich die hartgesottenen Fans die festgefrorenen Beine in den Bauch und es braucht schon eine Weile, bis das Blut wieder warm durch die Adern fließt. Um diesen Prozess zu beschleunigen, haben Don Broco sich als Vorgruppen Dreamshade und Emarosa mitgebracht, die ihr Redlichstes tun, um die Menge anzuheizen- im wahrsten Sinne des Wortes. Ihre Opener-Rolle machen die Schweizer von Dreamshade  mit ihrem poppigen Metalcore Sound ganz gut. Schade, dass ein Großteil der Besucher noch an der Garderobe ansteht, als die Band um 19:30 shape anfängt zu spielen.

 

Danach kommen Emarosa mit einem Sänger, der den Anschein macht, als wäre er gerade noch den Fängen einer Boyband entkommen. Das liegt nicht etwa an seinem Erscheinungsbild- schwarze Fransenlederjacke und Bandana (ob es von Gucci ist, ist nicht überliefert)- sondern an der außerordentlichen Gesangsleistung, die er dem mittlerweile zahlreich vorhandenen Publikum darbietet. Man mag sich darüber streiten, ob Emarosa nun mit Jonny Craig oder mit Bradley Walden besser klingen, aber was die Musiker aus Kentucky abliefern ist wirklich erstaunlich. Neben der perfekten Intonation gibt es auch genug zu sehen, zum Beispiel, als Bradley einen seiner Gitarristen kurzerhand auf die Schultern nimmt und mit ihm mitten in der Menge performt. Das Publikum fühlt sich während des leider recht kurzen Support-Sets gut unterhalten und frisch enteist wartet nun jeder auf den Headliner.

 

Um Punkt 21:32 Uhr (?!), nach einer viel zu langen Umbaupause, hüpfen dann, beschwingt wie Elsa und Anna,  die Eisprinzessinen von Don Broco auf die Bühne. Let it goooo, scheinen sie vom Publikum zu erwarten und das Publikum öffnet alle Schleusen. Vor allem die Schweißporen sind spätestens ab dem Openener Come out to LA weit geöffnet und fast wünscht man sich einen Hauch der arktischen Kälte in das gefühlt 50 Grad heiße Bi Nuu unter dem Schlesischen Tor.

Nur einer fehlt: Simon hat es kalt erwischt- er liegt mit Grippe im Backstage und kann nur anhand des frenetischen Jubels erahnen, welche Show seine Bandkollegen gerade abliefern. Aber auch Sänger Rob ist nicht ganz auf der Höhe, war er doch vor ein paar Tagen selbst noch krank und gerade bei den hohen Tönen wie in Automatic merkt man ihm den rauen Hals noch an. Der Frontmann erzählt, wie die Band vor drei Jahren zum ersten Mal in Berlin war und mit einem ortskundigen Kumpel in den stillgelegten Spree-Park eingestiegen ist und erwischt wurde und von Hunden gehetzt über den Zaun flüchten musste, um der hohen Staatsgewalt zu entgehen. Für die Fleischwunde an der Hand ihres Freundes entschuldigen sich Don Broco heute formell mit englischer Höflichkeit und legen noch eine Songwidmung auf  das Lieblingslied des Kollateralschadens, nämlich Money Power Fame, drauf.

Don Broco haben heute kein Erbarmen, rocken wie wild ihre Hits und lassen dabei keinen aus. Technology, der titelgebende Song des aktuellen Albums, Everybody, Greatness,  alles ist dabei. Die Bühnenperformance gelingt nicht zuletzt wegen der offensichtlichen Spielfreude und Professionalität der Gruppe. Da verzeiht man ihnen sogar die vielen Halfplaybacks, die es eigentlich gar nicht bräuchte. Heute gibt es 70 Minuten was für die Augen und was für die Ohren, das ist ja wie Weihnachten und Ostern zusammen! Das sehen auch die (überwiegend weiblichen) Fans so, die bei der letzten Zugabe, dem T-Shirt Song, wirklich nichts mehr hält. Der Sound ist erwähnenswert gut, das Licht Bi Nuu-typisch recht überschaubar, aber die Nordsterne am Don Broco´schen Himmel leuchten auch so.

 

Redaktion: Desiree Pezzetta

Fotocredits: Raw Power Management

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Eine Italienerin in Franken. Popkulturelle Geisteswissenschaftlerin. Geht jährlich auf über 100 Konzerte von David Hasselhoff bis Heaven Shall Burn. Mag Katzen, Pasta und Weinschorle. All time favourite Band: Bonaparte

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