Matt Corby – Rainbow Valley Plattenkritik

TV-Castingshows sind ein leidiges Thema. Während mehr oder minder begabte Musiker davon träumen, umjubelte Popstars zu werden, suchen die Macher nur nach dem größtmöglichen Entertainment für den geneigten Zuschauer, der die Einschaltquoten und somit auch die Werbeeinnahmen des Senders in die Höhe treibt.  Ab und zu wird das Märchen von der großen Karriere aber doch wahr, wie im Falle von Matt Corby. Der Singer-Songwriter nahm 2007 an Australien Idol teil und wurde prompt Zweiter. Anstatt sich aber im Popzirkus beim Major Label Sony vorführen zu lassen, schlug er den Deal aus und veröffentlichte seine selbstgeschriebene Musik lieber bei Indie Labels. Gut, auch diese Zeiten sind vorbei, aber geblieben ist der Easy Listening Indiesoulpop des Australiers.

Im November 2018 legt er nun mit Rainbow Valley einen neuen Longplayer vor, der so gar nicht in die Vorweihnachtszeit passen will. Im Gegenteil, die Platte riecht nach Frühling und Sommer, weit geöffneten Flügeltüren, die, durch die wehenden weißen Vorhänge, einen Blick auf einen weitläufigen Garten freigeben. Und das liegt nicht nur an den Vogelgezwitscher Samples im Stück All I See.

Irgendwo zwischen Lenny Kravitz zu besten Mama Said Zeiten, Jamiroquai und Angus Stone findet Matt Corby eine Lücke für leichtlebige Eigenständigkeit, die es im seichten Indie-Soulpop erst einmal zu füllen gilt. Vielleicht liegt es an seiner souligen, warmen Stimme, die in Songs wie All fired up oder Miracle Love besonders zur Geltung kommt. Vielleicht sind es aber auch die gefühlvollen Texte, die vor Romantik und Herzschmerz zu triefen scheinen, aber doch nie kitschig wirken. Wie macht er das nur, dass sich dem Hörer bei Zeilen wie „Cause when you fall I fall, when you break I break“ nicht die Zehennägel hochrollen und ihn stattdessen ein wohliges Gefühl durchströmt, das Viele wohl zuletzt in den 90ern bei den Kuschelrock Platten hatten? Eindeutig ist, dass Matt Corby von dem überzeugt ist, was er singt und komponiert hat. Ausgeglichene Emotionalität trifft es hier noch am Ehesten. Ob das an seiner neuen Vaterrolle liegt kann nur vermutet werden. Elements strotzt vor lebensbejahenden Lyrics und einer funky Music, die der weiße Junge wirklich zu spielen weiß. Aber auch krisengeplagte Texte, wie im Nachfolgetitel Better performt Matt Corby so geschickt, dass sie gar nicht so schlimm und hoffnungslos klingen. Die obligatorischen Balladen finden sich unter dem tragisch schönen Miracle Love, dem bereits angesprochenen All fired Up und dem Opener Light my dart up, einem der stärksten Songs der Platte. Dann gibt es aber eben auch diese loungigen Stücke wie New day coming, die sowohl morgens als auch abends um Elf zünden.

 

Matt Corby schafft auf Rainbow Valley etwas, was nur wenigen Künstlern gelingt. Er paart sein Gespür für Soul und Funk mit einem Indieeinschlag und klugem Songwriting, was ihn in der Summe unverwechselbar macht. In einem Moment klingt es nach 70er Jahre Psychedelic Rock, im nächsten nach einer Funkband aus derselben Dekade, um mit dem nächsten Takt das gesamte Konzept in das Jahr 2018 zu katapultieren.

 

 

Sound
Konzept
Hörspaß
4.2

Stimmige, schöne Platte für laue Abende und sonnige Morgen

About The Author

Eine Italienerin in Franken. Popkulturelle Geisteswissenschaftlerin. Geht jährlich auf über 100 Konzerte von David Hasselhoff bis Heaven Shall Burn. Mag Katzen, Pasta und Weinschorle. All time favourite Band: Bonaparte

Keine Kommentare on "Matt Corby – Rainbow Valley Plattenkritik"

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.