The Walk of Life – The war on drugs, Verti Music Hall, Berlin, 10.12.2018, live review

Nachdem die Amerikaner den Grammy für ihr Album A Deeper Understanding (2017) gewonnen haben, sollte auch dem letzten Kritiker klar sein, dass The War on Drugs den Sprung in die A-Liga der aktuellen Musikkultur geschafft haben. Nun ist das Quartett aus Philadelphia für vier Konzerte nach Deutschland zurückgekehrt. Die Venues freilich haben sich geändert. Spielte man letztes Jahr noch im Tempodrom oder der Großen Freiheit 36, so ist es dieses Jahr das Mehr! Theater und die brandneue Verti Music Hall.

Verti Hall ohne Flair

Zunächst zur Venue: Die kleine Schwester der Mercedes Benz Arena hat ebensolche Sicherheitsbestimmungen wie die riesige Halle gegenüber, das gleiche Sicherheitspersonal und dieselben horrenden Gastronomiepreise. 5.50€ für 0.4l schlecht eingeschenktes Bier muss man nicht hinnehmen. Die Aufteilung der Halle ist gewöhnungsbedürftig. Ein relativ überschaubarer Stehplatzbereich, dafür zwei Ebenen mit gepolsterten Sitzplätzen, die so weit von und über der Bühne weg sind, dass sich der Sinn nicht ganz erschließt. Der ganze Veranstaltungsort kommt eher wie ein Multiplex-Kino daher, ob denn einer Konzerthalle. Die Akustik hingegen ist selbstredend lupenrein. Ebenfalls die Lichttechnik weiß zu beeindrucken.

Doch möchte das alles nicht zum bescheidenen Erscheinungsbild von The War on Drugs passen, die sich 2005 gegründet und nach dem Krieg gegen Drogen der US-amerikanischen Regierung benannt haben. Als die Band um Punkt 21 Uhr die Bühne betritt, ist die Verti Hall angenehm gefüllt, aber gefühlt nicht ausverkauft. Ein chilliges Konzert passend zum chilligen Sound.

Das Michelberger und die Weihnachtsmärkte

The War on Drugs legen direkt mit Holding on los und schieben Baby Missiles hinterher und das Publikum ist begeistert. Bis sich Sänger Adam Granduciel aber ans Publikum wendet, vergehen einige Songs. Er erwähnt das Hotel Michelberger, eine Hipsterherberge an der Warschauer Straße, mittlerweile nicht unwesentliches Zentrum der Künstler- und Musikszene und erwähnt, dass sie jetzt zum ersten Mal nicht dort nächtigen und man hört ehrliches Bedauern in seiner Stimme. Desweiteren erzählt er, dass er sechs Weihnachtsmärkte besucht hat.

 

Unaufdringlich und bescheiden

Im Mittelpunkt steht jedoch die Musik. Die Einflüsse von Bruce Springsteen und Bob Dylan sind nicht zu überhören, das Repertoire reicht von Southern Rock über Folk bis hin zu Indie und Blues. Bühnenshow gibt es nicht, nur sehr viele Instrumente, sphärisches Licht und eine fast schon entrückte Band. Zwei Stunden lang spielen sich the War on Drugs die Seele aus dem Leib und verzaubern ihr gebanntes Publikum, das nicht mehr von diesem Abend erwarten hätte können. Wenn dann das Bühnenlicht den Schatten Granduciels als Silhoutte auf die Hallenwand wirft, die Scheinwerfer in allen Farben die Stimmung der Songs widerspiegeln und Adam seine Gitarrensoli in die Länge zieht, ohne ihnen Länge zu geben, dann kann sich keiner dem minimalistischen Stil entziehen. Prägnant und on point beenden The War on Drugs den Abend mit einer bombastischen Version von Lost in the Dream und verschwinden in die Nacht.

 

Redaktion: Désirée Pezzetta

Fotocredits: Adina Scharfenberg

About The Author

Eine Italienerin in Franken. Popkulturelle Geisteswissenschaftlerin. Geht jährlich auf über 100 Konzerte von David Hasselhoff bis Heaven Shall Burn. Mag Katzen, Pasta und Weinschorle. All time favourite Band: Bonaparte

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