So war das Puls Festival im E-werk Erlangen, 30.11.2018!

Seit einigen Jahren steht das Puls Festival für hochkarätige Acts der aktuellen Popkultur, für Geheimtipps und bereits etablierte Bands, die quasi gleichberechtigt an zwei Festivaltagen, einer im E-Werk Erlangen und einer in München, die Massen begeistern.

 

Dieses Jahr hat sich das Festival des jungen Radios vom BR niemand Geringeren als die Indietronic-Pioniere MGMT als Headliner gesichert. Ob das der Grund ist, warum das Festival gefühlt bereits noch früher AUSVERKAUFT vermeldet hat, oder ob es an den anderen, nicht minder grandiosen Bands liegt kann man nur erahnen.

 

Am 30. November ist es also wieder soweit: Das Puls Festival steigt im proppenvollen Erlanger E-Werk. Den Auftakt des Abends gestalten The Whiskey Foundation. Die Münchner Bluesrocker, die 2015 bereits von PULS zur Band der Woche gekürt wurden, bringen den bereits sehr gut gefüllten Saal langsam in Wallung. Fast zeitgleich starten Impala Ray ihr Set auf der Kellerbühne. Diese Formation ist live wirklich ein Phänomen. Wo sonst bekommt man Indiesounds gepaart mit Tuba, Hackbrett und Ukulele? Nur bei Impala Ray. Die sympathische Ausstrahlung der Band, die offensichtliche Spielfreude und die außergewöhnliche Instrumentenwahl sorgen dafür, dass die Kellerbühne schon einige Minuten nach Konzertbeginn buchstäblich aus allen Nähten platzt! Frontmann Rainer, der zugunsten der Musik seinen 9 to 5 Job gekündigt hat, begibt sich dann auch mitten in die Menge, geht mit ihr in die Hocke und springt wieder hoch- und alle tun es ihm gleich. Was für eine Stimmung! Uns zieht es dennoch von dieser mitreißenden Show auf die Clubbühne zu der Hamburgerin Ilgen-Nur. Die charismatische Slacker-Queen liefert hier ein solides Set ab, das auch gut in das Seattle der 90er Jahre gepasst hätte. Anspieltipp für Neuhörer: Cool. Und cool ist sie eben auch, wie sie dasteht, mit ihrer Gitarre und auf die Liebeserklärung eines Fans aus dem Publikum nur verschmitzt lächelnd trocken erwidert: „Ich kann das jetzt nicht zurücksagen- ich kenne dich ja gar nicht!“

Schnell zurück in den Saal, wo sich bereits When the Saints go machine in Pose setzen. Gedämpftes, kaum vorhandenes Licht, das zwischen Blau und Grün wechselt und Autotune in Reinform. Die Dänen spalten die Gemüter in Erlangen. Für uns ist es nichts und so genehmigen wir uns erstmal einen leckeren Snack. Zur Wahl stehen unter anderem frische Burger und Pommes in sämtlichen Variationen. Lecker! Frisch gestärkt geht es zurück in die Kellerbühne zu Me + Marie. Maria de Val  und Roland Scandella haben live Unterstützung von einer Keyboarderin und einer Bassistin die beweisen, dass Frauen mindestens genauso gut Musik machen können, wie Männer. Ihr Indierockpop geht ins Ohr und die Venue ist wieder so voll, dass bei Konzertbeginn bereits Einlassstopp herrscht. Beschwingt machen wir uns auf den Weg zur Clubbühne, denn da spielen Dream Wife aus London, eine Girl Riot-Punk Band, die von der Kritik gänzlich mit Lorbeeren überhäuft wird. Bei den BBC Sessions als heißester Shit gehandelt, hat es die Liveperformance der Mädels um Rakel Mjöll wahrlich in sich. Breit grinsend hüpfen und wirbeln die Bandmitglieder über die Bühne, heizen das vollkommen verzückte Publikum an und verwandeln das E-Werk in einen Hexenkessel. Nicht nur in den ersten Reihen verharrt das Publikum mit offenen Mündern ob der Darbietung, auch im hinteren Teil steht die Begeisterung der größtenteils überraschten Teilnehmerschaft ins Gesicht geschrieben. Der beste Auftritt des Abends!

Im Saal derweil macht man sich bereit für die süßen Boys von The Parcels. In der Front Row stehen weibliche Fans mit Bandshirts, damit auch wirklich jeder, inklusive der Band, weiß, für wen das Erstsemesterherz schlägt. Der Auftritt der Indierocker ist routiniert, aber kurzweilig und mehr als passabel und macht Lust auf eine Headlinertour der Australier.

Die für uns vorletzte Band des Abends sind Leoniden (Leoniden, Leoniden) auf der Clubbühne, die nun auch wirklich bis zum letzten Platz gefüllt ist. Die Fans feiern die Band aus dem hohen Norden total ab, ihr gemütlicher Indierock kommt gut an.

Bevor der Headliner MGMT das E-Werk komplett abreißt, kann der Festivalbesucher noch sein Glück bei der Verlosung von Konzertkarten, Ohrstöpsel oder Turnbeutel versuchen, ein nettes Feature, das genauso zum Puls-Festival gehört, wie die gutgelaunten Festivalmitarbeiter, die sich auch nach Mitternacht noch geduldig und mit einem Lächeln auf den Lippen die biergeschwängerten Erzählungen der letzten Live- oder Radioerlebnisse ihrer Hörer über sich ergehen lassen. Top Recruitment, BR, alles richtig gemacht mit euren Mitarbeitern!

 

Um 00:30 ist es dann endlich soweit, MGMT starten ihr Set im Saal des E-Werks. Als kleinen Glücksbringer haben die New Yorker einen kleinen Fliegenpilz mit auf der Bühne, der seinen Zweck nicht verfehlt. Bereits ab dem ersten Song hat die Band ihr Publikum fest im Griff. Natürlich dürfen die Klassiker wie Electric Feel, time to pretend und als krönender Abschluss Kids nicht fehlen. Beseelt treten viele Besucher bereits den Heimweg an, während es andere noch zu dem Phänomen L.A. Salami zieht.

 

Das Puls Festival ist mittlerweile eine solche Instanz im bayerischen Indoorfestival-Treiben, dass es schmerzlich auffallen würde, wenn es eingestellt würde. Das Feingefühl bei der Zusammenstellung des Line Ups, sei es die Ausgewogenheit zwischen männlichen und weiblichen Künstlern oder Top Acts und Newcomern, sucht ihresgleichen in der deutschen Musikszene. Das liebevoll gestaltete Rahmenprogramm, die gute Gastro und nicht zuletzt der moderate Eintrittspreis machen das Puls Indoor Festival zum attraktivsten seiner Klasse. Es hat wieder Spaß gemacht, wir sehen uns im  Winter 2019.

 

Redaktion und Fotocredits: Désirée Pezzetta

About The Author

Eine Italienerin in Franken. Popkulturelle Geisteswissenschaftlerin. Geht jährlich auf über 100 Konzerte von David Hasselhoff bis Heaven Shall Burn. Mag Katzen, Pasta und Weinschorle. All time favourite Band: Bonaparte

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