Interpol Live, 25. November 2018, Tempodrom Berlin, AUSVERKAUFT. Live Review

Interpol waren nie Everybody’s Darling. Ganz okay finden kann man diese Band nicht, entweder man liebt sie, oder man hasst sie. Trotz ihres ambivalenten Status in der Popkultur halten sich Interpol bereits erfolgreich seit über 20 Jahren im Musikbusiness und haben in dieser Zeit sage und schreibe sechs Alben herausgebracht. Man sieht also, Interpol lassen sich gerne Zeit für ihre große Kunst. Mit dem aktuellen Werk Marauder sind die Amerikaner nun auf Tour und spielen heute im Berliner Tempodrom, neben Hamburg das einzige Deutschlandkonzert.

 

Seit Monaten ausverkauft, füllt sich das Zirkuszelt schon merklich vor Konzertbeginn mit Fans der immer schick gekleideten New Yorker. Also Vorgruppe dabei ist Nilüfer Yanya, eine wirklich junge Künstlerin aus London, die es prompt auf die Liste des BBC Music Sound of 2018 geschafft hat. Überzeugen kann die junge Britin mit türkischen Wurzeln heute jedoch nicht. Zu einfallslos, zu monoton, zu leise Töne und die Lyrics sind ausbaufähig. Auch ihre Band wirkt im wahrsten Sinne des Wortes ausdruckslos. Vielleicht ist die Bühne noch zu groß und die Formation benötigt ein paar Jahre, um den eigenen Sound zu finden und zu festigen.

 

Kurz nach 21 Uhr betreten dann Interpol die Bühne. Wie immer im feinen Zwirn, nur von hinten beleuchtet und wortkarg bestreitet das Quintett ein Konzert, das vom Publikum frenetisch abgefeiert wird. Bühnenperformance ist quasi nicht vorhanden, die wenigen Ansprachen beschränken sich auf „Hallo, wie geht’s? schön, dass ihr hier seid- und wir auch“. Die Lightshow besteht aus einer Diskokugel und Neonlichtröhren, die minimalistisch erleuchtet je nach Song die Farben wechseln. Anders hätte man es von Interpol auch nicht erwartet. Allerdings hätte man durchaus besseren Sound und Intonation erwarten können. Musikalisch bleiben Interpol heute deutlich hinter den Erwartungen zurück. Ein Blick auf die Setlist birgt keine Überraschungen. Von ihren 15 Singleauskopplungen spielen sie heute Abend ganze neun. Das Publikum ist positiv angetan und konnotiert jedes bekannte Intro mit wohlwollenden Ahhh und Ohhh Lauten.  Selbstredend dabei sind C’mere, Slowhands, Lights, Evil, The Rover von der aktuellen Platte und Obstacles 1 als Rausschmeißer. Whatever pleases the masses.

Nichtsdestotrotz oder gerade deswegen scheint das Publikum wirklich eine Menge Spaß zu haben. Wobei der Begriff Spaß bei einer Band wie Interpol nicht bunte Bälle, wummernde Bässe und happy hippie love bedeutet, sondern eher so die Freude, die nach innen geht. Nicht zu leugnen ist der Kultstatus der Band, von dem sie auch ein Stück weit lebt. Es ist angesagt und hip, Interpolfan zu sein und wer Interpol nicht mag, der hat sie eben nicht verstanden.

 

Redaktion und Fotocredits: Désirée Pezzetta

About The Author

Eine Italienerin in Franken. Popkulturelle Geisteswissenschaftlerin. Geht jährlich auf über 100 Konzerte von David Hasselhoff bis Heaven Shall Burn. Mag Katzen, Pasta und Weinschorle. All time favourite Band: Bonaparte

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