Alles Bosse, wenn du tanzt.  Bosse, 27. November 2018, Löwensaal Nürnberg, Live Review

Es ist Winter. Deutschland stellt sich auf Weihnachten ein, die Glühweinmärkte sind bereit für die große Eröffnung. Heute aber ist es wohlig warm im Nürnberger Löwensaal, von außen, dank funktionierender Heizung und von innen, weil Bosse spielt und seine Fans in heißer Erwartung eines großen Konzertabends ganz viel Liebe und Wärme übrighaben. Nürnberg hat keine 3 Millionen Einwohner, sondern nur ein Sechstel davon, aber der Löwensaal strotzt vor Menschen, die die Musik von Bosse zu verstehen glauben.

 

Alles nur geklaut

 

Bevor da Musik ist, kommt Axel Bosse auf die Bühne, um den Support des Abends anzukündigen. Die Vorband heute heißt Klan. Klan, das sind zwei Jungs aus Leipzig, jetzt aber natürlich Berlin, die seichten Pop mit deutschen Texten machen und eindeutig zu viel Clueso gehört haben. Der Opener „ich bin derbe breit“ entpuppt sich als „ich bin zum Teilen bereit“. Silben werden sowieso überbewertet und so präsentieren die beiden Musiker wenig Neues und eben naja, viel Clueso und ein bisschen Joris.

 

Hurra Hurra und dann kommt Licht

 

Dann ist es soweit. Das Licht erlischt und der Löwensaal wird in ein tiefes Blau getaucht. Aki Bosse, der sympathische Boy und Wahl-Ham-Burger springt gutgelaunt auf die Bühne zu seinen Mitmusikern, die bereits die ersten Takte von Wanderer angestimmt haben. Bosse hat Bock und gibt direkt Vollgas. Er singt, lacht und tanzt und mit ihm der fast ausverkaufte Löwensaal. Eigentlich hätte er ja im Hirsch spielen sollen, aber die Kapazität der Location war einfach nicht genug für den Barden, der mit seinem aktuellen Album Alles ist Jetzt nach über 20 Jahren im Musikgeschäft endlich einen Nummer 1 Erfolg verbuchen kann. Mit Nürnberg verbindet Axel Bosse nicht nur positive Erinnerungen: er erzählt, wie er und seine Band als Vorgruppe von Such a Surge eine unbeeindruckte Menge anheizen sollten, die den Musikern lediglich die erhobenen Mittelfinger entgegenstreckten. Auf diese Idee würde heute wohl keiner kommen, was nicht zuletzt am lausbubenhaften Charme des gebürtigen Niedersachsen liegt. „Vom Hirsch zum Löwen, dem gefährlichsten Raubtier der Welt- nach dem Nilpferd!“ Aki hat gut recherchiert. Das Nürnberg-Trauma dürfte mittlerweile überwunden sein und das heutige Konzert ist laut eigener Aussage Honig für die Seele.

 

Halt‘s Maul und Sing!

 

Bosse erzählt gerne zwischen seinen Songs. Von den Anfängen seiner Musikerkarriere, von der Pubertät auf dem Land im 260 Seelen Kaff, wie er aufgrund seiner langen Haare gedisst und geschlagen wurde, weil er sich eben für Kurt Cobain und Siddharta interessiert hat. Er gibt Einblicke in sein künstlerisches Schaffen, zum Beispiel, wie er Kraniche auf Amrum geschrieben hat, weil er, der Japan-Affine, dort diese schönen Tiere gesehen hat. Politisch wollte er auch nie sein, aber die Umstände sind wie sie sind und wenn die Kotze bis zum Hals steht, dann muss das raus. Daraus entstand das Stück Robert de Niro, welches Bosse so leidenschaftlich singt, dass man ihm wirklich anmerkt, wie sehr es ihm am Herzen liegt.

 

Straight from the Heart

 

Aki wäre aber nicht Aki, wenn er nicht in jeden der 18 Songs der Setlist sein ganzes Gefühl legen würde. Neben den bereits angesprochenen Stücken dürfen natürlich auch Federn, So oder So, Tanz mit mir und sein aktueller Hit Die schönste Zeit nicht fehlen. Das Publikum ist ebenfalls text- und Rhythmus-sicher und feiert Bosse und Band bis zur letzten Zugabe Frankfurt Oder ab. Lediglich 3 Millionen wäre noch eine schöne Ergänzung des ansonsten kritiklosen Sets gewesen.

 

Bosse, dieser sympathische Typ von nebenan, rockt den Löwensaal, wie kaum ein anderer. Die Band ist on point und der Sound sogar richtig gut- und das ist in dieser Location nicht selbstverständlich- großen Respekt an den FOH. Das ist wieder ein Indiz für die fruchtbare Zusammenarbeit des langjährigen und eingespielten Teams auf und hinter der Bühne. Aki, komm bald wieder! Dort wo man singt, da lass dich nieder, denn böse Menschen haben keine Lieder!

 

Redaktion: Désirée Pezzetta

Foto: Tim Bruening

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Eine Italienerin in Franken. Popkulturelle Geisteswissenschaftlerin. Geht jährlich auf über 100 Konzerte von David Hasselhoff bis Heaven Shall Burn. Mag Katzen, Pasta und Weinschorle. All time favourite Band: Bonaparte

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