Schmetterlinge im Bauch- Editors, Live at E-Werk Erlangen, 22. November 2018, Live Review

Die Editors sind eine dieser Bands, die live noch viel besser, als auf Platte sind. Umso größer ist im Vorfeld schon die Begeisterung, dass die fünf Briten heute im Erlanger E-Werk zu Gast sind. Freilich ist von der Ursprungsbesetzung, die sich 2000 formatiert hat, nicht mehr allzu viel übriggeblieben. Nur  Ed Lay und der Frontmann Tom Smith sind noch mit an Bord. Aber über die vielen Jahre hat sich nicht nur das Bandkarussell, sondern auch der Sound der Formation geändert. Vom eindeutig zuzuordnenden Indie hat sich die Band losgelöst und macht nun einen Genremix, der seinesgleichen sucht. Elektrische Segmente mischen sich mit klassischem Britpop und Klavieretüden- die Eingängigkeit allerdings ist geblieben. Selbst die Mittelalterformation In Extremo haben einen Song der Engländer gecovert, nämlich An End has a Start, auch wenn das Einhorn wieder mit nicht vorhandenen Sprachkenntnissen brilliert und die Lyrics kurzerhand falsch singt. Nun, die Editors haben sich in den fast 20 Jahren ihrer Karriere deutlich weiterentwickelt und machen heute mit ihrer Tour zum aktuellen, von der Kritik gelobten, Album Violence Halt im Frankenland.

 

Die Editors werden in Deutschland immer noch sträflich vom breiten Publikum vernachlässigt. Zuletzt auf dem Taubertal vertreten, war der Ansturm vor der Bühne lange nicht so groß wie es die Band verdient hätte. Während auf der Insel und in Belgien große Venues ohne große Mühe ausverkauft werden, konnte man am heutigen Abend noch bis kurz vor Veranstaltungsbeginn Karten erwerben. Trotzdem ist das Konzert letztendlich quasi sold out.

 

Als die Editors die Bühne betreten, ist die Freude beim naturgemäß fränkisch zurückhaltenden Publikum schon groß. Mit dem 2009er The Boxer gelingt ein fulminanter Start in den Konzertabend. Für knapp zwei Stunden werden die Barden das E-Werk rocken. 22 Songs haben sie im Gepäck, alte, wie All Sparks, Bullets oder Blood, aber auch neue Hits wie Halleluja (So Low) und Nothingness von der aktuellen Platte Violence. Tom Smith umklammert das Mikrofon und erfüllt die Rolle des Frontmanns ganz und gar, mit großen Gesten und großer Stimme. Auch die Intonation des Sängers ist wirklich beeindruckend. Immer wieder spornt er seine Mitmusiker und das Publikum mit kurzen, adrenalingeschwängerten Aufschreien an, bevor er wieder wie ein Derwisch über die Bühne fegt. Überhaupt ist am Sound heute Abend wenig auszusetzen. Die Musiker der Band, allen voran Multiinstrumentalist Justin Lockey und Elliott Williams, beherrschen ihre Instrumente und strahlen wirkliche Spielfreude aus. Die Gruppe groovt von der ersten bis zur letzten Minute. Das bleibt beim Publikum nicht unbemerkt und schon bald kann sich keiner mehr im Erlanger E-Werk dem Beat entziehen und wackelt im Takt mit.

Bei Papillon ist die Stimmung dann auf dem Höhepunkt. Verzückter Jubel und tanzende Leiber bestimmen jetzt bei sphärischer Lightshow die Venue und Band sowie Publikum gibt nochmal alles.

Vier Zugaben werden es schließlich, bis das Konzert mit Smokers outside the Hospital doors endet.

 

Die Editors bestechen an diesem Abend mit einer vielfältigen Setlist, einem beeindruckenden, aber nicht übertriebenen Bühnensetup und einer enthusiastischen Performance. 22 Songs sind eigentlich zu wenig, bei der Fülle an Material, das die Band vorzuweisen hat. Editors, die verkannte Band, überzeugt heute auf ganzer Linie – It kicks like a sleep twitch.

 

Redaktion: Desiree Pezzetta

Foto: Jana Boese

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Eine Italienerin in Franken. Popkulturelle Geisteswissenschaftlerin. Geht jährlich auf über 100 Konzerte von David Hasselhoff bis Heaven Shall Burn. Mag Katzen, Pasta und Weinschorle. All time favourite Band: Bonaparte

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