The night Josh Tillman came to Berlin – Father John Misty, Huxley’s Neue Welt, 07.11. 2018, Live Review

Fast auf den Tag genau ein Jahr nach seinem letzten Auftritt in der Hauptstadt beehrt Father John Misty, aka Josh Tillman, aka the most self important Asshole on earth (sagt zumindest Ryan Adams) wieder das Berliner Huxley’s, um seine ergebene Gefolgschaft mit Glanz und Gloria zu überschütten. Im Gepäck hat er auch sein neues, hochgelobtes Album God’s favorite customer. Bereits kurz nach Einlass sind die ersten Reihen von seinem eigenen Fanclub, den er auf den Namen Can Flub getauft hat, reserviert. Die Wartezeit bis zur heiligen Messe wird heute von der sphärischen Musikerin Bedouine verkürzt. Ihr sehr ruhiger Indiefolk, gepaart mit gedämpftem blauen Bühnenlicht, erzeugt eine friedliche, fast schon zu friedliche Stimmung im Publikum. Ihr kurzes Set wird dennoch wohlwollend aufgenommen- der klassische FJM-Fan ist von Haus aus sehr aufgeschlossen und freundlich. Werte, die man nicht nur in den Weltreligionen, sondern auch im Kreise der einzig wahren Erleuchteten, also der Anhänger von Papa Juan, findet.

 

Die Messe beginnt

Um kurz nach 21:00 färbt sich auf einmal die Bühne im Huxleys blutrot und fast wie der Leibhaftige selbst erscheint Father John Misty, elegant im weißen Anzug und eröffnet das Konzert mit Hollywood Forever Cemetery sings vom Album Fear Fun. Was für ein Auftakt! Verzückt verleiht die Menge ihrer Begeisterung mit frenetischem Jubel Ausdruck, als direkt im Anschluss die Akkorde zu seinem aktuellen Hit Mr. Tillman ertönen. Mit so einem bombastischen Start hätte wohl keiner gerechnet. Obschon FJM sich während der ersten sechs Songs an seiner Gitarre festhält, bricht schon jetzt hier und da sein nicht zu leugnendes Talent zu großen Gesten aus ihm heraus.

 

Total Entertainment forever

Kaum hat er die Gitarre beiseitegelegt, zeigt er das, worauf seine Fans bereits sehnsüchtig warten. Große Musik, große Gesten, große Lichtshow, großes Tennis. Seine gesellschaftskritischen Texte untermalt Tillman mit einer beeindruckenden Bühnenperformance und auch die Setlist kann sich sehen lassen. Nancy from now on, Chateau Lobby No 4, please don’t die– um nur einige zu nennen. Besonderen Anklang beim Publikum finden erwartungsgemäß I’m writing a novel, I went to the store one day, Real love Baby und I love you, Honeybear. Father John Misty gibt seinen Jüngern, was sie brauchen. Ein hervorragendes Soundgewitter, ausladende Bewegungen, die immer ein wenig drüber, aber nie kitschig wirken, großartige Songs über die Ab-und Tiefgründigkeit der Menschen und ein Stück von seinem gottgleichen Glanz.

 

Real Love, Baby

Father John Misty, der Künstler, den man entweder hasst oder liebt, ist nicht nur live eine Bereicherung für den Zirkus der Popkultur. Seine zynischen Texte, verpackt in leicht verdauliche Klangegefüge, seine theatralischen Auftritte und Statements, bei denen man sich nie sicher sein kann, ob sie wirklich so gemeint sind, untermauern sein Alleinstellungsmerkmal in der Musikszene. Jesus Christ, Boy, praise the Father! Wir freuen uns schon auf den nächsten Gottesdienst.

 

Redaktion und Fotocredits: Désirée Pezzetta

About The Author

Eine Italienerin in Franken. Popkulturelle Geisteswissenschaftlerin. Geht jährlich auf über 100 Konzerte von David Hasselhoff bis Heaven Shall Burn. Mag Katzen, Pasta und Weinschorle. All time favourite Band: Bonaparte

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