Review: 2Cellos – Let there be Cello

2 Cellos, das sind Luka Sulic und Stjepan Hauser. Die spielen seit ihrer Kindheit Cello und haben kürzlich ihr Studium an der renommierten Royal Academy of Music in London und am Royal Northern College of Music in Manchester abgeschlossen. Luka Sulic ist weltweit in berühmten Konzerthäusern wie der Wigmore Hall in London, dem Concertgebouw in Amsterdam, dem Musikverein sowie dem Konzerthaus in Wien aufgetreten. Und nebenbei machen die beiden noch flotte, so gar nicht klassische Musik. Total verrückt.

Das Konzept von 2Cellos ist wirklich nicht neu. Bereits in den 90er Jahren gab es findige Cellisten, die sich abseits der zugegebenermaßen ausgetreten Pfade der Klassik bewegt haben. Das waren Apocalyptica, die sich anfangs nur auf Metallica Cover spezialisiert hatten, aber das mit Leidenschaft und Liebe zum Metal. Eine Leidenschaft für Rock und Pop möchte man auch den Barden von 2Cellos nicht absprechen, die ersten Alben der Formation aus Kroatien brachten wieder einmal frischen Wind in die aufblühende Classic meets Rock-Szene. Mehr als Achtungserfolge erlangten die ersten Alben jedoch nicht, dennoch reichte es für einen Majordeal mit Sony und ein paar Fernsehauftritte in hochkarätigen Shows. Und zugegebenermaßen war es leichte musikalische Kost und Nirvana hatten schließlich auch ein Cello bei ihrem Unplugged Konzert 1993. Auch die Version vom Peter Gabriel Klassiker The Book of Love, performt mit Zucchero und auf Italienisch, verursacht wohlige Gänsehaut.

Aus jedem Dorf ein Köter

Nun sollte man meinen, 2Cellos gehen auf Let there be Cello stringent und innovativ weiter in diese Richtung, um ihr Alleinstellungsmerkmal zu untermauern. Das tun sie aber leider nicht. Die insgesamt 14 Tracks klingen unambitioniert, wie von einem Schüler hingerotzt, der selbst keine Lust mehr auf sein Instrument hat. Ein bisschen zu verzerrt und ein bisschen zu viel Hall macht auch produktionstechnisch diese Platte zu keinem Meisterstück. Die Auswahl der Stücke könnte polemischer nicht sein. Von Pirates oft he Caribbean bis hin zu Hallelujah und Despacito ist wirklich alles dabei, was man bereits 1000 Mal gehört und wobei man schon 1000 Mal nichts gespürt hat. Filmmusik, Fußballhymne, Klassik, Pop, Softrock, Classic Rock- konzeptionell also ein absolutes Desaster!

Gerade Hallelujah, sowieso schon totgedudelt von jedem drittklassigen Chorknaben- und Mädel, ist in der reinen Instrumentalversion am Ehesten noch als Rausschmeißer am Heiligen Abend geeignet, wenn alle schon vor Würstchen, Kartoffelbrei und Tee mit Rum zu voll zum Vorspulen sind. Nichtmal bei diesem Klassiker nimmt man den Musikern irgendeine Form von Gefühl ab. Den Zenit der Belanglosigkeit erreicht die Platte dann aber bei Perfect von Ed Sheeran. Aus dem ohnehin nicht sonderlich abwechslungsreichen Stück zaubern 2Cellos eine fast schon gehetzte Version ohne Variation.

Ideenlos und überflüssig

Bei Whole lotta Love gehen dann kurz die Pferde mit den Beiden durch und der Led Zeppelin Klassiker bekommt als Präludium Beethovens Fünfte verpasst. Hier ist man fast geneigt, mit zu bangen, aber auch nur, weil es prägnant nach Apocalyptica klingt. Seven Nation Army und Champions Anthem haben als einzige Songs sogar einen echten Beat, was sie aber dennoch nicht interessanter macht.

Positiv zu erwähnen sind die klassischen Stücke des Albums, Vivaldi Storm, Asturias meets Carmen und Cadenza. Auch nicht innovativ, aber immerhin mit Wumms.

Dieses Album ist nur für echte Fans und Menschen ohne Musikgeschmack, die sich unter dem Deckmantel eines Klassikalbums Intellektualität erkaufen wollen.

Hörspaß
Produktion
Konzept
0.7

Belangloses, uninspiriertes und gefühlloses Song-Potpourri

About The Author

Eine Italienerin in Franken. Popkulturelle Geisteswissenschaftlerin. Geht jährlich auf über 100 Konzerte von David Hasselhoff bis Heaven Shall Burn. Mag Katzen, Pasta und Weinschorle. All time favourite Band: Bonaparte

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