John Butler Trio – Solo in München, 22. Oktober 2018

Man mag sich gar nicht ausmalen, was für ein Schock es gewesen sein muss, als der Drummer des John Butler Trios, Grant Garethy, nach dem Konzert in Köln vom Arzt Auftrittsverbot erteilt bekommen hat. Großer Mann, was nun? Die Shows absagen? Das kam für John Butler nicht infrage, und so beschloss er kurzerhand, die letzten drei Deutschlandgigs solo zu absolvieren. Den Fans überließ er dabei die Entscheidung, sich entweder auf dieses Abenteuer einzulassen, oder die Tickets zurückzugeben. All denjenigen, die sich für letztere Option entschieden haben sei gesagt: Das war ein großer Fehler.

 

Bobby Alu supportet John Butler

In der Münchner Tonhalle versammeln sich heute also die Fans, die John Butler auch ohne Trio sehen wollen. Support kommt von dem australischen Musiker Bobby Alu. Zunächst gibt es Ukulelen-Action und Hintergrundinfos zu seinen südpazifischen Wurzeln, bis er beim großen Finale ein Drumfeuerwerk vom Feinsten abliefert. Bleibt die Frage, warum dieser Ausnahmetrommler nicht für den kranken Grant einspringen konnte. Nach diesem fulminanten Auftakt ist die Stimmung bereits aufgeheizt und alle warten gespannt auf John Butler solo.

 

John Butler heute solo

Endlich betritt John Butler Solo die spartanische Bühne, auf der außer ein paar Gitarren, einer Loop Maschine, einem Hocker, Mikrofon und einer Fußtrommel nichts steht. Unter frenetischem Applaus wird er vom Münchner Publikum Willkommen geheißen. Natürlich entschuldigt er sich nochmals für die unvorhersehbaren Umstände, aber die Bayern verzeihen ihm umgehend. Er beginnt das Set mit Just Call von der neuen Platte Home, die Ende September erschienen und eine der besten Veröffentlichungen des Jahres ist. Die Setlist, die John Butler jeden Abend neu schreibt, enthält einige Songs des Albums, wie zum Beispiel das Herzschmerzstück Miss your love oder die erste Singleauskopplung Wade in the water. Auch der Titeltrack wird eindrucksvoll live performed. Dennoch lässt sich John Butler nicht lange bitten und haut den Münchnern alte Hits wie I used to get high oder Good as gone um die Ohren. Und wie er das tut!

 

John Butler lässt Münchner staunen

Der Ausnahmemusiker bearbeitet Banjo, Gitarre und Mundharmonika so einzigartig, dass nicht wenige im Publikum vor Staunen die Münder offen haben. Tight, schnell, harmonisch und eine nahezu perfekte Intonation- es ist kaum zu glauben, dass John Butler das alles live auf der Bühne vereint. Die Lässigkeit eines Surferboys vom australischen Strand gepaart mit der Sympathie des netten Jungen von Nebenan und musikalischen Skills, vor denen sich Größen der Popkultur ruhig in Demut verneigen könnten. All das passiert in der Tonhalle und das verzauberte Publikum kann nichts anderes als staunen und jubeln. Er sagt, er redet viel auf Solokonzerten und seine Fans hören ihm gebannt zu, wie er Geschichten aus seinem Leben und zu seinen Songs erzählt. War es bei Bobby Alu nur im ersten Drittel einigermaßen ruhig, scheint es nun, als würde das Publikum den Atem anhalten, um keine Silbe, keinen Ton von John Butler zu verpassen. Das letzte Stück des Abends, Ocean, zieht John Butler auf Überlänge und zeigt noch einmal, warum er zurecht als einer der besten (Live-)Musiker unserer Zeit gilt.  Dieses Konzert ist ohne Übertreibung das Highlight des Jahres 2018. Schnelle Genesung an den Drummer, vielleicht kommt ja dann das gesamte John Butler Trio wieder zurück nach Deutschland. Wir werden da sein.

 

Redaktion: Désirée Pezzetta

Fotocredits: Because Music

About The Author

Eine Italienerin in Franken. Popkulturelle Geisteswissenschaftlerin. Geht jährlich auf über 100 Konzerte von David Hasselhoff bis Heaven Shall Burn. Mag Katzen, Pasta und Weinschorle. All time favourite Band: Bonaparte

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