Urlaubsfeeling am Störmthaler See- Highfield Festival 2018

Am dritten Augustwochenende steigt das Highfield Festival in Großpösna bei Leipzig, direkt am Störmthaler See. Wieder mit 35.000 Besuchern ausverkauft, bietet das Festival ein abwechslungsreiches Musikprogramm auf drei Bühnen. Bei hochsommerlichen Temperaturen können sich die Festivalbesucher am See-Strand in den Fluten abkühlen oder auf dem Zeltplatz den Flüssigkeitshaushalt durch Flunkyball und andere präpubertären Trinkspiele aufrechterhalten. Auf dem staubtrockenen Festivalgelände selbst gibt es hingegen nur wenig Schattenplätze, aber dafür sehr viel aufgewirbelte Erdpartikel. Das liegt nicht zuletzt an den energiegeladenen Performances von Einlass bis Festivalschluss.

 

Schwabenpower und One Hit Wonder

 Itchy eröffnen den Freitag und legen mit ihrem Punkrock gut vor, Massendefekt und Radio Havana ziehen nach und nach mehr Zuschauer aufs Gelände. Massendefekt skandieren Nie wieder Punkrock – nie wieder Berlin und treffen damit den Nerv des Publikums, das hüpft und pogt und erste Wall of Deaths bildet. The Subways, die seit gefühlten 100 Jahren von ihrem Hit Rock n Roll Queen zehren, läuten den frühen Abend ein und das Publikum zeigt sich erstaunlich textsicher. Einen neuen Song namens You kill my cool gibt es auch zu hören.

 

Aus einer Mücke einen Alligatoah machen

Das Highlight des Freitags ist, als Sänger Maurice Ernst von Bilderbuch bei Bungalow eine Fliege verschluckt und das selbst als Nahtoderlebnis tituliert. Ansonsten liefern die Österreicher die mit Abstand beste Show des Freitags. Die elektrisierende und sexy Ausstrahlung von Sänger Maurice ist im momentanen Popzirkus unerreicht und auch bei schwierigen Soundbedingungen liefern die Wahlwiener jedes Mal sauber ab. Alligatoah hingegen kann mit seiner Akustik-Show nicht überzeugen. „Normalerweise sitzen die Leute bei dieser Show“, stellt er selbst fest und genau da liegt auch das Problem. Bei strömenden Regen auf einem Headliner Slot mögen die Songs einfach nicht zünden. Billy Talent richtet es dann wieder und beschert dem begeisterten Publikum einen wundervollen Abschluss des Freitags. Wie bereits auf dem Hurricane und dem Southside ist auch der am MS erkrankten Drummer Aaron mit dabei- diesmal aber nur für zwei Songs. Bewegend, wie gefasst und mutig er mit seinem Schicksal umgeht.

 

Humanismus ist nicht verhandelbar

Auch der Samstag wartet mit Hochkarätern auf und klaren Statements auf. 8kids aus Münster gehen direkt nach vorne (Interview auf unserer HP), ebenso wie die unfassbaren Fjort, die mit klaren Statements auch zu früher Stunde überzeugen. Zugezogen Maskulin, Bausa, die Antilopen Gang , Swiss und die Anderen sowie Gloria performen wirklich auf hohem Niveau. Sondaschule reißen dann bei strahlendem Sonnenschein vor einer, für die Uhrzeit außerordentlich gut gefüllten, Green Stage mit ihrem Ska Punk alles ab. Die positive Ausstrahlung der Band gepaart mit dem durchdachten musikalischen Konzept unterscheidet sie von anderen Gruppen des Genres. Das Publikum feiert die Herren aus NRW von der ersten bis zur letzten Minute des Sets. Kettcar präsentieren ein in sich stimmiges Konzert mit Gänsehautmomenten wie bei Sommer 89, Landungsbrücken raus oder dem Wiebusch Song Der Tag wird kommen. „Humanismus ist nicht verhandelbar“ lässt die Band aus Hamburg verlauten und auch wenn es abgedroschen klingen mag, diese Statements, die fast alle Bands des Festivals live abgeben, sind gerade heute so wichtig.

 

Immer das Gleiche mit diesem Dendemeier

Der frühe Abend steht dann im Zeichen des deutschen Rap, Kontra K, Prinz Pi und Dendemann vertreten die Rapfraktion, wobei letzterer schon bessere Auftritte abgeliefert hat. Einige, leider allzu offensichtliche Texthänger u.a. bei Stumpf ist Trumpf, belegen, dass Dendemann noch nicht wieder an die alte Form anknüpfen kann. Eventuell könnte eine Tour und neues Material frischen Wind bringen- wir warten immer noch auf ein neues Album von Eins Zwo!

 

To flog a dead horse in a bee hive

Weitere Acts des Samstags sind Flogging Molly, die Donots, die für Bad Religion einspringen, sowie The Hives. Der Sound ist grottig und schlecht abgemischt und so eingängig die Songs auch sind, das Gelaber zwischen den Stücken nervt spätestens ab der dritten Nummer. Als Sänger Pelle dann auch noch das Highfield fast mit dem Deichbrand verwechselt, wechselt auch ein großer Teil des Publikums zu Parov Stellar. Ob das die bessere Alternative ist, bleibt wohl Geschmackssache. Elektroswing scheint beim gemeinen Festivalgänger gut anzukommen, jedoch mag das Livekonzept nicht wirklich zum Alternativ angehauchten Highfield passen.

Glücklicherweise beenden die Broilers den Abend gewohnt spielfreudig, professionell und grundsympathisch. Und wie bereits sooft in dieser Festivalsaison braucht es bei Ihr da Oben wieder viele Taschentücher.

 

Wombats mit W und Casper mit E

Der Katersonntag bleibt gnadenlos heiß – vor und auf der Bühne. Alex Mofa Gang, Adam Angst, ZSK und Maximo Park spielen um ihr Leben – und gewinnen! Die Indiegötter The Wombats performen vor einer übervollen Blue Stage ihre größten Hits – trotz Jet Lag des Sängers. Das Interview mit Drummer Dan ist auch auf unserer HP zu finden. Marteria, der als Headliner überzeugt, hat wieder Casper zu Promozwecken dabei – steht doch das gemeinsame Album 1982 kurz vor dem Release. Das geht auf Kosten von Marsimoto, der nur ganz kurz vorbeischaut. Auch die in Deutschland leider etwas verkannten Editors, Aki Bosse und Madsen bilden einen schönen Ausklang des Highfield Festivals. Für das etwas gesetztere Publikum gibt es auch noch Deutschrap der alten Schule von den Fantastischen Vier.

 

Friedlich und solide

 

Das Festival bleibt nach Angaben des Veranstalters weitestgehend friedlich. Im Vorfeld wurden außerdem ob der Hitze besondere Brandschutzvorkehrungen getroffen, die sich aber im Nachgang glücklicherweise als obsolet herausgestellt haben. Das Highfield kann zwar nicht mit dem schönsten Gelände punkten, aber der bereits erwähnte Strand und See ist schon ein wirkliches Highlight. Auch das Line Up ist seit Jahren konstant ansprechend, ebenso wie die Preispolitik des Festivals. Das Publikum bewegt sich in einer Range von überwiegend 25-35. Der Vorverkauf für 2019 hat bereits begonnen.

 

Redaktion: Désirée Pezzetta

Fotocredits: Kevin Randy Höfer

About The Author

Eine Italienerin in Franken. Popkulturelle Geisteswissenschaftlerin. Geht jährlich auf über 100 Konzerte von David Hasselhoff bis Heaven Shall Burn. Mag Katzen, Pasta und Weinschorle. All time favourite Band: Bonaparte

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