Review: Lygo – Schwerkraft

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Mit dem 52 Sekunden langem Intro Alles ist egal beginnt die Bonner-Band Lygo, ihre neue Platte mit ihrem kürzesten Song, der wie der Rest des Albums, laut und voller Statement ist. Durch den einprägenden Rhythmus des Schlagzeugs und den Zeilen „Alles ist so egal – solange das Gefühl stimmt, solange es dich mitnimmt“, wird eine Stimmung versucht zu definieren, die sich durch die ganze Platte zieht. Dabei geht es nicht nur um die Frage wer man eigentlich ist oder sein will, sondern auch um verpasste Momente oder Chancen, weil man seine Zeit mit anderen Dingen vergeudet. Und um eine zwischenmenschliche Ebene die ebenso schwierig aufzubauen ist, wie auch zu beschreiben und daher meist mittelmäßig bleibt. Für Gesellschaftskritik ist natürlich auch Platz auf der Platte. So beantworten die Jungs die Frage, wo die Wut gegenüber der aktuellen Gesellschaftlichen und Politischen Lage herkommt, in dem Song Gründe.

Inhaltlich definiert sich auch das dritte Album der dreiköpfigen Band durch sehr ernste Themen wie Angst und Selbstzweifel. Musikalisch klingt Schwerkraft wesentlich klarer und hat etwas weniger Geschrei vorzuweisen. Was das Album aber definitiv nicht nötig hat, denn jeder Song punktet allein mit seiner aussagekräftigen Lyrics und der lauten Begleitung von Gitarrenriffs und Drums, die einen Großteil des Albums ausmachen. Der Einsatz von Gitarren- und Drum-Solos lassen einem Platz, um die, mit rauchiger Stimme, gesungenen Bilder von Sänger Simon erstmal sacken zu lassen. Im großen und ganzen ist die Komposition und der dadurch erzeugte Nachdruck der Bilder recht gut gelungen, lässt einen aber manchmal etwas unverhofft zurück, da man auf diese Weise sehr schnell durchs gesamte Album geführt wird. Die Platte steckt voller gebündelter Energie und Statements: „Du hast viel zu lange schon, viel zu lange schon entschieden wer du bist“ aus dem Song Festgefahren, oder „Du hast an deinem letzten Abend stundenlang durch die Facebook-Timeline gescrollt und damit du besser einschlafen kannst, hast du dir zu schlechten Pornos einen runtergeholt“ aus dem siebten Track Schraubzwinge sind nur Bruchstücke von der Message die hinter dem Album steckt.

Lygo nimmt auch auf diesem Album kein Blatt vor den Mund und nennt die Dinge so wie sie sind beim Namen und reiht sich mit Schwerkraft neben vergleichbaren Bands wie Massendefekt oder Fjørt ein.

Sound
Konzept
Hörspaß
3.8

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