KMPFSPRT: Ein Interview über viel Musik, abgedrehte Superhelden und das perfekte Katerfrühstück

KPMFSPRT auf dem Green Juice

Das Green Juice Festival hat einiges bereit gehalten für uns – unter anderem ein wundervolles Interview mit David von KMPFSPRT über verloren gegangene Vokale, das beste Heilmittel gegen Kater und die Vorzüge von unkonventionellen Superhelden.

Gringoz: Also die erste Frage ist natürlich wie fandet ihr’s eben? Wie war es für euch auf der Bühne?

David: Ich fands total geil, ich hatte so viel Spaß. Ich kam von der Bühne runter und hab meinen Sänger genommen und meinte nur ‘Boah wie geil war das denn! ’ und er meinte nur, es war total furchtbar, weil seine Fußpedale falsch eingesteckt waren und ihm wohl vier Mal während der Show das Kabel rausgerissen ist und seine Gitarre war immer weg und er musste dann da rumfummeln und das Kabel wieder reinstecken. Er konnte dann nicht richtig singen und so. Ich hab das alles gar nicht mitbekommen, weil ich so viel Spaß hatte auf meiner Seite. Deshalb würd ich sagen, es ist 50/50. Die eine Hälfte der Band hatte ne richtig geile Show, die andere eher weniger. Das war es aber auch nur von unserer Seite aus, also das Publikum war echt großartig!

Gringoz: Wie ist es mit Gaijin jetzt auf Tour zu sein? Kam das Album gut an?

David: ja, das ist super. Wir haben bei Gaijin so viel Spaß die Songs live zu spielen und es ist auch einfach total geil zu sehen, wie viele Leute einfach die Texte schon mitsingen von den Songs. Wir haben jetzt gerade in Bochum gespielt vor kurzem und haben da irgendwie 250 Leute in so nen kleinen Club reingequetscht und der Schweiß tropfte von der Decke. Das war vor Gaijin definitiv noch nicht so. Da merkt man auch, wie viele Leute das Album nochmal zu unserer Band dazu gebracht hat.

Gringoz: Es ist auch echt eine geile Platte. Was würdet ihr denn sagen, ist euer Lieblingssong davon oder was ist deiner?

David: Boah, das ist echt schwierig. (Überlegt) Das ist wirklich richtig schwierig, denn das wechselt sehr oft. Also ich würde sagen der beste Song auf dem Album ist Schwarz aber mein Lieblingssong ist das jetzt nicht unbedingt. Mein Lieblingssong ist glaube ich Asche, weil der diese unglaubliche Geschwindigkeit hat. Ich komme ja aus der Hardcore Szene und ich liebe Songs die schnell sind, deswegen ist Asche so mein Song, aber der beste Song ist wohl trotzdem Schwarz.

Gringoz: Schwarz ist super, für mich ist der beste wohl Trümmer …

David: Ah, das ist auch schön. (lacht) Das war der erste Song, den ich geschrieben habe für das Album. Das war aber auch der Song, nach dem unser Schlagzeuger dann auch ausgestiegen ist, weil er meinte, dass will er nicht.

Gringoz: Was war euer Highlight auf dem Greenjuice dieses Jahr?

David: Also unser Highlight außer der eigenen Show war glaub ich Abramovic zu sehen. Die find ich sehr geil und das sind mega mega nette witzige Typen. Mit denen haben wir auch schon öfter zusammengespielt. Aber auch Backstage rumzuhängen mit so vielen anderen, coolen Bands mit denen man Spaß hat ist ein Highlight. Es ist auch sehr familiär hier. Das ist jetzt auch schon unser zweites Mal hier und wir kennen schon viele Leute und ja, die haben leckeres Bier, leckeres Essen und bei dem guten Wetter fühlt es sich echt so an, wie in den Ferien. Dann spielt man kurz zwischendurch mal ein paar Songs, um dann wieder in die Ferien zu kommen. Dafür liebe ich den Festivalsommer und auch das Green Juice sehr.

Gringoz: Wo wir eh gerade beim Festivalsommer sind. Was war denn dein und euer persönliches Highlight diesen Sommer generell?

David: Da gab es zwei. Das eine war glaub ich das Southside und das Deichbrand. Das waren halt beides Shows wo wir nicht wussten, wie werden die Leute uns aufnehmen, weil wir ja schon ne ziemlich laute Punkband sind und das sind ja größere Festivals, wo jetzt nicht nur Leute hinkommen die Punk hören. Beim Southside haben wir eröffnet, als allererste Band am Donnerstag und das Zelt war so voll mit über tausend Leuten. Das hätten wir halt nie erwartet.
Beim Deichbrand war es dann ähnlich, da mussten die irgendwann den Bereich sperren und es kamen keine weiteren Leute mehr rein. Und wenn das was ist womit du absolut nicht rechnest und dann von der Bühne runter guckst auf so viele Leute, die da sind, weil du diese Musik spielst … das kann man mit Worten gar nicht beschreiben.

Gringoz: Was findest du denn besser? Konzerte oder Festivals?

David: Das ist immer eine ganz schwere Frage, weil man das kaum miteinander vergleichen kann. Bei Festivals liebe ich das drumherum sehr. Man spielt mit so vielen Bands und man sieht auch viele Bands. Auf dem Open Flair jetzt letztens zum Beispiel Bad Religion, das war so die Band meiner Kindheit und Jugend. Die dann zu sehen auf derselben Bühne auf der wir gespielt haben, das ist schon ganz besonders. Aber wenn ich überlege, sind die geilsten Shows wohl die in nem verschwitzten Raum mit 200 Leuten, wo der Schweiß von der Decke tropft und man einfach danach sterben kann. Das ist das beste überhaupt. (lacht)

Gringoz: Ihr seid ja dann auch verdammt nah am Publikum …

David: ja, du bist halt einem Meter nur entfern von den Leuten, die dir ins Gesicht schreien und das ist halt das Beste, was es gibt. Hier [auf Festivals] hast du halt diese Distanz, aber dafür hast du dann auch den Blick über diese größere Menge und das sieht halt auch echt geil aus. Wenn man dann viele Leute erreicht, die einen früher auch noch nicht kannten, dann ist das auch etwas sehr Schönes. Deswegen kann man eigentlich auch nicht wirklich sagen entweder oder bei der Frage Festival oder Club sondern sollte sagen ‘und’

Gringoz: Kommen wir nochmal kurz zurück zum Green Juice: wen hättest du gern noch dabeigehabt?

David: Weezer fänd ich richtig schön. Also wenn die ihren Weg aus Amerika hier hinfinden würden, fänd ich das absolut großartig (lacht). Die Descendents dürften gerne kommen und natürlich auch unsere Kumpels von Adam Angst. Also wenn die da sind könnten wir auch auf jeden Fall sofort mit fünf Leuten Bier trinken. (hebt seinen Bierbecher und prostet in die Luft)
Fjørt war ja auch hier dieses Jahr, leider nicht am selben Tag wie wir, das ist der größte Wehmutstropfen. Ja und bei Adam … Wir sind jetzt scheinbar immer im versetzten Jahr.

Gringoz: Nun eine Frage vom Campingplatz. Wo kommt der Name KMPFSPRT her und wo sind die Vokale hin verschwunden?

David: Okay. Der Name kam, als wir die Band gegründet haben und gemerkt haben: ‘oh wir spielen in einer Woche unser erstes Konzert und wir haben noch keinen Namen. Wir brauchen einen’. Wir haben halt vorher nur in englischsprachigen Bands gespielt wie Fire in the Attic oder Days in Grief, wo man halt englische Namen hatte. Das ist sehr viel einfacher. Wenn du auf Deutsch nen coolen Namen willst ist das viel schwerer. Wir haben dann lange hin und herüberlegt und irgendwann kam dieser Geistesblitz. Kampfsport ist irgendwie geil und wir machen harte Musik, da passt das. Uns war das dann aber ein bisschen zu martialisch und dann haben wir uns überlegt, wenn wir die Vokale weglassen, sieht das nicht ganz so brutal aus und passt besser zu uns. Wir sind ja eigentlich ganz lieb so.

Gringoz: Findest du? Find das sieht ohne Vokale viel aggressiver aus.

David: (lacht) Auch nicht schlecht. Ja, also dann haben wir uns gedacht: ohne Vokale sieht das viel aggressiver aus und das passt, weil wir so aggressive Typen sind, dann haben wir die Vokale einfach weggelassen. (lacht noch einmal herzhaft)

Gringoz: So und wenn ihr jetzt den ganzen Tag auf einem Festival gewesen seid, noch ein paar Bierchen getrunken habt, was gibt’s dann bei euch zum Katerfrühstück am nächsten Morgen?

David: mh … wahrscheinlich Tofu-Rührei. Tofu-Rührei ist ein sehr gutes Katerfrühstück.

Gringoz: Mit Knoblauch?

David: ja, auf jeden Fall mit Knoblauch! Mit ganz viel davon und frischen Tomaten. Wir haben ja morgen schon das nächste Festival und da muss man dann auf jeden Fall gucken, dass man bis zum Konzert wieder in den Griff bekommt. Was auch immer hilft ist, wenn man ankommt schnell ein Konterbier trinken. Also Tofu-Rührei, Konterbier und sehr viel Kaffee.

Gringoz: Okay. Weiter geht’s. Nehmen wir mal an wir wären in einem Paralleluniversum …

David: oh geil. Ich liebe Paralleluniversen!

Gringoz: Wärst du ein Superheld oder ein Bösewicht?

David: Ach, ich wär so gern ein Bösewicht … aber ich fürchte, wenn ich mich entscheiden müsste, meine Mutter war scheinbar zu gut zu mir, wäre ich wahrscheinlich ein Superheld. Aber keiner von diesen spießigen Superhelden, sondern einer, der auch mal fünfe Grade sein lässt und auch mal ne Brücke kaputt macht.

Gringoz: also so wie Deadpool?

David: ja, Deadpool kann ich mir ganz gut vorstellen. Irgendwo zwischen Deadpool und Spiderman, weil den mochte ich früher als Kind ganz gerne. Der war nicht so weit weg, wie die anderen Superhelden, wie Batman oder so, der halt ein scheiß Millionär ist und da in seinem blöden Schloss lebt.

Gringoz: Was sagst du zu dem neuen Spiderman: Homecoming?

David: Oh, den hab ich noch nicht gesehen. Ich bin halt kein Fan von dem neuen Spiderman, also für mich war Tobey Maguire der Spiderman. Ich kann mit dem neuen, ich weiß gar nicht, ob das noch Andrew Garfield ist, nichts anfangen. Für mich das Tobey Maguire Punkt. Aber ich wird ihn mir wohl mal angucken.

Gringoz: was für eine Superkraft hättest du?

David: Fliegen! Da brauch ich gar nicht lange nachzudenken, weil mit Fliegen kannst du so viel Lösen. Es gibt so viele Situationen, wo man von unangenehmen Leuten umgeben ist oder man weiß nicht, wie kommt man aus der Situation raus und Fliegen löst jedes Problem. Kein anderer kann das, aber wenn du irgendwo hinwillst, du fliegst. Du brauchst auch nicht acht Stunden in nem Bus sitzen mit neun Leuten zusammengequetscht.

Gringoz: Wenn du stark wärst könntest du ja auch einfach den Bus nehmen und damit wegfliegen. (Lachen)

David: oh, das wäre auch ne Superkraft, ich dachte ich könnte nur eine haben, aber wenn du das schon anbietest (lacht). Dann würde ich fliegen und hätte extreme Kraft. Obwohl, ich glaube eigentlich braucht man gar keine extreme Kraft… (denkt nach)

Gringoz: Vielleicht um die Brücke kaputt zu machen als Superheld?

David: ja, aber das kriegt man bestimmt auch ohne irgendwie hin. Vielleicht, wenn man an der Statik was macht. Die Brücke soll ja auch nicht kaputt gehen, jetzt auch nachdem das in Italien passiert ist, das ist ja nicht schön. Aber vielleicht einfach so ein bisschen oben das Geländer verbiegen …

Gringoz: Was habt ihr eigentlich vor KMPFSPRT noch gemacht?

David: Unser ganzes Leben lang Musik. Die Band davor war Fire in the Attic, das waren Richard, Dennis und Plotzki, also alle außer mir. Die haben damals auch tatsächlich so Rock am Ring Hauptbühne gespielt. Die waren in ihrem Bereich so in der Zeit auch ziemlich am Start. Ich hab zu der Zeit noch in Japan gelebt, in Tokio und hab da so eine kleine Punkband gehabt, die keiner kennt. Aber wir haben da in Tokio sehr viele Konzerte gespielt (lacht).

Gringoz: Daher auch der Name Gaijin?

David: daher der Name Gaijin tatsächlich. Die Erfahrung habe ich da gemacht, wie es ist Ausländer zu sein. Das kann man sich so ja auch gar nicht so richtig vorstellen, wie das ist, wenn man ja selber weiß ist und in Deutschland lebt. Man kennt das dann vielleicht aus Erzählungen oder aus dem, was man liest, aber wenn man dann in einem Land lebt, wo man selber aufeinmal die Minderheit ist, wegen seines Aussehens, dann merkt man auf einmal, wie krass das ist. Das man auch nicht raus kommt aus diesem Ding. Du sagst dann ‘hey ich bin David’ aber die Leute sehen gar nicht David, sondern nur den Ausländer. Das war eine wirklich krasse Erfahrung und das ist auch in den Titel Gaijin mit eingeflossen.

Gringoz: Wenn ihr in der Zeit springt, was macht ihr in fünf Jahren? Rock am Ring Hauptbühne?

David: (lacht) also, wenn die uns buchen, jederzeit. Aber das sehe ich jetzt nicht wirklich, weil wir nicht anfangen werden Songs zu schreiben die Massenkompatibel sind. Deshalb seh’ ich Rock am Ring Hauptbühne eher nicht, außer einer von denen ist so nett und denkt sich ‘oh denen geben wir jetzt mal ne Chance’.

Gringoz: Wo würdest du gerne mal noch spielen wollen?

David: gute Frage. Es gibt ja das CBGB in New York nicht mehr. Da hätte ich sehr gerne mal gespielt, weil da ungefähr alle Bands mit denen ich groß geworden bin, ihre größten Konzerte gespielt haben. Wir haben auch schon SO36 gespielt im Berlin, das war auch was wo ich gesagt hab, da will ich unbedingt mal spielen. Dadurch, dass wir auch so lange schon so viel spielen, haben wir vieles schon abgehakt. Also außer der Rock am Ring Hauptbühne (lacht), Highfield wäre auch mal schön. Ansonsten spielen wir immer gerne da wo wir gerade sind, im Bla in Bonn, im Underground in Köln, was es ja jetzt leider auch nicht mehr gibt.

Gringoz: Vielleicht noch zum Pell Mell?

David: ja, das wäre auch cool. Da hab ich schon oft von gehört. Das fehlt noch auf der Liste. Pell Mell wäre cool.

Gringoz: Dann bleibt noch zu sagen von unserer Seite aus, vielen Dank für das coole Interview und dann sieht man sich ja vielleicht nächstes Jahr wieder auf dem Pell Mell. Vielen Dank! 

David: ja, das hoffe ich doch.

Mit diesen Worten endet ein fantastisches Interview, das hoffentlich nicht nur uns viel Spaß gemacht und den ein oder anderen Lacher entlockt hat.

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