GREEN JUICE FESTIVAL 2018

Was ein Wochenende auf dem Green Juice 2018. Vom 17. – 18. August hat sich mitten im Bonner Wohngebiet eine tanzwütige Menge versammelt, um einmal so richtig abzugehen und bei kaltem Bier den musikalischen Hochgenuss zu zelebrieren.

Wir sind für Gringoz schon Donnerstagabend vor Ort gewesen und haben das in diesem Jahr neu dazu gewonnene Campingareal ausgecheckt. Dieses hat sich zwar nicht komplett gefüllt, was aber wohl niemanden gestört hat, denn so konnte man die dort entstandene Freifläche perfekt für Gruppenaktivitäten wie Flunky Ball oder morgendliches Bieryoga nutzen. Was will der Festivalbesucher mehr, bevor am Nachmittag die ersten Konzerte starten?

Schaut man sich die Konzerttage der Reihe nach an, ist der Freitag doch ein wenig härter ausgefallen, als der Samstag. Schon bei der zweiten Band, 8Kids wird gemosht was das Zeug hält und die ersten Staubwolken steigen gen Himmel. Generell ist das Wetter, nach dem Regendrama des Vorjahres sehr gnädig. Leichte Regenschauer in der Nacht zum Freitag und am Freitagmorgen, aber pünktlich zum Festivalbeginn kommt die Sonne raus. Der Platz füllt sich stetig mit Menschen, während das Programm weiter fortschreitet. Fjørt liefern eine wirklich fabulöse Show ab und machen direkt noch einmal deutlich was Sache ist, als Sänger David Frings sein Statement zur politischen Lage gibt – und da ist er auch nicht weit. Der erste Gänsehautmoment, als es plötzlich aus weit mehr als tausend Mündern schreit “Alerta, Alerta Antifascista” und man das Gefühl bekommt, dass man doch eine große Gemeinschaft ist, die dasselbe denkt und fühlt. Die Message ist einfach: keine Grenzen, keine AFD, kein rechtes Gedankengut.

Diese Stimmung greift auch Montreal direkt wieder auf, die als Co-Headliner wenig später die Bühne stürmen. Man hätte die Begeisterung vorab vielleicht nicht vermutet, da doch bei einigen der Schmerz tief saß, nach der Absage von Zebrahead die eigentlich diesen Slot gespielt hätten, doch Montreal schafft es vom ersten Lied an zu begeistern und liefern eine Stunde lang die perfekte Punkparty. Was natürlich kein Wunder ist, bei Songs mit Ohrwurmgarantie wie „Kino?!“ Oder „Endlich wieder Discozeit“ und es wird noch besser. Da steht doch plötzlich Ingo von den Donots auf der Bühne um die Stoppuhr zu machen, bei „120 Sekunden“ – und wehe eine Sekunde länger!

Und dann steht auch schon der erste Headliner des Wochenendes auf der Bühne. Die Donots eröffnen mit “Geschichten vom Boden” eine grandiose Show, fordern ihr Publikum heraus, springen, tanzen, haben Bock. Da wird gehüpft, gemosht, ein Circle Pit an den nächsten gereiht, zu den besten neuen Songs und den englischsprachigen Klassikern von früher. Gern wird sich auch mal zum Verschnaufen auf den Boden gesetzt und gerudert, um dann mit Staub um sich werfend, wieder in die Luft zu springen und das Green Juice Gelände zum Beben zu bringen. Peter der Punkpiepmatz hätte seine Freuden gehabt (unser Beileid an dieser Stelle für den armen, toten Vogel). Generell hat die Anekdote vom kleinen Vogel für einige Lacher gesorgt und immer wieder Einzug in die Show gefunden, bevor es mit der Zugabe erst ein krachendes Finale mit „We’re not gonna take it“ gibt. Der letzte Song des Set „So long“ gibt dem ganzen einen irgendwie nostalgisch, emotionalen aber auch wirklich schönen Abschluss.

Der Samstag im Gegensatz schon weitaus lockerer mit Indie Klängen unter anderem von den Leoniden und Von wegen Lisbeth, glänzt pausenlos mit strahlendem Sonnenschein. Schwer zu sagen wie viele sich im nahegelegenen Freibad noch einmal abgekühlt haben, aber auch bei gefühlten 30 Grad sind schon am frühen Nachmittag genügend Menschen vor der Bühne. Besonderes Highlight des zweiten Festivaltags war definitiv die Show von KMPFSPRT (deren netten Gitarristen wir für ein Interview nach der Show noch entführen durften). Die beginnen ihr Set direkt mit „Trümmer“ und so können die Fans sich direkt zum Opener des neuen Albums einsingen und eintanzen. Die Stimmung hält sich bei Van Holzen dem Gefühl nach leider nicht so stark oben, wie zuvor bei KMPFSPRT, die aber trotzdem eine gute Show abliefern.

Aber hier liegen die Vorteile klar auf der Hand, denn von den wundervollen Menschen vor und hinter den Kulissen abgesehen macht das Green Juice auch seine Größe aus. In den Pausen zwischen den Bands kann man es sich an einem der vielen Stände gemütlich machen, ohne den Blick auf die Hauptbühne zu verlieren, oder an der VRS DJ Stage noch einmal das Tanzbein zu Techno Klängen schwingen – und auch wenn man die ersten Reihen einmal verlässt ist es nicht schwer wieder gute Plätze im Bereich vor der Bühne zu bekommen. Auch schön ist es, wie viel Liebe zum Detail in allem steckt, seien es die Crew Mitglieder, die alles für die Zufriedenheit der Besucher tun bis zu den Aktivitäten, die einem geboten werden. Erst hier eine Runde Jenga spielen, dann in die Fotobox gehüpft und zum Schluss noch schnell eine Kleinigkeit essen – die Umbaupausen vergehen wie im Flug. Man hört und sieht von überall – ja sogar aus der Kloschlange.

Den Vorabend läuten die Leoniden ein, die mit ihren lockeren Indiesongs ein gemütlich berauschendes Gefühl schaffen. Es ist irgendwie wie ein Konzert im eigenen Garten, mit Grillparty und allen guten Freunden. Man schwelgt ein bisschen und genießt einfach die Sonne, den Sommer und das Leben. Und auch bei Von Wegen Lisbeth hält sich dieses unbeschwerte Gefühl. Es steigert sich immer weiter. Man wird wieder wilder, schwingt das Tanzbein zu den teilweise ungewöhnlich anmutenden Klängen dieser Band, die auch mal ein Triangel als ernst zunehmendes Instrument mit auf die Bühne nimmt. Die Jungs füllen ihre Stunde mit jeder Menge guter Laune und hauen eine geniale Zugabe raus in der sie endlich das lang ersehnte „Wenn du tanzt“ zum Besten geben und mit dem darauf folgenden „Meine Kneipe“ wohl keine Wünsche offen lassen.

Und dann bricht auch schon die letzte Umbaupause an. Einmal noch warten, einmal noch die Stände unsicher machen bevor The Subways als Headliner des Samstagabends auf die Bühne springen. Mit diesem letzten Act gibt das Green Juice Festival noch einmal alles – und noch mehr. Die britischen Punkrockhelden feuern mit ihrer Setlist ein wahres Feuerwerk ab. Die unbeschwerte Stimmung des Vorabends entlädt sich in einer ausgelassenen Party, in der die Staubwolken noch einmal bis zur Bühnendecke in die Luft pulvern. So punkig die beiden Jungs um Bassistin Charlotte Cooper daherkommen, so zuckersüß ist es, wenn die zierliche Blondin, in der doch so viel Power steckt, sich auf Deutsch beim Publikum bedankt und man sieht, wie viel Spaß sie einfach bei der Sache haben. Das viel zu schnelle Ende kommt dann aber mit einem gewaltigen Finale. Kein The Subways Konzert ohne „Rock’n’Roll Queen“ und kein Festivalabschluss ohne ein richtiges Feuerwerk. Man weiß beim Tanzen nicht mehr wo man hinschauen soll, in den Himmel, auf die Bühne und gibt sich ein letztes Mal einfach dem Moment hin.

Und so endet das Green Juice Festival nach zwei Tagen mit etwas Wehmut. Während die Menge sich langsam auflöst und zu den Ausgängen strömt bleiben wir noch eine Weile sitzen und resümieren, bei einem gemütlichen Bierchen, das Wochenende. Das Green Juice ist definitiv etwas Besonderes – ein Fest das einen mit viel Liebe fürs Detail einfängt Es ist nicht das größte Festival, trotzdem hat es einen ganz eigenen Charme, dem man verfällt und wir verlassen das Gelände mit einem etwas melancholischen Herz, denn es hätte gern auch noch ein Tag mehr sein dürfen – zum Glück gibt es noch eine Nacht auf dem Campingplatz, um die Realität noch ein wenig länger zu vertreiben.

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