Understatement war gestern! Interview mit den 8kids

8kids aus Darmstadt haben innerhalb kürzester Zeit einen Raketenstart hingelegt. Nach Touren mit Van Holzen und To the Rats and Wolves tummelt sich die Post- Hardcore Band nun auf den großen Festivals der Republik. Wir hatten die Gelegenheit,  Hans und Jonas auf dem Highfield Festival zum Interview zu treffen.

 

Gringoz: Hallo, vielen Dank, dass ihr euch Zeit für das Interview genommen habt. Stellt euch doch erstmal vor

Hans: Hallo, ich bin Hans von den 8kids und spiele Gitarre und mache die Clean Vocals.

Jonas: Hallo, ich bin Jonas und ich schreie hauptsächlich.

 

Gringoz: Ihr habt ja schon einige große Festivals diesen Sommer gespielt, With Full Force, Hurricane, jetzt hier auf dem Highfield. Wie fühlt es sich an, zu den Größten in Europa zu gehören?

Jonas: Das ist natürlich eine riesige Ehre für uns, und das Highfield besonders für mich, weil das das erste Festival war, auf das ich selbst als Fan gefahren bin. Es ist natürlich schön, dass uns ein paar Leute doch nicht so schlecht finden.

Hans: Du bist der Meister des Understatements! Es ist natürlich mega geil! Wir sind auch dankbar, dass das so schnell bei uns geht, da wir ja erst seit zwei, drei Jahren live unterwegs sind.

 

Gringoz: Sind alle nett zu euch im Backstage?

Hans: Joah, bis auf die Donots, die haben uns vorhin den Backstageraum geklaut! *lacht* Nein, wir mussten nur unsere Garderobe für sie räumen.

 

Gringoz: Ihr spielt jetzt die ganz großen Bühnen, aber auch noch die ganz kleinen. Wenn es in ein paar Jahren nur noch die großen wären, würdet ihr was vermissen oder wäre das total cool mit euch?

Hans: Understatement hin oder her- ich fände das geil! Ich glaube, davon träumt doch jeder Musiker insgeheim. Jede Band, die viel unterwegs ist und große Festivals bestreitet, will irgendwann nicht mehr nachmittags um Eins sondern abends um Zwölf spielen, darauf arbeitet man hin. Alles andere wäre gelogen.

Jonas: Das stimmt schon alles, aber ich genieße auch kleine Clubshows, bei denen es total voll ist, weil das Feeling dort nochmal ein ganz anderes ist. Man kann nicht leugnen, dass man immer größere Events spielen will, aber wenn das Kleine so ganz wegfallen würde… das wäre schon komisch.

 

Gringoz: In eurem Song „Kann mich jemand hören“ geht es um Depressionen und deren Folgen. Denkt ihr, es ist an der Zeit endlich offener mit dem Thema umzugehen?

Hans: Ich habe gemerkt, dass sich da in den letzten fünf, sechs Jahren schon gewaltig was getan hat und das auch mittlerweile als Krankheit anerkannt ist. Auch die Scheu zu verlieren und sich Hilfe zu suchen, sollte man betroffen sein. Wenn einem das Knie weh tut, geht man ja auch zum Orthopäden. Zu erkennen, dass man Hilfe von einem Profi braucht ist ja auch bei psychischen Erkrankungen keine Schande. Diese Entwicklung finde ich sehr positiv.

Gringoz: Welcher Song der letzten Platte ist so euer Herzenssong?

Jonas: Zeit bedeutet uns allen wohl am Meisten. Da steckt so viel Herzblut drin, gerade auch von Hans, so viele Emotionen… Ja, Zeit it is.

Hans: Seit ich den Song geschrieben habe, sind schon ein paar Jahre vergangen und ich habe jetzt natürlich einen anderen Bezug dazu als damals. Grade, wenn man ihn oft live spielt und seitdem viele Dinge geschehen sind, fühlt man diese Initialzündung nicht mehr unbedingt. Ich habe mich ja auch weiterentwickelt. Aber auf diesen Song bekommen wir auch die meiste Resonanz.

Jonas: Klar gibt es Momente auf der Bühne, in denen man mit genau demselben Gefühl an den Song rangeht, aber das ist dann halt auch mit dem letzten Ton des Stücks wieder vorbei. Und das ist auch schön und gut so. Mal eine drei Minuten Depression ist schon okay *lacht*.

 

Gringoz: Wie habt ihr euch musikalisch seit der EP bis hin zum Album weiterentwickelt? Kommt bald schon was Neues?

Hans: Kreativ gesehen sind für uns EP und Album ein Prozess gewesen, es war auch ein Songpool. In letzter Zeit haben wir viele neue Songs geschrieben. Wir waren auch schon im Studio und haben ein bisschen was aufgenommen. Es wird wieder einiges im klassischen 8kids Sound geben, aber es gibt auch Entwicklungen in andere Richtungen. Im Herbst wird man auf jeden Fall was Neues von uns hören und sehen.

 

Gringoz: Kommt auch eine Tour?

Hans: Erstmal nicht, da ich ja bald Vater werde. Daher steht jetzt zunächst entspannte Studioarbeit auf dem Plan. Eine Tour wird es erst nächstes Jahr geben.

 

Gringoz: Schreibt ihr eure Songs im Studio oder geht ihr mit fertigen Stücken aus dem Proberaum rein?

Jonas: Wir sind gar keine Proberaumband. Das Meiste bereitet Hans am Rechner vor und wir nehmen das als Ausgangspunkt und entwickeln es weiter. Mit Kohle [Anm.d.R.: Kristian Kohlmannslehner], unserem Produzenten, der heute auch Bass gespielt hat, passiert dann natürlich auch nochmal viel im Studio. Also halb Studio und halb vorbereitet trifft es ganz gut.

Hans: es ist auch ganz angenehm mit halbfertigen Sachen ins Studio zu gehen und dort zu finalisieren, anstatt jeden Song zehnmal umzuschmeißen. Es ist wichtig, den Moment festzuhalten.

Jonas: Auch Texte im Studio fertigzuschreiben ist super. Wenn noch was fehlt, wird das dann einfach gemacht, im Vorfeld diskutiert man unter Umständen monatelang jedes Wort aus und dann im Studio geht es doch ganz schnell und passt dann auch.

 

Gringoz: bekommt ihr dann auch noch viel Input von eurem Produzenten, oder lasst ihr euch gar nicht reinreden?

Hans: Textlich lassen wir uns gar nicht reinreden. Ansonsten ist er eigentlich mehr Bandmitglied denn Produzent und einer unserer besten Freunde. Wenn seine Ideen dem Song zuträglich sind, werden sie genommen und ansonsten halt nicht. Das ist aber Dasselbe, als würden es Jonas oder Emma oder ich sagen.

 

Gringoz: Apropos Emma. Ihr habt ja eine Frau in der Band und das ist in dem musikalischen Dunstkreis, in dem ihr euch bewegt, nicht die Regel. Gibt es da Probleme in der Szene oder wird sie anders behandelt?

Hans: Zum Glück passiert das gar nicht, wir haben das auch noch nie mitbekommen. Allerdings halten wir uns auch nur auf Festivals auf, bei denen das gar kein Thema ist. Da wird sie ganz normal wie alle anderen MusikerInnen behandelt. Aber Emma ist auch noch DJ und da hat sie mir erzählt, ist das schon anders. Da kommt schon mal der Veranstalter und glaubt, ihr das DJ Pult erklären zu müssen.

Jonas: Eine kleine Sonderbehandlung bekommt sie schon, nämlich beim Ein- und Ausladen. Da hält sie sich ganz dezent immer raus *lacht*.

 

Gringoz: Mit welchem Künstler würdet ihr gerne mal ein feature machen und einen eurer Songs auf der Bühne performen?

Hans: Meine absoluten Götter sind ja The National, auch wenn das musikalisch wohl nicht zusammenpassen würde. Aber sollten wir jemals auf demselben Festival spielen, werde ich der absolute Fanboy sein. Ich habe sie schon drei, viermal gesehen und jedes Mal geweint und ich glaube, wenn Matt Berninger vor mir stünde, würde ich in Tränen ausbrechen.

Jonas: Hans und ich hatten letzte Woche einen unserer größten Fanmomente, wir haben nämlich die Terrorgruppe getroffen! Würde jetzt auch nicht sooo passen, aber wäre schon geil.

 

Gringoz: Vielen Dank für eure Zeit und alles Gute, wir werden euch weiter beobachten!

8kids: Danke, hat Spaß gemacht!

 

Das Interview wurde geführt von Désirée Pezzetta

Fotocredits: Kevin Randy Höfer.

 

About The Author

Eine Italienerin in Franken. Popkulturelle Geisteswissenschaftlerin. Geht jährlich auf über 100 Konzerte von David Hasselhoff bis Heaven Shall Burn. Mag Katzen, Pasta und Weinschorle. All time favourite Band: Bonaparte

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