Bereit, die Welt zu erobern – The Glorious Sons im Interview

The Glorious Sons aus Kanada sind eine Band, die wir in Deutschland noch nicht so sehr auf dem Schirm haben. Dabei sind die Jungs im Rest der Welt äußerst erfolgreich. Welttourneen, Radiohits und ein Opener Slot für die Rolling Stones sprechen für sich. Wir hatten die Möglichkeit, die Emmons Brüder zu einem Interview zu treffen.

 

Gringoz: Hallo, vielen Dank, dass ihr euch Zeit für uns nehmt. Wie geht es euch?

Brett und Jay: Uns geht es super, der Auftritt gerade lief toll und wir sind entspannt. Und selbst?

 

Gringoz: Danke, wir fanden den Gig auch hervorragend. Stellt euch doch erstmal vor.

Brett: Hi, ich bin Brett und ich singe bei The Glorious Sons. Das ist mein Bruder Jay, er spielt Gitarre!

Jay: Ich spiele Gitarre!

Brett: Ich spreche immer für ihn *lacht*

 

Gringoz: Ihr habt gerade wieder angefangen auf Tour zu gehen und euer Zeitplan ist ganz schön eng. Europa, USA, Australien. Seid ihr bereit, die Welt zu erobern?

Brett: Wir kommen gerade aus Australien zurück und werden erst im Juli verschnaufen können, nach fünf Monaten on the road. Wir sind natürlich jederzeit bereit, die Welt zu erobern, sonst wären wir nicht in diesem Business. An manchen Orten sind wir erfolgreicher, als woanders, aber generell läuft es sehr gut für uns, auch wenn es noch noch ein weiter Weg vor uns liegt.

 

Gringoz: Und ihr steht ja noch am Anfang! Wie fühlt es sich an, dass ihr in ein paar Tagen für die Rolling Stones eröffnen werdet?

Jay: Das ist ein ziemlich großes Ding für uns. Wir sind mit der Musik der Stones aufgewachsen, das sind Idole. Unsere Mutter ist riesen Stones und Mick Jagger Fan und die Musik der Stones ist Teil unseres Familienerbes. Mutter hat uns immer erzählt, wie sie in den 80ern auf deren Konzerte gegangen ist und jetzt, 40 Jahre später, kommt unsere ganze Familie und unsere Freunde nach Frankreich und sieht uns zu, wie wir in Marseilles für die Stones eröffnen. Das ist für uns alle total surreal, aber auch die Chance unseres Lebens.

Brett: Ich möchte nicht sagen, dass das schon unser Zenit ist, aber das ist schon eine Sache, die man als Familie für immer in Erinnerung behält. Das waren ja Götter, als wir aufwuchsen.

Gringoz: und sind sie immer noch!

Brett: Ja! Das wird episch.

Jay: Das kann man auf unseren Grabstein schreiben!

Brett: Nein, sag das nicht, das klingt total bescheuert. Eines Tages werden die Stones für uns eröffnen *lacht*.

 

Gringoz: Wenn ihr einen Song mit den Rolling Stones performen könntet, welcher wäre das?

Brett: Wild horses, das ist einer unserer Lieblingssongs. Jay hatte mal eine Freundin, die Angie hieß und hat immer diesen Song gesungen, also lieber nicht Angie.

Jay: Aber ich kann den verdammt gut singen!

 

Gringoz: Was ist der große Unterschied zwischen Touren in Europa und Übersee?

Jay: Offensichtlich gibt es sprachliche und kulturelle Barrieren. Man muss die kleinen aber feinen Unterschiede im Alltag neu lernen, jedes Mal, wenn man in ein neues Land kommt. Letzte Nacht sind wir betrunken an einem Bahnhof bei Bremen gestrandet und es hat uns zwei Stunden gekostet um rauszufinden, wie man ein Taxi ruft, weil mein Telefon nicht funktioniert hat.

Brett: Unsere Kreditkarte hat auch nicht funktioniert.

Jay: Da lernt man erstmal zu schätzen, wenn etwas daheim funktioniert. Alles sieht so gleich aus, ist aber eben nicht Dasselbe. Wenn man sich nicht gut vorbereitet ist man aufgeschmissen, sobald man aus seiner kleinen Blase wie dem Tourbus oder der Venue raustritt. Das muss man alles lernen. Aber hey, das gestern war echt lustig und mein Highlight bislang. Ich bin trotzdem froh, dass wir es nach Hause geschafft haben *lacht*

 

Gringoz: Lasst uns mal über eure Musik sprechen. Zwischen eurem letzten Album The Union und dem neuen Album Young beauties and fools.

Brett: Wir hatten so eine Art Identitätskrise und mussten erstmal rausfinden, wohin wir als Band wollen. Wir wollten auf keinen Fall nochmal dasselbe Album machen. Wir waren so viel auf Tour, dass sich unser Songwriting total verändert hat und wir einen Weg finden mussten, das in unsere Musik zu implementieren, um das Album fertig zu machen. Dann haben wir zu Beginn auch keinen Produzenten gefunden und all das zusammen hat den Prozess etwas verlangsamt.

Jay: Wir glauben ja auch an uns und haben uns eventuell etwas zu viel Zeit gelassen, als der internationale Durchbruch mit The Union kam.  Es gibt also eine Reihe von Gründen. Aber im Nachhinein würden wir trotzdem nichts anders machen, sonst wäre das Album nicht so geworden, wie es jetzt ist. Man muss immer zur rechten Zeit am rechten Ort sein. Und Young beauties and fools hat uns wirklich eine Menge Türen geöffnet.

Brett: Ich möchte auch nicht arrogant klingen, aber wir haben versucht ein perfektes Album zu machen. Klar hätten wir einfach zehn Songs zusammenschmeißen können, locker, aber wir wussten, dass diese zehn Songs uns nicht repräsentieren würden, also haben wir uns die Zeit genommen und lange herumgebastelt, um aus der Fülle an Material das Beste rauszuholen.

 

Gringoz: Der Entstehungsprozess des Albums war ein bisschen anders, als vorher. Ich habe gelesen, ihr habt das Album sehr schnell aufgenommen?

Brett: Die Leute glauben, dass wir 15 Songs in 17 Tagen geschrieben und aufgenommen haben, aber das stimmt so nicht ganz. Wir hatten über 250 Songfragmente, die in den letzten drei Jahren entstanden sind und die wir durchgegangen sind. Wir haben nicht mehr so viel gejammt, weil wir konstant auf Tour waren und einfach nur müde, als wir nach Hause kamen. Also habe ich viel Akustisches geschrieben. Mit Hilfe unserer Produzenten Fred, Tom und Ryan haben wir dann gefiltert und die Songs komplettiert. Ohne unsere Produzenten wäre das Album nie zustande gekommen und wir hätten niemals diesen internationalen Erfolg gehabt. Deswegen erwähne ich sie immer explizit in jedem Interview. Sie haben sofort den Wert meines persönlichen und philosophischen Stils erkannt und auch, wie ich meine persönlichen Erfahrungen darin verarbeitet habe. Dann sagten sie: wir wollen genau diese Songs haben!

Jay: Sie erlaubten Brett seine rauen Emotionen rauszulassen und epische Songs draus zu machen und haben ihn ermutigt, noch tiefer zu gehen. Das hatten wir in der Vergangenheit nicht.

Brett: Ja, das haben sie. Und sie haben uns auch geholfen, unsere Musik moderner zu machen, welche Instrumente und welche Produktion wir benutzen sollten und so. Das sind L.A. Popproduzenten, die auf einmal mit einer Rock n Roll Band arbeiten. Wir wollten wie eine Rockband im Jahre 2018 klingen und nicht wie eine 1977er Band. Sie waren wirklich wie Bandmitglieder, eine wundervolle Erfahrung.

 

Gringoz: Wenn man 250 Songs hat, dann braucht man schon jemanden, der einem bei der Auswahl hilft, oder?

Jay: Naja, da waren eben auch viele Fragmente dabei.

Brett: Wenn man Musik schreibt, denkt man am nächsten Tag, das ist der beste Song ever, aber nach ein paar Monaten hat man 20 solcher Songs und man verliert die Magie des Anfangs. Da muss man sich richtig durchfuchsen.

 

Gringoz: das ist ja eine sehr persönliche Platte, Brett, fällt es dir nicht schwer, dich so verletzlich vor einem großen Publikum zu präsentieren?

Jay: Brett war immer wie ein offenes Buch und er hat die meisten texte geschrieben. Er war schon immer sehr expressiv und für ihn ist es sehr natürlich, sehr viel von sich zu erzählen- und auch für sein Umfeld

Brett: Ja, weil ich soooo viel rede! Wenn wir zwei jetzt den ganzen Tag zusammen verbringen würden, wüsstest du am Ende wahrscheinlich 15 Dinge über mich, die du gar nicht wissen hättest wollen. Ich bin eine sehr offene Person. Vielleicht erzähle ich einfach zu viel über mich und das ärgert mich auch. Ich habe quasi 150 beste Freunde *lacht*.

 

Gringoz: The Union war schon eine große Nummer, daher finde ich es sehr mutig, dass ihr mit der neuen Platte moderne Wege geht. Hattet ihr gar keine Angst, dass ihr damit auf die Nase fallt?

Jay: Wir sind ja nicht doof! Wir wussten zwar nicht, wie der Sound ausfallen nicht und wir dachten uns, die Fans werden es mögen. Klar, wenn man ein paar verliert, dann ist das halt so, aber wir hätten nicht nochmal dasselbe Album machen wollen. Und dann wären wir garantiert auch nicht heute hier.

Brett: Ich möchte nicht dieselben Songs wie mit 18 schreiben. Klar hatten wir ein wenig Angst, aber letztendlich waren wir so happy und zufrieden mit dem, Album, dass es uns echt egal war. Alle unsere Freunde sagten uns: „Ihr müsst härter werden!“ Und ich dachte mir: „Ihr habt gar keine Ahnung, was ich muss und was ich will.“ Ich schreibe meine Musik, die zu den Leuten sprechen wird.

 

Gringoz:  Und ihr hattet recht, dieses Album ist noch erfolgreicher, als der Vorgänger. Damit habt ihr den Juno Award gewonnen, vorher wart ihr nur nominiert. Und acht Singles in den Radio Top Ten in Kanada!

Jay: Wir hatten seit dem ersten Tag einen unglaublichen Support vom Radio, trotz aller musikalischen Wechsel.

 

Gringoz: Die Popkultur lehrt uns ja auch, dass es nicht mehr eine laute Revolution sein muss, sondern auch leise Töne Erfolg haben. Weil unsere Eltern ihre Revolution mit so viel Krach gemacht haben. Jetzt geht es eher in die tiefgründige und emotionale Richtung.

Jay: Ja, auf jeden Fall!

Brett: Ich denke, es gibt immer Raum für harte Rock n Roll Musik, und die Leute brauchen jemanden, der ihnen wütend vorausgeht, weil alle heute so verwirrt sind, es sind viel zu viele Informationen, die wir aufnehmen und keiner verarbeiten kann. Wir haben Führer, an die wir nicht glauben, ok, vielleicht nicht in Deutschland, aber für mich ist die Welt immer noch ein wütender Platz. Es sollte alles nicht so simpel sein. Es geht mehr um die Lyrics und darum, dass die Musik Menschen berührt, nicht alles darf so weichgespült sein. Ich mag Synth Pop, aber es gibt noch genug Raum für harte Musik.

Jay: diese „Bubblegum“ Musik vergessen die Leute doch nach 2 Minuten wieder.

 

Gringoz: Habt ihr jetzt euren Sound gefunden?

Jay: Wir entwickeln uns ständig weiter und werden bestimmt nicht nochmal dieselbe Platte machen.

Brett: Ja, wir werden weiter unsere Musik schreiben und hoffen, die Leute damit zu erreichen.

 

Gringoz: danke für das Interview und eure Zeit!

Brett und Jay: Danke dir, das war ein großartiges Interview!

 

Das Interview wurde geführt von Désirée Pezzetta

Fotocredits: Niici Photography

About The Author

Eine Italienerin in Franken. Popkulturelle Geisteswissenschaftlerin. Geht jährlich auf über 100 Konzerte von David Hasselhoff bis Heaven Shall Burn. Mag Katzen, Pasta und Weinschorle. All time favourite Band: Bonaparte

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