Mit Neil Young ins Cricket-Team – Interview mit Dan von The Wombats

The Wombats tummeln sich seit vielen Jahren in der Indieszene und haben dabei nichts von ihrem jugendlichen, englischen Charme eingebüßt, Auf ihrem neuen Album Beautiful People will ruin your life, das sie Anfang des Jahres veröffentlicht haben, gehen sie dennoch neue Wege. Weniger Synthies, mehr Gitarren. Wir hatten die Möglichkeit Dan, den Drummer der Band aus Liverpool, auf dem Highfield Festival persönlich zu treffen und einen kleinen Plausch mit ihm zu halten.

 

Gringoz: Hey Dan, schön, dass es geklappt hat! Wie geht es dir?

Dan: Hallo, mir geht es ausgezeichnet, ich war gerade noch Baden im See bei diesem wunderbaren Wetter und habe jetzt Bock, die Show zu spielen!

 

Gringoz: Das klingt fantastisch! Ihr seid ziemlich viel unterwegs dieser Tage. Ein paar Festivals habt ihr schon hinter euch, die USA und Kanada Tour steht an und dann natürlich die letzte Show in Australien. Macht das Reisen immer noch so viel Spaß, wie am Anfang?

Dan:  Ja, auf jeden Fall! Klar ist der Zeitplan manchmal echt stressig, aber das wird alles durch das Publikum ausgeglichen. Ein gutes Publikum macht alles so viel leichter und erträglicher, selbst wenn man nur zwei Stunden geschlafen hat. Gerade wenn wir ein neues Album fertig haben, wollen wir wirklich raus und es live vor möglichst vielen Leuten präsentieren. Das erweckt in unseren Augen das Album erst so richtig zum Leben. Wir machen immer Späße und bezeichnen uns als Straßenköter. Man muss schon der Typ dafür sein, ständig auf Tour zu gehen und so lange von Freunden und Familie getrennt zu sein. Glücklicherweise sind wir das alle. Also von mir aus kann es so weitergehen.

 

Gringoz: Bekommst du einen Lagerkoller, wenn du zu lange an einem Ort bist?

Dan: Absolut. Am Schlimmsten ist es in den ersten zwei Wochen nach der Tour.  Man ist so daran gewöhnt, dass immer irgendwas passiert und dann fällt das auf einmal weg. Zuhause muss man sich dann wieder mehr für alles motivieren, bevor man zurück zur Normalität findet. Aber dann genieße ich es auch, einfach mal auf der Couch zu sitzen und Serien zu schauen, zu kochen oder ins Studio zu gehen und da die Sau rauszulassen- auf eine andere Art eben. Trotzdem, gerade gegen Ende der Studiozeit bekommt man so einen richtigen Lagerkoller und will einfach nur noch raus und die Songs den Leuten präsentieren, die sie noch nicht gehört haben. Man macht sich dann auch Gedanken und die ganzen kleinen Details, die außer uns wahrscheinlich eh keiner hört, und fängt dann an, Dinge ändern zu wollen. Hier noch ein fill in, da noch eine neue Linie drüber… aber sobald man auf Tour ist, ist das alles vergessen und man hat nur noch Spaß.

 

Gringoz: Gibt es einen Ort, an dem ihr noch nicht gespielt habt, wo du aber wirklich gerne auftreten würdest?

Dan: Afrika, definitiv. Da haben wir nie gespielt. Diesen Herbst hätten wir die Möglichkeit gehabt, in Südafrika aufzutreten, aber da sind wir gerade mitten in der USA Tour. Dann wären mir außerdem noch Asien und Südamerika ein Anliegen.

 

Gringoz: Findest du, die Konzertkultur hat sich in den letzten Jahren verändert?

Dan: Hm, eigentlich habe ich davon nicht so viel mitbekommen. Früher durfte man noch in den Clubs rauchen und man hat nach einem Gig richtig eklig gestunken. Die Klamotten und die Haare- bah! Das ist schon mal ein sehr positiver Wandel. Ich denke, die Smartphone Kultur hat ihren Zenit erreicht, in letzter Zeit sehe ich immer weniger Leute, die im Publikum filmen. Es gab eine Zeit, da sah man in den ersten Reihen nur Smartphones, mittlerweile fangen die Leute an zu begreifen, dass es keinen Sinn macht, durch ein Display zu schauen, wenn man live vor Ort ist. Manchmal ist es für uns schon cool, Live-Videos aus der Menge zu sehen, weil wir auf der Bühne ja nicht alle Reaktionen mitbekommen. Abgesehen davon ist bei unseren Shows alles gleichgeblieben. Die Leute tanzen und singen und moshen und feiern. Also alles cool!

 

Gringoz: Welchen Song würdest du gerne covern, den ihr noch nicht gecovert habt.

Dan: Hm… Ich bin großer Neil Young Fan…

Gringoz: Oh, dann Old Man?

Dan: Joah, Old Man oder sogar Heart of Gold. Eine Down Version davon mit Cello und verträumten Gitarren.

 

Gringoz: hast du einen peinlichen Lieblingssong?

Dan: Nö, ich finde musikalisch nichts peinlich. Wenn ich Spaß zu der Musik habe und es ist zufällig ein cheesy Popsong, dann ist das absolut okay. Ich mag zum Beispiel auch Radiohead total gerne. Generell Musik, die mich in eine andere Gedankenwelt entführt. Ernsthaft, du kannst jeden weichgespülten Popsong einlegen und ich würde ihn wahrscheinlich mögen *lacht*

 

Gringoz: In einem eurer Songs heißt es: Bring back 1996 – was würdest du gerne aus 1996 zurückhaben?

Dan: Da war ich so elf, zwölf Jahre alt… Im Sommer Cricket spielen in der Schule. Das war so um diesen Dreh rum. Ich war im Cricket Team und das war eine meiner Lieblingsbeschäftigungen. Jetzt habe ich dafür leider keine Zeit mehr.

 

Gringoz: Kannst du mir was über die Spotify Sessions erzählen, die ihr gemacht habt?

Dan: Spotify hat uns gefragt, ob wir ein paar Songs in einem Londoner Studio aufnehmen wollen und wir dachten, das würde Spaß machen. Sie haben dann nach einem Cover gefragt und wir haben uns für Turn von St. Vincent entschieden. Wir haben das vorher mal im amerikanischen Radio gespielt und wollten sowieso gerne eine anständige Aufnahme von unserer Version haben. Wir lieben diesen Song einfach, die Lyrics und die Musik… wir haben es dann in so einer Nick Cave’esken Version eingespielt. Wir haben es dann im Rak Studio in London aufgenommen, wo wir 2007 auch für Kill the Director waren. Das war cool, so eine Art Flashback. In dem Studio haben halt auch schon die Pixies oder Paul Mc Cartney aufgenommen. Da ist so viel Geschichte in diesen Räumen. Das war schon echt cool, dort aufzunehmen. Wir waren circa sieben Stunden dort und haben Turn quasi live aufgenommen und haben noch ein paar andere Sachen hinzugefügt. Wir waren ziemlich schnell und es war ein echt schöner Tag.

 

Gringoz: Die letzte Platte klingt ja doch ein bisschen anders, als die Vorgängeralben. Mehr Gitarren, weniger Synthies… ist das jetzt euer neuer, erwachsener Stil?

Dan: Wir haben uns nie vor Änderungen verschlossen und diesmal war der Ausgangspunkt gitarrenbasierte Drums und wir haben etwas gefunden, das sich gut damit angefühlt hat. Mehr Gitarren ist etwas, das wir alle gerne wollen und was wir auch weiterführen wollen. Aber, um ehrlich zu sein, wenn wir dann anfangen neue Sachen aufzunehmen, kann es schon sein, dass die ersten paar Songs voll grungy werden und den Rest dann doch eher anders. Es ist fast ein bisschen wie ADS- die Einflüsse können sich tagtäglich ändern. Sei es durch einen Film, den man gesehen hat, oder ein Stück, das man gehört hat und dann möchte man das gerne ausprobieren. Es ist also schwer zu sagen, ob das unser neuer Sound ist, aber es werden auf jeden Fall mehr rockige Gitarren dabei sein.

 

Gringoz: was ist dein Lieblingssong im aktuellen Set?

Dan: Wir haben die Setlist für heute noch nicht fertig, aber der letzte Song des aktuellen Albums I dont know why I like you, but I do ist einer meiner Lieblingssongs auf Platte und auch live. Es ist zu Anfang ein bisschen verträumt, wechselt dann aber in so ein Led Zeppelin Riff. Für mich als Drummer ist auch das Spiel zwischen dem Schlagzeug und der Bassgitarre was Tolles.

 

Gringoz: werdet ihr heute Jump into the Fog spielen?

Dan: Ich denke schon- jetzt definitiv!

[Anmerkung der Redaktion: Haben sie nicht!]

 

Gringoz: Ihr seid schon so lange im Geschäft und dabei so unfassbar erfolgreich. Was ist euer Geheimnis? Habt ihr eure Seele an den Teufel verkauft?

Dan: *lacht* Ich glaube nicht an den Teufel. Wir sind einfach von Beginn an Freunde geblieben. Andere Bands schaffen das nicht nach den ersten Alben, aber bei uns läuft es ganz gut. Es ist schon hart immer zusammen zu sein und wenn Persönlichkeiten aufeinandertreffen, die gar nicht miteinander klarkommen, dann funktioniert das nur sehr schwer. Also das ist auf jeden Fall ein Punkt und auch, dass uns unsere Musik immer noch glücklich macht. Einfach rausgehen, touren, Spaß haben und Shows machen, zu denen die Leute gerne gehen und auch abfeiern können.

 

Gringoz: Vielen Dank für das tolle Interview!

Dan: Danke euch und alles Gute!

 

Das Interview wurde geführt von Désirée Pezzetta

Fotocredits: Kevin Randy Höfer

About The Author

Eine Italienerin in Franken. Popkulturelle Geisteswissenschaftlerin. Geht jährlich auf über 100 Konzerte von David Hasselhoff bis Heaven Shall Burn. Mag Katzen, Pasta und Weinschorle. All time favourite Band: Bonaparte

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