Juicy Beats 2018 – Es ging heiß her

Die brüllende Sommerhitze mag nicht unbedingt das beste Festivalwetter sein, doch beim Juicy Beats in Dortmund machen auch 38 Grad und kaum Schatten die Festivalstimmung nicht kaputt.
Kein Wunder, denn das Line-Up dieses Jahr kann sich sehen lassen, unter anderem sind Kraftklub, Von Wegen Lisbeth, SXTN und die 257ers dabei. Verteilt auf zwei Tage findet man im ganzen Westfalenpark verschiedene Bühnen, auf denen die unterschiedlichsten Bands, DJs und Poetry Slammer auftreten.

Freitag Mittag geht es los und es gibt direkt die ersten schlechten Nachrichten: Die Indie-Band Gurr und der Hip-Hop-Sänger Yung Hurn müssen krankheitsbedingt ihre Auftritte absagen, wodurch es auf zwei Bühnen erst später losgeht. Auf der Mainstage geht es dann mit Von Wegen Lisbeth los. Die Band aus Berlin überzeugt mit alltagsnahen Texten, die zum Beispiel von exzessiver Social Media Nutzung oder der Freude über Freigetränke handeln. Die Bühne ist sommerlich geschmückt und erinnert an einen Urwald, überall hängen Blätter und Plastikbäume stehen auf der Bühne verteilt. Die fast unerträgliche Hitze hält niemanden davon ab, fröhlich zu tanzen und mitzusingen. Auf dem ganzen Platz vor der Bühne laufen Festivalbesucher und Crewmitglieder herum, die mit Wasser in Sprühflaschen für extra Abkühlung sorgen. Songs wie Bitch oder Wenn Du Tanzt fehlen nicht auf der Setlist und sogar einen neuen Song dürfen wir hören. Danach geht es weiter mit SXTN, die einen ziemlich großen Kontrast zu Von Wegen Lisbeth darstellen. Die kontroversen Texte des Hip-Hop-Duos sind sicher teilweise fragwürdig, aber auch mit Ironie zu betrachten. Mitsingen können jedenfalls alle, egal ob bei Von Party zu Party oder Hass Frau. Selbst das ein oder andere Circlepit ist zu sehen und mit ein paar sehr großen Wasserpistolen sorgt die Band zumindest in den ersten Reihen für Erfrischung. Nach dem energiegeladenen Set von SXTN geht es mit einem Highlight weiter. Bevor Kraftklub die Bühne betreten, wird diese von einem roten Vorhang mit dem Albumtitel Keine Nacht für Niemand verdeckt. Wenige Minuten vor Beginn des Sets füllt roter Rauch die Luft, dann fällt der Vorhang und Kraftklub beginnen ihren Auftritt mit Hallo Nacht. Über anderthalb Stunden bieten sie einen grandiosen Auftritt. Die Setlist ist eine ausgewogene Mischung aus älteren Songs wie Randale oder Kein Liebeslied, aber auch Songs vom neuen Album, wie Fenster und Chemie Chemie Ya. Bei Randale setzt sich ganz ohne Anweisungen der Band das Publikum hin, um dann aufzuspringen und allen Müll, der auf dem Boden liegt, in die Luft zu werfen. Auch ein Crowdsurfwettbewerb der Bandmitglieder darf natürlich nicht fehlen, Bassist Till Brummer gewinnt mit klarem Abstand. Noch besser wird der Auftritt durch die Tänzerinnen, die fast die ganze Zeit die Bühne füllen. Nachdem alle mindestens ein Mal im Moshpit waren und ordentlich Staub eingeatmet haben, ist der Abend dann auch schon vorbei.

Am Samstag geht es los mit Querbeat. Das vierzehnköpfige Ensemble mit zwölf Blasinstrumenten spielt auf einer Bühne neben einem künstlichen Strand. Aufblasbare Palmen und Flamingos werden über das Publikum getragen, die Stimmung ist sommerlich. Die Kölner Karnevalsmusiker scheinen Spaß zu haben, jedoch sorgen technische Probleme nach nur wenigen Songs dafür, dass man weiter hinten im Publikum fast nichts mehr hört. Echt schade, denn das Ensemble macht seinen Job wirklich gut. Anschließend geht es in eine ganz andere Richtung. Mitten auf einer Wiese, unter einer Trauerweide und neben einem kleinen Teich, finden Poetry Slams statt. Als erster Slammer tritt Tobi Katze auf. Sein Text handelt davon, wie das Leben im Alter langweiliger wird und Kniffelabende der neue Höhepunkt im Leben werden. Etwas unpassend bei dem jungen Publikum, aber dennoch ein guter Text. Dann geht es weiter zu einer anderen kleinen Bühne neben einem riesigen See. Die Dortmunder Folk-Band Walking On Rivers versetzt uns gedanklich in die Natur, weit weg vom Festivalgetrubel. Etwas eintönig ist die Musik, jedoch passt dies zum Genre und hilft beim Entspannen und Abschalten. Abwechslungsreich geht es weiter bei der Mainstage. Die Indie-Band Editors erinnert musikalisch an The Killers und spielt zum ersten mal beim Juicy Beats. Hitsongs wie Munich oder Ocean of Night dürfen bei ihrem Set nicht fehlen, jedoch wirkt das Publikum nicht unbedingt überzeugt. Besser wird die Stimmung bei dem deutschen Rapper Kontra K. Mitsingen kann jeder, bei jedem Song wird getanzt und die Arme bleiben bei jedem Lied in der Luft. Es fängt an in Strömen zu regnen und während ein Teil der Zuschauer ins Trockene flieht, singt der Rapper ironischerweise „immer der Sonne hingegen, auf der Flucht vor dem Regen“. Im Anschluss geht es weiter mit den lange erwarteten Headlinern, den 257ers. Zum ersten Mal spielt das Duo aus Essen einen Headline-Slot bei einem großen Festival und das Publikum wird absolut nicht enttäuscht. Wer bei dem Regen vorher nicht nass genug geworden ist, kann dies bei einer Schaumparty nachholen. Auch für Freibier ist gesorgt, die beiden halten einen mit Bier gefüllten Kanister mit einem langen Schlauch ins Publikum, worüber die ersten Reihen sich sicher freuen. Ein 90er Jahre Mashup, bei dem die Band einen Moshpit-Wettbewerb veranstaltet, bringt die Fans zum Schwitzen. Als dann ein Stück Holz auf die Bühne geholt wird, weiß jeder, dass jetzt laut mitgesungen werden muss. Auch über ein neues Album wird gesprochen, dies sei angeblich schon fertig. Nach einem 75-minütigen Set mit Sings wie Holland und Ti Amo bedankt sich das Duo beim Publikum, wobei Journeys Don’t Stop Believing im Hintergrund läuft. Somit ist der Abend auch schon vorbei und es geht zufrieden nach Hause.

Insgesamt war das Juicy Beats ein voller Erfolg. Es ist definitiv für jeden Geschmack etwas dabei und der Westfalenpark ist ein wunderschöner Veranstaltungsort. Nur das Wetter hat nicht mitgespielt, ein paar Grad weniger hätten gut getan, jedoch wurde definitiv das beste gegeben, um es wenigstens ein bisschen erträglicher zu machen.

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