Amywald im Interview

Amy Wald

Manche mögen sie vielleicht schon durch die Jennifer Rostock Fan Aktion kennen mit der sie, gemeinsam mit Maria Gräbitz (Instagram: @mariawayne_), sogar einen Weltrekord geknackt hat: die meisten je gesammelten Fangrüße. Insgesamt waren es 4.380. Aber sie ist nicht nur Fan, sondern auch eine fabelhaft talentierte und engagierte Musikerin, die ihren Traum verfolgt. Job gekündigt, Gitarre eingepackt und einfach raus in die Welt. Zwei Wochen Straßenmusiktour, zehn Gastgeber, in Köln, Essen, München, Nürnberg, Frankfurt und Stuttgart. Platz 1 in den österreichischen Schlagercharts, stets wachsende Aufrufe, Cover-Uploads und Reaction Videos auf YouTube zu ihrem Musikvideo „Liebesleben“. Und es geht noch weiter. In ihrer kurzen Studio-“Pause“ an dem wohl schönsten Ort in Salzburg, durfte ich Ihr am Mittwoch, letzte Woche ein paar Fragen zu ihrer Straßenmusiktour stellen:

Gringoz: Hallo Amy, freut mich, dass es geklappt hat während deiner Tour. Wie geht es dir denn gerade?

Amy: Jetzt gerade geht’s mir mega gut. Ich sitze nämlich am See und lass die Füße ein bisschen baumeln. Ich habe gemerkt, so nach der Straßenmusiktour, ich brauch kurz ne Zeit um mich auf Presse und sowas zu konzentrieren. Bin auch bis jetzt kaum dazu gekommen. Bin jetzt erstmal dabei Instagram und E-Mail Nachrichten zu beantworten, was wirklich viele sind, ohne das ich groß was gemacht habe. Wenn man das alles in Eigenregie macht, bleibt Vieles halt liegen. Pressetexte schreiben, das brauch alles Zeit und es ist auch schwierig sich selbst zu vermarkten. Ich muss halt hingehen und sagen, „hey spielt mich, ich habe was drauf“. Da muss man schauen, dass es nicht irgendwie amateurmäßig oder blöd rüberkommt.

Gringoz: Aber bisher funktioniert das ja schon ziemlich gut. Ich mein die Platz 1 in den Schlagercharts sprechen wohl für sich.

Amy: (lacht) Ja Schlagercharts, ich werde jetzt auch meine Musikrichtung ändern, weil ich merke ich habe in der Schlagerbranche eine Chance.

Gringoz: Aber wie kam es denn zu den Schlagercharts? Wirklich Schlager ist es ja nicht.

Amy: Ja eben, es ist quasi passiert, die ersten paar Tage nach Veröffentlichung. Im Englischen war es halt unter German Pop eingetragen und übersetzt war es dann halt Schlager obwohl deutschsprachiger Pop damit gemeint war. Aber nachdem wir es geändert hatten, zählten die ganzen ersten Pre-Sales halt schon dazu und so waren wir die erste Woche Platz eins in den österreichischen Schlagercharts. Jetzt kann ich sagen ich war vor Helene Fischer in den Schlagercharts.

Gringoz: Das muss man erstmal schaffen.

Amy: (lacht) Vielleicht wäre meine Oma dann ja noch ein bisschen stolzer, wenn ich sagen kann: Hey Oma, ich war vor Helene Fischer in den Schlagercharts auf Platz 1.

Gringoz: Wie bist du denn eigentlich zur Musik gekommen und seit wann spielst du?

Amy: Ich habe mir Gitarre spielen beigebracht als ich 16 war. Ich habe nämlich ein Auslandssemester gemacht in England, und bin dort für 7 Monate in eine öffentliche Highschool und hab so das typische Highschool Programm durch gemacht was man so aus den amerikanischen Filmen kennt, mit den einzelnen Gruppen und den Spinden in den Fluren. Was cool war man konnte sich die Fächer aussuchen, also habe ich mich da dann schon eher für künstlerische Sachen entschieden und habe da auch viel mit Theater gemacht.

Gringoz: Aus welcher Schulrichtung kamst du denn ursprünglich?

Amy: Also meine Schule war vorher auf Naturwissenschaften spezialisiert, was aber gar nichts für mich war. Ich hatte viel Mathe, Physik, Biologie, Chemie und sowas. Hab aber halt gemerkt, dass das nicht meins ist. Bin dann ja nach England und habe dort dann meine anderen Fächer gewählt. Irgendwann hab ich dann auf dem Dachboden meiner Gastfamilie eine alte Gitarre gefunden. Habe der Gitarre neue Saiten aufgezogen und mir dann dort in jeder freien Minute Gitarre spielen beigebracht. Und dann in Österreich hab ich halt weiter Gitarre gespielt –

Gringoz: Immer noch oben auf dem Dach.

Amy: (lacht) Ja ganz genau. Hab als ich zurück bin, auch schnell gemerkt, dass ich keine Lust hab nach der Schule studieren zu gehen und vor allem nicht im Bereich Naturwissenschaft. Hab meine Schule aber noch erfolgreich abgeschlossen, was für mich sehr wichtig war, um mit dem Kapitel auch einfach abzuschließen. Während des letzten Jahres an der Schule hab ich dann auch die Band Amywald gegründet. Was bis vor einem Jahr halt auch noch ein Bandprojekt war. Das ganze war natürlich weniger zur Freude meiner Eltern, als ich gesagt hab okay, ich such mir jetzt nen Job und mach dann Musik. Aber ich habs durchgezogen, hab alles selbst gemacht, war einfach interessiert, hab mir alles beigebracht, hab mich nicht nur dafür interessiert wie es ist auf der Bühne zu stehen, sondern auch fürs Songwriting. Wie entsteht ein Song, wie hört sich was an, wie kann man was spielen, wie funktioniert der Song wenn man ihn jetzt so und so spielt, wie klingt es wenn man es so aufnimmt. Mich hat halt alles um dieses ganze Business herum interessiert. So hab ich dann angefangen Bookings für uns, also Konzerte zu organisieren, hab rechtlich alles abgeklärt, Songs bei Verwertungsgesellschaften angemeldet, Lizenzen geklärt, mich mit Finanzen und Marketing auseinandergesetzt…

Gringoz: Weißt du denn schon wann und wie es weiter geht?

Amy: Am Wochenende geht’s erstmal nach Wien, worauf ich mich super freue, denn da hab ich so auch noch nie Straßenmusik gemacht obwohl es schon fast meine zweite Heimat ist. Und je nachdem wie schnell wir im Studio vorankommen, dann wollen wir nächste Woche definitiv erstmal nach Leipzig und Dresden, ich nähere mich dann halt langsam Berlin. Mit neuen Energien schaffen wir es dann Anfang August hoffentlich auch dahin.

Gringoz: Kamst du eigentlich schon dazu vor deiner Familie mal zu spielen?

Amy: Ja beim letzten Konzert in Salzburg war sogar fast meine ganze Familie. Da waren auch meine Eltern, das war super schön. Aber sonst sind sie dem ja eh ständig ausgesetzt und ich glaube sie sind manchmal auch genervt, wenn ich meine Gitarre auspacke.

Gringoz: Und wie ist das vor allem mit deiner Oma? Besonders mit „Liebesleben“?

Amy: Ja, bei ihr ist es halt so, also bei der Liebesleben-Oma, so nenne ich sie jetzt mal. Die wohnt halt auch vier Stunden entfernt, die sehe ich auch sehr selten, deshalb hab ich mit dem Thema halt auch abgeschlossen, weil ich dachte die wird es nicht erfahren so. Sie ist über 90, seit über 70 Jahren verheiratet mit meinem Opa. Die beiden sind halt so ein super Dreamteam. Ich sehe die zwei super selten, sie haben beide kein Internet, außer wenn der Song im Fernsehen läuft, würden die davon halt nichts mitbekommen. Finds auch wahnsinnig schön, und ein großer Schritt von meinem Dad, dass er quasi sagt ich oute jetzt meine Tochter bei meiner Mutter, obwohl ich halt weiß dass sie konservativ ist. Aber, ja ich muss unbedingt schauen, wie sie reagiert, wenn ich das nächste Mal bei ihr bin, ob sie das Thema schon versucht hat zu vergessen oder ob sie das halt wirklich so versteht. Aber ich würde ihr den Song natürlich auch vorspielen, das wäre mir eine Ehre.

Gringoz: Weißt du, wie lange die Tour noch geht?

Amy: Also ich werde wahrscheinlich noch bis Ende August in Deutschland unterwegs sein. Dann spiele ich noch ein Konzert in Salzburg. Im September dann sogar noch ne kleine Clubtour in Deutschland und super gerne würde ich noch zwei Stopps in der Schweiz machen. Also höchstwahrscheinlich noch bis Oktober unterwegs.

Gringoz: Worauf freust du dich immer am meisten?

Amy: Also am Allergeilsten finde ich immer den Moment, wenn ich ’nen Standpunkt ausmache und sage: 18 Uhr spiel ich in der Fußgängerzone. Komme um 18 Uhr dahin, setz mich auf’n Boden mit meiner Gitarre und seh von links und rechts die Leute herkommen. Das ist so wahnsinnig zu sehen, dass es halt wirklich funktioniert, dass die Leute wirklich wahrnehmen was ich sage und was ich versuche zu verbreiten und teilweise Leute dabei sind, die einfach ein zwei Stunden angereist sind oder warten in der Stadt. Ich finds auch einfach super schön, dass sich jetzt schon Freunde gefunden haben. Einfach durch dieses auf dem Boden-Sitzen. Ich mach jetzt halt auch immer ne kleine Vorstellungsrunde, dass jeder seinen Namen mal sagt, kurz sagt wo er her kommt, was er arbeitet so, wie so ne Selbsthilfegruppe quasi. Aber dadurch sind halt viele Freundschaften entstanden, die sich danach auch nochmal getroffen haben, von Leuten die halt aus derselben Stadt sind und dadurch jetzt auch einfach eine Gemeinsamkeit haben. Sie kommen ins Reden, tauschen Nummern und Instagramnamen aus. Und das find ich einfach wunderschön. Im Endeffekt soll Musik halt auch einfach nur verbinden und das passiert hier auch, auch mit der Straßenmusik Tour, dass ich bei den Leuten schlafe und wir uns gegenseitig unsere Geschichten erzählen. Halt einfach eine Verbindung zu den Leuten aufzubauen. Dadurch bekomme ich auch diese Chance was zurück zugeben. Um zu zeigen, dass es mich halt auch wirklich gibt, dass man mit mir reden kann und dass ich auch einfach sehe, wer hinter den ganzen Instagram Namen steckt und was für Geschichten da wirklich hinter stecken.

Gringoz: Bist du bei irgendwas total überrascht worden oder hattest du Angst am Anfang von der Tour vor irgendwas?

Amy: Eigentlich nicht. Ich hatte anfangs bisschen Respekt halt vor der ganzen Tour. Aber jetzt gar nicht, wenn’s darum ging bei fremden Menschen zu schlafen, sondern eher davor, dass mir das halt alles zu viel und zu schnell wird und ich das alles abbrechen müsste. Deshalb hab ich auch lange überlegt ob ich diese Studiopause machen soll oder nicht, was letztendlich wahnsinnig wichtig war. Aber meine größte Angst war halt, dass ich mir zu viel vorgenommen habe, aber es hat halt alles funktioniert. Ich wusste nicht was da auf mich zukommt. Ich wusste nicht, ob da überhaupt Leute sind in den Städten, ich wusste nicht ob ich überhaupt halt nen Schlafplatz bekomme, ob ich mich alleine oder einsam fühlen werde und ich hatte echt in den letzten zwei Wochen keinen einzigen Moment in dem ich mich alleine gefühlt hab, obwohl ich unter fremden Menschen war. Ich glaub spätestens am zweiten Tag war die ganze Angst einfach weg. Hatte auch einfach viel Spontanes, die Leute kommen auch zu mir und fragen so hey haben gesehen du hast ne Gitarre komm wir setzten uns dahin. Es hat halt viel auch damit zu tun offen zu sein und mit einem offenen Blick durch die Stadt zu laufen, weil man viel zu schnell die Augen schließt und gar nicht sieht wer eigentlich potentieller Wegbegleiter wäre. Darum geht es einfach, aufmerksam zu sein und wie man die Welt wahrnimmt.

Gringoz: Wenn dir nichts und niemand mehr Steine in den Weg legen würde und du alles machen könntest worauf du Bock hast- was würdest du in 5 Jahren machen?

Amy: Ich würde alle Songs die ich irgendwie schreibe sofort im Studio aufnehmen, mit Leuten zusammen arbeiten die Bock haben das zu machen, ein Team um mich herum von Keine-Profis, einfach Leute die Bock haben und die mit Herzblut dabei sind also quasi ein Team aus Freunden, so ne kleine Familie, so ne AmyWald Familie. Ich würde so viele Konzerte spielen wie nur möglich und einfach weiter versuchen meine Geschichte zu erzählen, also im Endeffekt möchte ich nichts weiter als Geschichten zu erzählen und erzählt zu bekommen und einfach den Leuten was zurückgeben. Wo ich in 5 Jahren bin, weiß ich noch nicht. Ich will einfach Reisen und ein bisschen Liebe verteilen.

Die Songs von Amy sind so wie sie selbst, gefühlsecht, ehrlich und direkt. Sie setzt sich in ihren Songs mit ihren Emotionen  auseinander und bringt ihre Mitmenschen damit Bewegung. Sie reist von Ort zu Ort und trifft sich dort mit den Leuten für ein Straßenkonzert in der Fußgängerzone. Schaut euch ihren Instagram Account an @amywaldamy und kommt vorbei wenn sie auch in eurer Stadt ist. Ihr aktuelles Musikvideo zu Liebesleben könnt ihr euch hier ansehen:

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