Jera On Air 2018 – Kleines Festival mit großem Potenzial

Die Sonne scheint, das Bier schmeckt und Crowdsurfer werden mit einem Lächeln und einem Schulterklopfer empfangen. Wir befinden uns in den Niederlanden, im kleinen Dörfchen Ysselsteyn beim Jera On Air. Bereits zum sechsundzwanzigsten Mal findet das Festival nahe der deutschen Grenze statt. Das Line-Up gemischt aus Punk, Rock, Hardcore und Metalcore mit Bands wie NOFX, Billy Talent, Enter Shikari, Stick To Your Guns und Sick Of It All kann sich absolut sehen lassen und bringt Menschen aus allen Teilen der Welt in die Niederlande. Aus den USA, Australien, Südamerika, Russland, Skandinavien und vielen anderen Orten kamen Leute angereist, berichtet das Festival kurz vor Beginn in einer Rundmail. Außerdem ist das Festival zum ersten Mal ausverkauft, ein großartiger Meilenstein.

Am Donnerstag geht es dann mit großer Vorfreude los auf den Parkplatz und von dort mit dem Shuttlebus zum Campingplatz und Festivalgelände. Bei den Shuttlebussen gibt es definitiv Ausbaubedarf, denn zwei Busse reichen nicht für die Menschenmenge, die mit ihrem ganzen Gepäck in der prallen Sonne warten muss. Trotz der Wartezeit bleibt die Stimmung gut, das erste Bier wird getrunken und bald können die Zelte aufgebaut werden. Der Campingplatz kann sich sehen lassen, flache Wiese ohne nervige Löcher, ein Teil ist sogar ein Fußballfeld und somit absoluter Luxus. Nur an Duschen dürfte es mehr geben, denn bei fast 30 Grad kann eine Dusche nicht schaden und nur 20 Duschen, die für nur vier Stunden am Tag geöffnet sind, sind zu wenig. Die Zelte stehen schnell und es kann losgehen aufs Festivalgelände. Das nächste Manko fällt auf, es gibt keine Pfandbecher, sondern einfache Plastikbecher, die bereits nach kurzer Zeit den ganzen Boden bedecken. Auch die Preise sind verbesserungswürdig, eine Wertmarke kostet 2,50€ und eine Portion Pommes kostet zwei Wertmarken, somit zahlt man eben Mal fünf Euro für eine Portion Pommes. Abgesehen davon ist die Auswahl an Essen und Getränken super und gerade für unseren veganen und vegetarischen Freunde gibt es mehr als genug. Außerdem fällt sofort auf, dass die Bühnen sich nicht direkt unter freiem Himmel befinden, sondern in Zelten aufgebaut sind. Wer an diesem Abend schon Lust auf Musik hat, kann sich ein paar kleinere Bands oder DJs anschauen.

Für alle anderen geht es am Freitag früh los. Bereits um halb eins betreten Any Given Day die Mainstage und verlangen ein aktives Publikum. Circle Pits und Moshpits sind direkt am Start. Bereits nach wenigen Songs sind alle ausgepowert und als die Band ankündigt, der letzte Song sei für Crowdsurfer gemacht, geben noch einmal alle ihr Bestes. Die ohnehin sehr freundlichen Securities empfangen die Crowdsurfer vor der Bühne mit einem Lächeln und machen einen super Job. Nach Any Given Day spielen nur noch Powerbands. Knocked Loose, Touché Amoré, Frank Carter & The Rattlesnakes, Neck Deep und Anti Flag folgen auf den beiden großen Bühnen. Das Gute: Man kann keine Band verpassen, denn da die Bühnen zu dicht beieinander stehen werden sie nie gleichzeitig belegt und man hat genug Zeit um von einer Bühne zur anderen zu laufen. Gerade Frank Carter kann auf der Mainstage überzeugen und die Fans starten ein Circlepit von der Bühne bis ans andere Ende des Zeltes. Am Abend fragen Sick Of It All das Publikum, ob sie nicht nochmal so viel Energie zeigen könnten, doch ein so großes Circlepit schaffen sie nicht noch einmal. Vielleicht spielt die Luft in dem Zelt eine Rolle, denn durch den viel zu trockenen Boden befindet sich viel Dreck in der Luft, der das Atmen erschwert.  Außerdem scheinen alle Energie für die vorletzte Band am Abend, Enter Shikari, zu sparen. Bereits eine halbe Stunde bevor die Engländer die Bühne betreten, füllt sich das Zelt gut. Dann kommt die vierköpfige Band auf die Bühne und beginnt mit The Sights ihr Set. Die Dynamik und Atmosphäre sind einfach unschlagbar und das Publikum tanzt und singt mit. Egal ob Sänger Rou seinen Mikrofonständer über die gesamte Bühne wirft oder die Band ein Quickfire Medley mit vier Songs in acht Minuten spielt, die Stimmung ist euphorisch und scheint von Song zu Song besser zu werden. Schade ist nur, dass nach zwölf Songs und 50 Minuten bereits Schluss ist. Für die vorletzte Band auf der Mainstage hätte man sich etwas mehr Zeit gewünscht. Nach Enter Shikari spielen Billy Talent auf der Mainstage. Das Zelt ist kleiner als einige Hallen, in denen sie normalerweise spielen und wirkt im Vergleich dazu schon fast klein. Die Kanadier liefern eine großartige Show ab und spielen neben Songs vom letzten Album, Afraid Of Heights (2016), auch Raritäten wie Worker Bees. Für drei Lieder betritt auch der Originalschlagzeuger Aaron Solowoniuk, der eigentlich aufgrund seiner Erkrankung an Multipler Sklerose durch Jordan Hastings ersetzt wird, die Bühne und spielt das Schlagzeug. Auch ein Gastauftritt von Anti-Flag-Mitglied Chris Barker ist Teil des Sets. Trotz all der Extras scheint das Publikum eher weniger begeistert. Viele scheinen hauptsächlich die Hits zu kennen, die Begeisterung hält sich in Grenzen, obwohl die Band eine klasse Show abliefert.

Auch am Samstag geht es wieder früh los. Arson verwandeln das Bühnenbild in ein Wohnzimmer, das Pit jedoch sieht nach Party aus. Obwohl nur wenige Leute vor der Bühne stehen, scheinen Arson zumindest die zu begeistern. Nach Arson dürfen wir uns auf Pop-Punk aus Blackpool freuen. Boston Manor haben gerade ein neues Album angekündigt und die erste Single des neuen Albums rausgebracht, jetzt dürfen wir sie live beim Jera On Air sehen. Das Zelt ist ordentlich gefüllt. Kein Wunder, denn das Quintett hat in den letzten Monaten immer mehr an Bekanntheit gewonnen, unter anderem durch Nominierungen bei den Kerrang Awards und einen Auftritt auf der Mainstage beim Download Festival. Trotz ihres kurzen Sets geben sie alles und Sänger Henry Cox kommt auf der Bühne so richtig aus sich heraus. Gerade der letzte Song, Halo, die erste Single des neuen Albums, hat es in sich und obwohl der Song erst vor wenigen Wochen veröffentlicht wurde, können fast alle Fans mitsingen. Über den Tag verteilt können wir uns noch andere großartige Bands wie Adept, Blood Youth und die einzige mit Frauen besetzte Band, Bad Cop/Bad Cop, ansehen. Abends folgen dann wahre Größen, Being As An Ocean, Underoath, Less Than Jake, Stick To Your Guns und NOFX lassen den Festivalbesuchern fast keine Zeit zum Luft holen. Gerade Being As An Ocean überzeugen mit einem sehr emotionalen Set, bei dem der Sänger mehr als einmal ins Publikum kommt und jeder einzelne Fan die Texte mitschreit. Auch Stick To Your Guns enttäuschen nicht und bis weit vor dem Zelteingang stehen Menschen, um ihr Set anzugucken. Sänger Jesse Barnett wird zwischendurch nostalgisch und erinnert sich, wie seine Mutter ihm früher verboten hatte, seine Lieblings-CD zu hören. Da sei es bereits zu spät gewesen, sagt er und weiter geht es mit der Show. Beendet wird das Festival mit feinstem Punk-Rock von NOFX.

Für 2019 tragen wir uns das Jera On Air schon mal in den Kalender ein, denn abgesehen von wenigen Kleinigkeiten ist es ein absolut gelungenes Festival. Für nächstes Jahr wünschen wir uns nur angenehmeres Wetter und Pfandbecher

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