Odelay is a word – Beck im Stadtpark Hamburg, 08.06.2018

1993: Ein blonder, schlacksiger Junge singt der gebeutelten Generation X aus dem Herzen: „I’m a loser baby, so why don’t you kill me?“ Das war Beck Hansen. Zuerst als One Hit Wonder belächelt, gelingt ihm 1996 mit Odelay ein Meilenstein der neueren Musikgeschichte. Grammys lügen nicht. Nach diesem popkulturellen Erfolg, der Beck als ernstzunehmenden Künstler etabliert, folgen zahlreiche Full length Alben, die jedoch nicht an den kommerziellen und medialen Erfolg des Debüts Mellow Gold und des bereits angesprochenen Odelay anknüpfen können.

25 Jahre nach Loser steht Beck heute auf der charmanten Freilichtbühne im Hamburger Stadtpark. Es ist noch hell, als er vor die Menge tritt. Schwarzer Anzug, gelbe Gitarre, buntes Hemd, Sonnenbrille und Hut- spindeldürr wie eh und je und auch das Haupthaar ist nicht weniger geworden- als hätte er sich direkt aus den 90ern hergebeamt. Beck verliert nicht viel Zeit und legt direkt mit Devil‘s Haircut los. Das überwiegend ältere Publikum (Trendfarbe eindeutig: grau)  ist zunächst hanseatisch zurückhaltend, taut aber schnell auf. Beck ist nicht nur in Spiellaune, sondern auch überraschend kommunikativ. Nach fast jedem Song schreit er „Odelay!“ was, wie im Becktionary nachzulesen ist, durchaus ein valides Wort ist. Er wird nicht müde zu betonen, wie sehr er sich freut, wieder in Hamburg zu sein und dass er so viele Songs zu performen hat, weil ja so viel passiert sei in über zwei Jahrzehnten. Die Sonne findet er auch klasse, das sei das kalifornische Wetter, das habe er mitgebracht. „It’s gonna be a long, hot, dirty summer!“. Lang ist auch die insgesamt 21 Titel umfassende Setlist, am Ende werden es zwei Stunden sein, die Beck sich auf der Bühne vergnügt. Der Multiinstrumentalist und seine siebenköpfige Band wirken sehr eingespielt und grooven nicht nur bei den Hits wie New Pollution, Gamma Ray oder Up All Night, sondern auch beim gelungenen und anrührenden Prince Cover Raspberry Beret- auch wenn das Publikum leider nicht textsicher genug ist, die Hook alleine zu singen.

Erwartungsgemäß erreicht die Stimmung bei Loser ihren Höhepunkt- da wippt nun aber wirklich jeder mit. Beck bemüht sich redlich den ganzen Abend, die Hamburger aus der Reserve zu locken, was nur partiell gelingt. An der musikalischen Leistung liegt das nicht, eher am doch gesetzten Alter der Konzertbesucher und deren Feierkultur.

Musikliebhaber kommen heute jedoch voll auf ihre Kosten und die Anderen sind halt, naja,  (wegen) Loser (da).

 

Setlist:

  1. Devil’s haircut
  2. Black Tambourine
  3. New Pollution
  4. Guero
  5. Wow
  6. Mixed Bizness
  7. Up All Night
  8. Think I’m In Love
  9. Gamma Ray
  10. Go It Alone
  11. Soul of a Man
  12. Debra
  13. Say Goodbye
  14. Heart Is A Drum
  15. Blue Moon
  16. Dreams
  17. Girl
  18. Loser
  19. Colors
  20. E-Pro
  21. Where It’s at (encore)

 

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Eine Italienerin in Franken. Popkulturelle Geisteswissenschaftlerin. Geht jährlich auf über 100 Konzerte von David Hasselhoff bis Heaven Shall Burn. Mag Katzen, Pasta und Weinschorle. All time favourite Band: Bonaparte

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