A wonderful evening with Nathan Gray, Berlin, Heimathafen Neukölln, 24 Mai 2018

concert of Nathan Gray at Heimathafen Neukölln, Berlin (2018)

A wonderful evening with Nathan Gray, Berlin, Heimathafen Neukölln, 24 Mai 2018

Heute findet im Heimathafen Neukölln ein ganz besonderes Konzert statt: Nathan Gray, der Sänger von Boysetsfire ist mit seiner Soloshow erneut in Deutschland und macht dabei Halt in Berlin. Während ihn Anfang des Jahres keine Mitmusiker begleitet haben, wird er auf dem zweiten Teil der Tour unterstützt von der Cellistin Isabelle und dem Gitarristen/Keyboarder Ben. Wer bereits auf einem der sehr intimen Konzerte des ersten Tourabschnitts im Februar 2018 war weiß, dass ein höchst mitreißender und emotionaler Abend bevorsteht.

Die Venue ist heute bestuhlt und schon einige Minuten nach Einlass sind die ersten Reihen belegt. Um 21 Uhr ist der Saal dann fast vollständig gefüllt.

Bevor das eigentliche Konzert beginnt, tritt Nathan, nur mit seinem Buch in der Hand und der Lesebrille auf der Nase, die Bühne. Er beginnt augenblicklich einen direkten Dialog mit dem Publikum und liest ausgewählte Passagen aus „Until the darkness takes us“ vor. Gewohnt offen und charismatisch erläutert er sein geschriebenes Wort. Es geht um Selbstfindung, die Überwindung eigener Grenzen, den Mut, Missstände jeglicher Art anzusprechen und immer wieder den ernstgemeinten Rat, sich Hilfe bei Freunden oder anderen Leidensgenossen zu suchen, wenn man an einer schier ausweglosen Situation zu verzweifeln droht.

Nach diesem bewegenden Auftakt gönnt uns Nathan noch ein paar Minuten, um das eben Gehörte zu verarbeiten, bis er, nun mit seiner kleinen Liveband, abermals vor das Publikum im Heimathafen tritt.
Die Anwesenden, noch sichtlich ergriffen, lauschen aufmerksam und respektvoll den vielen Songs des Abends, die immer wieder durch weitere Erlebnisse aus Nathans bewegtem Leben erläutert werden.

Neben Boysetsfire Klassikern wie „Fall from grace“ oder „Walk astray“ liegt der Fokus aber natürlich auf den Stücken des Nathan Gray Soloprojektes. Zusammen mit ihm machen wir Bekanntschaft mit seinen Dämonen und begleiten ihn auf der Reise, diese zu überwinden. Der wohl am schwersten zu verdauende Song ist „Echoes“, der von sexuellem Missbrauch handelt. Im Gegensatz zum Februar-Konzert in Nürnberg, wo ihm die Stimme bricht, performt Nathan das Stück diesmal souverän und mit erhobenem Haupt. Ganz stark und definitiv DER Gänsehautmoment des Abends. Aber auch die anderen Darbietungen strotzen vor Emotionen: „Away with ghosts“, „dark fire“ oder „Burn away“ , sind nur einige nennenswerte Songs, die wir heute hören dürfen. Die Kombination mit Gitarre, Keyboard und Cello sowie Backgroundgesang ist mehr als stimmig und eine ausgezeichnete Bereicherung des Live Sets. Es gibt wohl niemanden im Saal, der sich nicht in der einen oder anderen Ausführung des Protagonisten wiederfindet. Neben all dem Leid und den dunklen Erinnerungen, die Nathan Gray mit uns teilt, steht dennoch immer der ernstgemeinte Appell, dass alles gut werden kann, wenn man sich selbst zugesteht Hilfe zu suchen und sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Das strahlt auch er selbst aus, sieht er doch wesentlich gesünder und mit sich zufriedener aus, als noch im Februar. Nathan ist im Reinen mit sich und will vielleicht gerade deshalb anderen helfen, die noch einen weiten Weg vor sich haben. Die Atmosphäre ist friedlich, aufgeschlossen, positiv- fast freundschaftlich. Die Barriere zwischen Künstler und Publikum ist komplett aufgehoben.

Das Konzert endet mit „Alone“, aber das war an diesem Abend niemand, und wird es auch in Zukunft nicht sein.

Solltest du oder jemand, den du kennst, Opfer sexueller Gewalt (geworden)sein, kannst du dich anonym und kostenlos an Wildwasser e.V. wenden:
https://www.wildwasser.de/

Solltest du oder jemand, den du kennst, unter Depressionen oder anderen psychischen Belastungen leiden, kontaktiere bitte umgehend die Telefonseelsorge www.telefonseelsorge.de . Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhältst du Hilfe von Beratern, die schon in vielen Fällen Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen konnten.

Fotocredits: Adina Scharfenberg
Text: Desiree Pezzetta

Fotos: Adina Scharfenberg

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Eine Italienerin in Franken. Popkulturelle Geisteswissenschaftlerin. Geht jährlich auf über 100 Konzerte von David Hasselhoff bis Heaven Shall Burn. Mag Katzen, Pasta und Weinschorle. All time favourite Band: Bonaparte

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