Yungblud ist für die Gen Z das, was My Chemical Romance für die Gen X war. Der Brite, der vor allem seit seinem zweiten Album „Weird“ stark an Popularität dazugewonnen hat, trifft mit seiner Musik den Nerv einer ganzen Generation von missverstandenen Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Passend zum Beginn des Pride Months wurde gemeinsam mit ihm am 04.06.2022 im Kölner Palladium die Individualität in all ihren Farben gefeiert.

Eröffnet wurde der Abend von Boy Bleach. Die Londoner haben erst dieses Jahr ihre Debüt EP „or are you normal?“ veröffentlicht, spielen aber bereits wie die ganz Großen und reißen das Publikum mit sich. Neben eigenen Songs wurde zum aufheizen der Stimmung noch ein Rock-Cover von Britney Spears‘ „Toxic“ eingeworfen und im Publikum wurde spätestens da der*die Letzte auch mitgerissen. Die großen Bühnenmoves waren auch bereits perfekt einstudiert und funktionierten einwandfrei – für mich nur eine Frage der Zeit bis die Band selbst vor ausverkauften Hallen stehen wird.

Zeit für den Main-Act

Gegen 21 Uhr wurde die Stimmung dann elektrisierend. Die Aufregung in den vorderen Reihen stieg merklich, schließlich war die Bühne von einem schwarzen Vorhang verdeckt und man konnte nur erahnen was sich dahinter abspielte. Die ersten ohrenbetäubenden Schreie erklangen dann als das Licht gedimmt wurde, es dauert allerdings noch einen Moment bis die Lippen von Yungblud selbst via Beamer auf den Vorhang geworfen wurden. Kurz die Regeln erklärt (1. Abgehen, 2. Aufpassen, 3. Abgehen) und dann fing es auch schon an. Und direkt bei den ersten Tönen von „Strawberry Lipstick“ gab es im ganzen Palladium kein Halten mehr. Als dann noch Feuerstrahlen gen Decke schossen, waren alle für einen kurzen Moment geschockt, dann aber bereit das ganze Palladium abzufackeln (nur metaphorisch natürlich, keine Sorge, das Ding steht noch).

Textsicher waren in Köln auch alle. Spätestens zu „parents“ konnte sich Dominic Richard Harrison, wie Yungblud mit bürgerlichem Namen heißt, zurücklehnen und dem Publikum den Gesang überlassen.  Besagtes Zurücklehnen gab es für Yungblud aber einfach nicht: er sprang von Bühnenseite zu Bühnenseite, ins Publikum rein, auf das Schlagzeug drauf und zog im nächsten Moment schon wieder eine Person aus dem Publikum auf die Bühne. Ob dies nun ein kleiner Junge war, der die Bühnensau komplett rausließ und dafür vom Publikum zurecht gefeiert wurde, oder doch Menschen mit Pride Flaggen, die hier einen Ort hatten an dem sie ohne dafür missbilligt zu werden ihre Sexualität zeigen durften: jede*r war hier willkommen. Genau das was auch immer wieder in den Songs und Ansagen von Yungblud gesagt wird.

Die Setlist zog sich durch die beiden bereits veröffentlichten Alben von Yungblud, sowie durch seine EPs. Keiner der großen Hits und Fanfavoriten wurde außen vor gelassen, ebenso durften die neuesten Veröffentlichungen natürlich nicht fehlen. „The Funeral“ oder „Fleabag“ lassen schon große Hoffnungen auf das Drittwerk des Briten zu. Und auch die bekannte Kollabo mit Machine Gun Kelly, „I Think I’m Okay“, fand ihren Platz im Set.

After-Show Überraschung

Der 24-jährige griff auch selbst zur Gitarre um seine Band zu unterstützen, als er zwischenzeitlich sein Mikro verlor, war das natürlich auch kein Drama. Yungblud ist der geborene Performer und steht zurecht auf den großen Bühnen dieser Welt. Nach dem letzten Song „Loner“ war es dann auch noch nicht vorbei: draußen sollte es noch weitergehen. Die Verwirrung vor dem Palladium war unverkennbar, nach und nach begriffen aber alle, dass die Treppe vor dem Eingang zum E-Werk als Platz für das weitere Spektakel vorgesehen war. Hier war auch schon Security stationiert und alles abgesperrt. Bis es weiter ging hieß es aber erst einmal warten. Nach geschlagenen 60 Minuten ging die Tür vom E-Werk dann aber auf und Yungblud kam raus um mit denen, die es rechtzeitig zum geheimen Treffpunkt geschafft hatten, noch Fotos zu machen und Sachen zu unterschreiben. Eine wirklich schöne Idee um den Fans noch einmal die Möglichkeit zu geben ihr Idol zu treffen. Natürlich kamen hier nur die ersten paar Reihen in den Genuss, aber allen konnte man hier auch einfach nicht gerecht werden.

Das Schönste an diesem Abend war aber vor allem die Harmonie, Akzeptanz und Offenheit von allen Seiten: Die LGBTQIA+ Community wurde bunt vertreten, Individualität wurde groß geschrieben, die Outfits dürften wohl schon länger in Planung gewesen sein und eins ist klar: es konnten sich alle sehen lassen. Denn hier wurde jede*r so akzeptiert wie sie*er war. Und das ist wunderbar so, denn selten habe ich so eine Einigkeit bei einem Konzert erlebt.

Yungblud veröffentlicht am 02.09.2022 sein drittes Studioalbum „Yungblud“. Vorbestellen und pre-saven könnt ihr es hier. Einen kleinen Vorgeschmack zum Album gibt es in Zusammenarbeit mit Willow.

Fotocredits: Nicola Drilling

Nicola
Nicola

Die Indie-Ansprechpartnerin eures Vertrauens, häufiger auf Konzerten als in der Uni zu finden, besteht zu 90% aus Tee, meistens mit Kopfhörern in den Ohren, professionelle 1. Reihe Sprinterin.

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