„For the first time in our career, we truly put it all out there. We went into this with no rules and no preconceived notions of what Silverstein is or what it could be. The results are bold. We somehow wrote the heaviest, saddest, catchiest, and most emotional songs in 22 years of being a band … all on the same album.“

Mit diesen Worten hat die kanadische Post-Hardcore-Band Silverstein ihr 10. Studioalbum „Misery Made Me“ angekündigt, welches nun am 6. Mai erscheint. Die Jungs aus Burlington, Ontario haben uns mit den beiden Songs „Bankrupt“ und „It’s Over“ schon letztes Jahr einen Vorgeschmack darauf gegeben, was uns erwartet. Im Februar kam die Single „Ultraviolet“ hinzu und seit Anfang April ist auch „Die Alone“ verfügbar.

Nach Erfolgsalben wie „Discovering The Waterfront“ (2003) und ihrem letzten im Jahr 2020 erschienenen Album „A Beautiful Place To Drown“ , ist Silverstein aus der weltweiten Hardcore-Szene nicht mehr wegzudenken. Sie nehmen mit ihren 22 Jahren Erfahrung allerdings eine Ausnahmestellung ein und sichern sich ihre Relevanz, indem sie keine Angst vor dem modernen Wandel zeigen. Beispielsweise begeisterten sie ihre Fans letztes Jahr mit digitalen Konzerten und Writing-Sessions auf Twitch, als Live-Konzerte nicht möglich waren. Mit „Misery Made Me“ wagen sie sich 2022 in eine Richtung, die wie der Titel bereits vermuten lässt, eher düsterer Natur ist.

„I wanted to explore the meaning of ‘Misery’ as a main theme throughout the album. Despite the mountains climbed and boulders pushed during recent years, we were confronted by the weight and misery of staying relatively in the same place for a long period of time. Finding peace in the reality of this misery became important. The record is about the acceptance of a new reality and adapting to it.“, fasst Sänger Shane Told die Thematik des Albums zusammen.

Doch hält das Album auch, was es verspricht? Dieser Frage wollen wir in folgender Review auf den Grund gehen.

Der hymnische Track „Our Song“ bildet den perfekten Opener für das Album und macht direkt Lust auf mehr. Beim Hören träumt man sich geradezu in den Moshpit und kann es kaum erwarten, den Song gemeinsam mit anderen Fans im Konzertsaal oder auf dem Festivalgelände zu grölen.
Zu den catchiesten Songs gehört wohl „Ultraviolet“ , der schon am Releasetag im Februar direkt ins Ohr ging und dafür sorgte, dass man den Albumrelease kaum noch erwarten konnte.

 

Mit „It’s Over“ folgt ein sehr emotionaler Song über die Spirale, die zum Aufgeben führt. Gitarrist Paul Marc Rousseau sagt dazu:

„This song is the spiral that leads to giving up. Those anxiety-packed hours when you can’t feel anything but the low, steady crescendo of panic that eventually gets so intense your fingertips lose sensation. It’s hopeless to feel but pointless to endure. I didn’t learn anything from feeling that way. I just wanted it to stop.“

Der zweigeteilte Track „The Altar / Mary“ ist der wohl außergewöhnlichste des Albums, mit dem sich Silverstein von einer völlig neuen Seite zeigen. Er besteht aus einem sehr harten und einem ruhigen, fast futuristisch klingendem Part, der an Bands wie STARSET erinnert.
Bei „Don’t Wait Up“ geht es ähnlich wie bei „Ultraviolet“ weiter mit herausragenden Gitarrenriffs. Begleitet werden diese durch eine markante Bassline von Bassist Bill Hamilton. Der Song kommt fast ohne Shouts aus und gibt Sänger Shane Told die Möglichkeit, sein auf jahrelange Erfahrung basierendes Talent mit cleanem Gesang unter Beweis zu stellen. Der bereits im April 2021 veröffentlichte, energetische Track „Bankrupt“ , hat bei den Fans Hunger nach Neuem entfacht und ist wohl einer der Songs, der mit seinen Breakdowns Live besonders viel Spaß machen dürfte.

Die Features auf dem Album dürften einige Fans erfreuen. „Die Alone“ ist ein recht harter, von Energie gefüllter Track, bei dem Silverstein wieder zu ihren Hardcore-Wurzeln zurückkehren. Unterstützt werden sie hier von niemand geringerem als Andrew Neufeld von Comeback Kid.

 

Trevor Daniel, der Ende 2019 seinen internationalen Durchbruch mit dem Song „Falling“ schaffte, leiht der Band für den Track „Cold Blood“ seine Stimme. Für „Slow Motion“ haben sich die Jungs Mike Hranica von The Devil Wears Prada ins Boot geholt. Zum Ende des Albums liefert der Song „Live Like This“ gemeinsam mit nothing,nowhere. den wohl düstersten Text. „I don’t want to die, but I can’t live like this.“, heißt es darin.

„I can find my peace in misery“. Mit der traurigen Ballade „Misery“ beenden Silverstein ihr 10. Studioalbum. Ein Song, der live für Gänsehaut, wenn nicht sogar für einige Tränen sorgen dürfte. Nach einer emotionalen Achterbahnfahrt machen wir unseren Frieden mit all den Ängsten, Fragen und dem Elend, was unser Leben mit sich bringt, fühlen uns dabei aber alles andere als alleine.

Fazit:

Silverstein trifft mit der düsteren Thematik von „Misery Made Me“ genau den Zeitgeist und bildet außerdem die Antwort der Band auf zeitlose menschliche Herausforderungen, wie Einsamkeit, Angst und Isolation. Das Album ist rund, macht Spaß und beinhaltet definitiv die „hard, sad, catchy and emotional songs“, die uns versprochen wurden. Selbst nach 22 Jahren und 10 Alben schafft es die Band weiterhin zu überzeugen und ihre Fans zu begeistern. Gleichzeitig scheuen sie sich nicht davor, neue Wege einzuschlagen und sich immer wieder neu zu erfinden.

Wer nach diesem Album Lust bekommen hat, Silverstein live zu erleben, hat dieses Jahr einige Möglichkeiten, genau dies zu tun. Im Anschluss an den Album-Release gehen sie auf ausgedehnte Europatour mit vielen Festival-Terminen und einigen winzigen Club-Shows, die in Windeseile ausverkauft sein sollten. Also beeilt euch besser!

SILVERSTEIN – Tourdates Sommer 2022
03.06. UK – Leeds – Slam Dunk Festival
04.06. UK – Hatfield – Slam Dunk Festival
07.06. DE – Augsburg – Kantine
08.06. HU – Budapest Park +Billy Talent
09.06. AT – Nickelsdorf – Nova Rock Festival
11.06. DE – Bremen – Tower
12.06. DK – Aarhus – Train +Beartooth
14.06. DE – Hannover – Musikzentrum +Beartooth
15.06. DE – Hamburg – Grünspan +Being As An Ocean + Sperling
17.06. DE – Bischofsmais – Rock the Hill Festival
18.06. DE – Mannheim – Delta Bash Festival
19.06. CH – Pratteln – Z7 Wild Dayz Festival
22.06. AT – Graz – Orpheum +Beartooth
23.06. DE – Nürnberg – Zbau +Beartooth
24.06. NL – Ysselsteyn – Jera On Air Festival
25.06. DE – Münster – Vainstream Festival
26.06. DE – Ferropolis – Full Force Festival

Annie
Annie

Misery Made Me

8.8

Sound

9.0/10

Konzept

9.0/10

Hörspass

8.0/10

Atmosphäre

9.0/10