Für die Familie Kummer aus Chemnitz ging es dieses Jahr in den etwas anderen Familienurlaub: auf Tour durch Deutschland und Österreich. Kraftklub Sänger Felix Kummer, der 2019 sein Solodebüt veröffentlichte, durfte endlich seine seit März 2020 regelmäßig verschobene Hallentour spielen und schnappte sich seine Schwestern Nina und Lotta, die gemeinsam mit Johann Bonitz die Formation Blond bilden, um gemeinsam loszuziehen. Wir haben die Vorweihnachtszeit mit der Show im Palladium Köln am 01.12.2021 eingeläutet.

Zugegeben, in Zeiten von täglich neuen Coronainzidenz Höchstwerten hat es sich wohl für die meisten im ersten Moment nicht ganz richtig angefühlt sich in eine Menschenmenge zu begeben. Sicherheit sollte in Köln ein 2G Plus System bringen, was auch vorbildlich von den Securities am Einlass kontrolliert wurde. In allen Wartebereichen, an der Garderobe und am Merchstand wurde zudem von fast allen Anwesenden Maske getragen und zumindest ein kleiner Abstand gewahrt, vor der Bühne selbst fielen die Masken dann aber doch schnell.

Jegliche Coronaängste waren bei den Zuschauern spätestens nach den ersten Sekunden des Blond Sets vergessen. Schnell bildeten sich erste Moshpits, man blickte in freudestrahlende Gesichter und der durchchoreographierte Auftritt des Trios kam gut an. Nachdem die Masse dann eine knappe halbe Stunde Zeit hatte um sich von diesem ersten Aufbäumen zu erholen, klang auch schon „Summertime Sadness“ von Lana Del Rey aus den Boxen und die Menge trat in den Chor ein. Die Lichter wurden gedimmt, eine kurze Videosequenz wurde auf den großen Würfel – bekannt aus dem „Alles Wird Gut“ Video – projiziert und schon ertönten die ersten Klänge von „9010“ und Felix Kummer stand auf der Bühne.

Der Bass fegte den ersten Reihen in den nächsten 90 Minuten erfolgreich das Gehör weg und auch die Lautstärke der Masse war atemberaubend. Die Energie im Raum war ekstatisch, für viele dürfte dieses Konzert das erste „richtige“ seit Pandemiebeginn gewesen sein. Zu hören bekam das Publikum einen Mix aus den Songs aus dem Kummer Album „Kiox“, Feature Parts wie etwa aus „36 Grad“ im Original mit Nura und Zugezogen Maskulin und auch einige Kraftklub Songs durften nicht fehlen. Natürlich nicht in der Originalversion, sondern neu gemischte Remixe, die den Songs den nötigen Kick gaben um auch als Soloperformance zu überzeugen. Einzig der Klassiker „500K“ blieb unverändert und wurde passend zum Tourabschluss zum Streiche spielen benutzt. Ehe man sich versah, betrat die Crew die Bühne während des Songs und warf mit 500K Scheinen um sich, wie man es von Kraftklub Konzerten kennt. Zugegeben, die Konfettikanonen die bei Kraftklub Shows zum Einsatz kommen, sind effektiver was die Flugweite der Scheine betrifft, aber immerhin die ersten 5 Reihen durften hier in den Genuss kommen ihr 500K Konto aufzustocken (und für alle anderen blieb auch nach der Show noch genügend im und um das Palladium zum selbst aufheben liegen).

Kummer ließ es sich zudem nicht nehmen Gäste zu sich auf die Bühne einzuladen: zu „Aber Nein“ gab LGoony sich die Ehre seinen Featurepart zu übernehmen, Nina und Lotta stiegen zu diesem Song auch erneut ein und gaben ein Cover von „WAP(Cardi B. feat. Megan Thee Stallion) zum Besten. Als besonderes Highlight an diesem Abend übernahm Blond Bassist Johann Bonitz den Featurepart von Fred Rabe im Nr.1 Hit „Alles Wird Gut“. Der Beginn der Vorweihnachtszeit hier an diesem ersten Dezemberabend wurde mit „Alle Jahre wieder“ eingeläutet. Klingt nach einem Weihnachtslied, wer allerdings einmal in den Songs reingehört hat, weiß es besser. Die erste Reihe sorgte hier dennoch mit Lichterketten für die passende Weihnachtsbeleuchtung. Beendet wurde der Abend (leider ohne Live Feature von Max Raabe) mit „Der Rest meines Lebens“, begleitet von etlichen Crowdsurfern und der ein oder anderen Träne im Publikum. War man doch gerade erst dem Corona Wahnsinn für ein paar Stunden entkommen, hieß es jetzt wieder zurück in die Realität.

Die Show im Palladium wurde zum unfreiwilligen, sehr kurzfristigen Tourabschluss. Sowieso, knapp die Hälfte der original 13 Termine der Kiox Tour 2021 konnten aufgrund der Coronalage nicht stattfinden und auch die kurz nach der Köln Show geplanten Termine in Berlin und Münster wurden abgesagt als die ersten Menschen bereits in der Schlange am Palladium standen. Allgemein war die Kiox Tour durchzogen von eher traurigen Punktlandungen: die Show in Wien beispielsweise endete knapp 1,5 Stunden vor Beginn des Lockdowns in Österreich.

Wer Felix Kummer noch vor dem Ende seiner Solokarriere nächsten Sommer live sehen möchte, hat dazu noch ein paar Chancen: neben den verschobenen Shows aus diesem Jahr, spielt Kummer zwei Konzerte in der Wuhlheide Berlin. Tickets könnt ihr hier kaufen.

Kummer live 2022:
11.08.2022 – Dresden – Junge Garde (ausverkauft)
08.09.2022 – Münster – Skaters Palace (ausverkauft)

09.09.2022 – Hannover – Swiss Life Hall
11.09.2022 – München – Zenith
13.09.2022 – Stuttgart – Porsche Arena
16.09.2022 – Berlin – Wuhlheide
17.09.2022 – Berlin – Wuhlheide (ausverkauft)

Fotocredits: Nicola Drilling

Nicola
Nicola

Die Indie-Ansprechpartnerin eures Vertrauens, häufiger auf Konzerten als in der Uni zu finden, besteht zu 90% aus Tee, meistens mit Kopfhörern in den Ohren, professionelle 1. Reihe Sprinterin.