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Review: Twenty One Pilots – Scaled and Icy

by Nicola

Das Warten hat ein Ende! Mit „Scaled and Icy“ erscheint heute am 21.05.21 bereits das sechste Studioalbum von twenty one pilots. Zuerst einmal vorab: Wer einen stilistischen Nachfolger zum Album „Trench“, „Blurryface“, oder „Vessel“ erwartet, der wird enttäuscht. „Scaled and Icy“ überzeugt mit seinem eigenen, neuen Stil. Ähnlich wie die Vorgängeralben passt das Farbschema jedoch wieder einmal perfekt zur Musik: der pink-blaue, positiv gestimmte 80‘s Style zieht sich durch die Songs. Dennoch lassen sich auch Einflüsse aus früheren Releases nicht leugnen, aber von vorne:

Opener des Albums ist der feel-good Song „Good Day“. Zugegeben, mit geschlossenen Augen ist dies einer der Songs, der auch ein Cover eines Beatles Songs sein könnte, ähnlich wie der später folgende Song „Mulberry Street“. Wie in jedem guten twenty one pilots Song darf die Ukulele natürlich nicht fehlen, vorherrschender Takt- und Melodiegeber ist aber das Klavier. Laut Sänger Tyler Joseph handelt der Song von einem Gedankenexperiment, genauer, wie es ihm ergehen würde, wenn er eines Tages seine Liebsten verlieren würde und spiegelt die erste Stufe von Trauer wider: Schock und Leugnung.

Anschließend folgt „Choker“, die zweite vorab veröffentlichte Single des Albums. Bereits Ende April konnten wir über diesen Release berichten. Teile des Songs erinnern stark an das „Regional at Best“ Album der Band.

Direkt gefolgt wird der Song von der ersten Veröffentlichung zum Album, „Shy Away“. Mein persönlicher Favorit des Albums. Besonders das Video ist sehenswert und fängt den (Farb-)Stil des Albums perfekt ein.

Zu Beginn des nächsten Songs „The Outside“ fragt man sich, ob man aus Versehen noch einen Song von Panic! At the Disco’s „Too weird to live, too rare to die” in der Warteschlange hatte, aber spätestens der starke Rap Part im dritten Teil des Songs belehrt einen eines Besseren. Wie der Songtext vorschlägt, lädt der Song zum gemeinsamen Kopfnicken ein.

Auch der nächste Track, „Saturday“, lädt zum Tanzen ein. Erst am Dienstag wurde dieser Song plötzlich und ganz ohne Promo veröffentlicht, inklusive Lyric Video. Der Song wurde gemeinsam mit Greg Kurstin produziert, der bereits mit Musikern wie Adele zusammengearbeitet hat. Wie Joseph selbst sagt, ist der Song nicht explizit ein Liebeslied, sondern eher eine Hommage an seine Familie, die ihn durch die Corona Pandemie trägt.

Nach der ersten Hälfte des Albums mag man sich fragen, ob das hier noch die Emo-Songmaschinen von twenty one pilots sind, oder schon eine 80s Dance-Pop Band. Mit vorherigen Releases des Duos hat der Großteil der Songs tatsächlich wenig zu tun, dennoch ist es keineswegs schlechte Musik. Der Stil der Songs passt zum Style und Thema des Albums und sorgt für gute Laune. Thematisch lassen sich in den Songs häufig tiefere Bedeutungen finden, die der Sound gar nicht vermuten lässt, doch das sind wir ja alle bereits von twenty one pilots gewöhnt.

Aber weiter mit der zweiten Hälfte von „Scaled and Icy“: „Never take it“ erinnert wieder an Songs von „Vessel“, aber auch hier nicht ohne den passenden tanzbaren upbeat Vibe. Besonders die Bassline ist positiv hervorzuheben, aber auch das Gitarrensolo – eine völlig neue Erfahrung in twenty one pilots Songs! – ist nicht zu unterschätzen.

Die nächsten drei Songs knüpfen wieder an die erste Hälfte des Albums an. „Mulberry Street“ könnte, wie bereits erwähnt, auch als Beatles Song durchgehen, überzeugt aber durch den Takt- und Keychange in der dritten Strophe.  „Formidable“ zeigt Folk-Pop Einflüsse auf und das Gitarrenriff erinnert an Songs von Placebo. Meiner Meinung nach schwächster Song des Albums ist „Bounce Man“. Doch auch dieser fügt sich optimal in das 80‘s Muster ein.

Wer denkt, dass das Album gegen Ende nachlässt, wird im Anschluss allerdings eines Besseren belehrt. Die letzten beiden Songs holen das aus dem Album raus, was den anderen teilweise fehlt. Schon der Anfang von „No Chances“ ist episch: ein einfacher Beat und ein Männerchor, gefolgt von einer grandiosen Rapstrophe und einem anschließenden ruhigen Chorus mit einer einfachen Pianobegleitung. Zusammengesetzt ergibt sich ein grandios-epischer Song, der einen völlig neuen Sound zum Album hinzufügt, den ich mir an mehr Stellen gewünscht hätte.

Als letzter Song erwartet uns „Redecorate“. Auch hier mit einem der eher rar gesähten Rap-Parts, gepaart mit Synthesizer und einem einfachen Drum Pattern von Josh Dun. Hier zeigt sich einmal mehr: mehr braucht ein twenty one pilots Song gar nicht, um gut zu sein. Manchmal ist weniger mehr. „Redecorate“ beendet das Album, aber lässt den Wunsch nach mehr Songs in seiner Art offen.

Fazit:

Zusammenfassend ist „Scaled and Icy“ ein mutiger Schritt in eine neue (Musik-)Richtung, die dem Duo perfekt gelungen ist. twenty one pilots erfinden sich in knapp 35 Minuten neu. Dies mag für einige enttäuschend sein, meiner Meinung nach funktioniert dieser neue Stil jedoch sehr gut. Immer wieder tauchen in den Songs von „Scaled and Icy“ auch Elemente auf, die auf den früheren Alben verwendet wurden und verknüpfen die alten und die neuen Releases des Duos optimal. An einigen Stellen hätte ich mir mehr Abwechslung und weniger 80‘s Pop gewünscht, Songs wie „No Chances“ und „Never Take It“ beweisen schließlich, dass die Jungs dies noch draufhaben.

Wie viele Fans anderer Bands erleben twenty one pilots Fans hier den ersten großen Stilbruch ihrer Lieblinge und bekanntlich kann dies erstmal für negative Stimmen sorgen. Doch viele der Songs auf „Scaled and Icy“ sind Grower – Songs, die erst nach mehrmaligem Hören wirklich gut werden. Für mich ist „Scaled and Icy“ ein optimales Roadtrip-Sommeralbum. Es bietet Abwechslung, gute musikalische Vibes und dennoch Themen und Songtexte, über die man länger nachdenken kann und das alles gepaart in guter alter twenty one pilots Fashion.

Wer sich von den neuen Songs live überzeugen lassen will, der kann noch ein Ticket für die „twenty one pilots – Livestream Experience“ kaufen. Diese findet heute Nacht um 2 Uhr deutscher Zeit statt und verspricht ein grandioses Livestream Event zu werden. Tickets kosten 20$. Ticket und das Album könnt ihr hier bestellen.

Die Tracklist von Scaled and Icy:

  1. Good Day
  2. Choker
  3. Shy Away
  4. The Outside
  5. Saturday
  6. Never Take It
  7. Mulberry Street
  8. Formidable
  9. Bounce Man
  10. No Chances
  11. Redecorate

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