Home Allgemein Catapults, wer ist das? – Im Interview mit Sänger Joost

Catapults, wer ist das? – Im Interview mit Sänger Joost

by Natascha

Manche kennen sie, viele kennen sie noch nicht. Catapults, eine junge Pop-Punk Band aus Oldenburg, veröffentlichen bald ihr Debüt-Album „I’ll be honest“. Dies haben wir als Anlass genommen, die Jungs mal näher kennen zu lernen und zu schauen, wer und was sich hinter diesem Bandnamen versteckt.

Gringoz: Hi! Lass uns doch direkt mal starten mit der ersten Frage: Wer verbirgt sich hinter „Catapults“ und woher kommt dieser Name?
Joost: Das ist immer eine witzige Geschichte! Catapults sind Lars Bannasch, Maurice Gärtner, Malte Grätsch und Joost Rademacher. Letzterer bin ich, hallo! Wir sind vier langjährige Kumpels, die alle irgendwie einen musikalischen Hintergrund haben, aber keine richtige Band. Und vor etwa dreieinhalb Jahren dachten wir „Ach komm, machen wir mal eine Band und gucken, wo es hingeht!“.
Der Name „Catapults“ ist ursprünglich entstanden, als Lars, unser Bassist, und ich vor vier Jahren im Zug unterwegs waren. Das war kurz vor unserer Gründung. Wir beide sind nach einer durchgefeierten Nacht von Oldenburg in unsere Heimat Leer gefahren und haben im halbwachen Zustand darüber gewitzelt, wie cool es wäre, wenn man wieder Katapulte hätte und wenn dann bei jedem so eines im Garten stünde. Dann würde jeder Nachbarschaftsstreit direkt in einer Belagerung enden. Der Gedanke war irgendwie witzig und wir dachten „Hey, Catapults klingt irgendwie cool, den Namen sollten wir uns merken, falls wir mal eine Band gründen sollten und das ist dann ja auch relativ schnell passiert!

Gringoz: Wie würdest du eure Musikrichtung beschreiben? Welche Einflüsse bezieht ihr und warum spielt ihr die Musik, die ihr spielt?
Joost: Das war alles von Anfang an schon recht klar, dass wir in Richtung Pop-Punk Musik machen werden. Wir alle vier kommen aus etwas unterschiedlicheren Richtungen, aber wir alle haben unsere Überschneidungen in der Pop-Punk-Emo-Gegend. Der eine hört zum Beispiel lieber schrantzigeren Garage-Punk, der andere mag es teilweise lieber etwas cleaner und dann der Nächste hört am liebsten Deathcore. Wir haben uns dann alle gemeinsam auf Pop-Punk als den kleinsten, gemeinsamen Nenner geeinigt, weil wir da alle irgendwie was abgewinnen können und es auch Songwriting-technisch für uns das Interessanteste war. Mit den vergangenen Jahren hat es sich dann noch ein bisschen mehr von diesem typischen hochstimmigen College-Pop-Punk alla Blink abgewandelt, als so Bands wie „The Menzingers“ oder „Boston Manner“ in unseren Stil und unser Songwriting Einzug erhalten haben.

Gringoz: Welche Bands seht ihr denn sonst noch so als eure Vorbilder an?
Joost: Es geht natürlich am ehesten in diese ganze Pop-Punk Bandschiene. Klar, wir nehmen alle unsere eigenen Einflüsse „von außen“ mit rein. Aber gerade, was den Stil angeht, den wir haben, lassen wir uns zum Beispiel auch von Bands wie „Moose Blood“ oder „Microwave“ beeinflussen. Das waren zum Beispiel auch Bands, an denen wir uns orientiert hatten, als wir noch keine eigenen Songs geschrieben hatten. So langsam versuchen wir aber auch, uns ein bisschen davon zu lösen und unser eigenes Ding zu finden. Dafür haben wir ja auch unser erstes Album jetzt gemacht.
Gringoz: Die Songs, die bereits rausgekommen sind, sind auch sehr vielversprechend! Und irgendwann findet man ja auch seinen eigenen Stil, wenn man erstmal ein bisschen drin ist und weiß, in welche Richtung es gehen soll.
Joost: Ja klar! Wir haben uns natürlich auch mal irgendwelche Sachen zusammen geklaubt, aber wenn man erstmal zehn Songs für ein Album schreiben möchte, muss man sich schon zwangsweise dann mal entscheiden, was man machen möchte!

Gringoz: Wie findet denn euer Songwriting statt und worauf beziehen sich eure Texte?
Joost: Für das instrumentale Songwriting sind hauptsächlich die Jungs verantwortlich, die die Main-Instrumente spielen, also alle außer mir. Ich bin natürlich der, der nur die Rhythmus-Gitarre spielt, ich schrabbel einfach nur die Powerchords runter, die mir gegeben werden und bring hin und wieder mal die ein oder andere Idee mit rein *lacht*. Aber vor allem Malte, unser Drummer, und Maurice, unser Gitarrist, sind da unsere Melodie-Aufnahme-Maschinen, die die Demos bringen. Meistens bin ich dann derjenige, der anfängt, die Lyrics zu schreiben. Malte macht das teilweise auch, der hat auch Lyrics für das Album geschrieben, mittlerweile ist da aber der Löwenanteil auf mich zurückgefallen. Was das angeht, ziehen wir die meisten Texte eigentlich aus Erlebnissen, Erfahrungen und Emotionen, die wir selbst gemacht oder erlebt haben, da wir uns noch nicht so weit aus dem Fenster lehnen wollen und Story-Telling machen wollen, wo wir die Geschichten anderer erzählen. Wir wollen erstmal das aufarbeiten, was uns selbst beschäftigt. Es geht also um unsere eigene, gnadenlose emotionale Ehrlichkeit.
Gringoz: Sowas macht ja auch sympathisch, wenn man seine eigenen Erfahrungen darstellt, wo der Hörer sich eventuell dann sogar auch selbst wiederfinden kann.
Joost: Das ist auch absolut unser Ziel! Es gibt natürlich sowas, wie universelle Erfahrungen und wir wollen, dass unsere Erzählungen auch ein bisschen ausdehnbar sind. Ich will jetzt nicht den Anglizismus „relatable“ verwenden, aber wir wollen halt, dass die Musik, die wir machen, die Leute auch abholt und sie sich verstanden fühlen.

Gringoz: Meine nächste Frage würde sich an eure privaten Musikgeschmäcker richten, aber die hast du ja eigentlich schon beantwortet…
Joost: Ach, da könnte ich aber gern noch etwas mehr ausholen! *lacht*
Gringoz: Ja gerne! Hol so weit aus, wie du magst!
Joost: Was ich ja schon erwähnt hatte, wir alle finden uns in der Pop-Punk/Emo-Punk Skate Szene wieder, aber trotzdem sind unsere einzelnen Geschmäcker breit gefächert. Malte zum Beispiel ist da unser Sperrkopf, der auch gern mal Classic-Rock hört, ich bin aber zum Beispiel auch, durch meinen Vater, mit Bands wie „Status Quo“ und „Lynyrd Skynyrd“ aufgewachsen. Maurice kommt teilweise aus dem Deathcore, von ihm kommen da die ganze Zeit auch die etwas brutaleren Bands ran. Genau wie bei Lars, der zum Beispiel auch vorher in einer Melodic-Hardcore Band gespielt hat.
Gringoz: Enter the Fray, oder?
Joost: Ja genau! Der mag dann zum Beispiel auch den „garage’igeren“ Kram. Er ist zum Beispiel ein großer Fan von „Slope“. Bei mir ist das in den letzten Jahren eher so ein Misch-Masch geworden. Irgendwann habe ich auch angefangen, Hip-Hop zu hören, ich bin ein riesiger Fan einer Gruppe namens „Clipping“. Ganz abgefahrener Kram!

Gringoz: Wenn du jetzt jemandem erklären müsstest, was das Besondere an euch wäre und warum er/sie eure Musik hören sollte, du aber keine Möglichkeit hast, eure Musik zu zeigen, was würdest du sagen?
Joost: Okay, okay, das ist wirklich eine gute Frage, da muss ich kurz nachdenken!
Gringoz: Kein Ding, lass dir Zeit!
Joost: Unsere Musik ist Pop-Punk für die Menschen, die eigentlich keinen Pop-Punk mehr hören wollen, weil der ihnen zu quietischig wird. Ich glaube, dass ist das pragmatischste, was ich dazu sagen kann. Wir wollen uns die Mühe machen und den ganzen Emo-Punk und Poprock, wie er im Moment existiert, wieder etwas anheben, wie es zum Bespiel so Altpunkt wie „The Menzingers“ es machen. Eine weitere Sache, von der ich glaube, dass die uns ausmacht ist, obwohl wir eine deutsche Band sind, klingen wir nicht deutsch. Das ist etwas, was wir uns immer gern auf die Fahne schreiben und was wir auch beim Songwriting immer versuchen zu berücksichtigen. Wir wollen damit so ein bisschen die deutschen Radio-Sensibilitäten vermeiden.

Gringoz: Wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus?
Joost: Ganz oben auf der Liste steht natürlich jetzt erstmal unser Album, welches am 19. März erscheinen wird und da haben wir noch eine ganze Menge auf der Agenda, um die Promo-Phase noch ein wenig mehr ins Rollen zu bringen. Es sollen natürlich möglichst viele auf das Album aufmerksam werden und es soll viel gehört werden. Und hoffentlich wird es dann auch von ein paar Leuten gemocht. *lacht*
Gringoz: Toi, toi, toi. Daumen sind gedrückt!
Joost: Danke, danke! Das Album ist das Beste und Gruseligste, was wir bis jetzt gemacht haben! Und danach wollen wir versuchen, dieses Jahr noch irgendwie irgendwas rauszubringen. Ob es nun eine Split-EP oder eine einzelne Single sein wird, wissen wir noch nicht. Aber da es im Moment ja einfach schwierig ist, Shows zu spielen, wollen wir irgendwie anderweitig den Leuten die Musik bieten, die sie verdient haben, da wir nun auch nicht die größten Livestream-Spieler sind. Vor kurzem hatten wir zwar erst einen Livestream, aber dafür sind wir nicht unbedingt die Band für. Wir wollen die schwitzenden Leute auf der Bühne sein, die ab und an mal einen Witz machen und wir wollen die schwitzenden Leute vor uns haben. Das fehlt uns einfach unheimlich und wir hoffen sehr, dass wir bald irgendwie wieder Gigs spielen können, auch wenn es dann nur im Sitzen und mit Abständen ist. Natürlich wäre es uns anders lieber aber wir hoffen erstmal, dass wir unser Album gut an den Start bringen und machen uns dann allmählich wieder ans Songwriting.

Gringoz: Am 19.03. kommt endlich euer erstes Album „I’ll be honest“. Plaudere doch mal ein bisschen aus dem Nähkästchen. Wie war das Schreiben? Wie ist es entstanden, was ist dein Lieblingssong?
Joost: Das war schon eine sehr interessante Zeit! Wir haben im Januar 2019 angefangen, die Songs zu schreiben. Das Problem damals war nur, dass ich da gar nicht im Land war. Ich war nämlich zu der Zeit für mein Studium in England und war somit ein bisschen entfernt vom ganzen Anfang des Prozesses. Die anderen drei Jungs haben also zuhause gesessen, sich ihre Demos hin und her geschickt, zusammen gebastelt und im Proberaum faxen gemacht, während ich in Manchester rumsaß und für mein Englisch-Studium ackern musste. Wir haben uns dann immer wieder mal über Skype getroffen und die anderen haben mich dann immer aufgeklärt, was gerade so Phase war. Die neuen Demos haben sie mir dann in die Dropbox geschmissen. Wir haben so dann schon eine ganze Menge an Demos hinbekommen. Mitte 2019 war ich dann wieder zurück in Deutschland und wir konnten richtig loslegen. Das war dann auch die Zeit, in der das Songwriting dann auch auf Hochtouren lief, was sich dann bis März 2020 durchzog und wir ins Studio sind. Wir haben uns dort für zwei Wochen mit Kollegen und Freunden eingenistet und wenn man ein bisschen darauf achtet, das war Ende März letzten Jahres, da ging es ja auch mit dem Lockdown los… wir haben dann für die Zeit sämtliche Kontakte zur Außenwelt abgebrochen und waren komplett unter uns. Außer den Leuten aus dem Studio hatten wir niemanden mehr gesehen und haben die restlichen Aufnahmen dann in der zweiten Woche dann geschafft. Seit letztem Juli ist das Ding nun fertig, alles steht, alles ist da. Wir sind sehr, sehr happy mit den 10 Songs, die wir aufgenommen haben.
Mein Lieblingssong ist tatsächlich keiner der bereits veröffentlichen Singles, sondern der letzte Song des Albums. Dieser heißt „Open the blinds“ und dazu gibt es auch eine ganz nette Entstehungsgeschichte. Wir hatten bereits alles fertig, alle Lyrics geschrieben, nur für diesen einen Song nicht. Es ist also nicht nur der letzte Song auf dem Album, sondern auch der letzte Song, der fertig gestellt wurde. Ich hab da echt richtig gestruggled, dafür einen Text zu schreiben und dachte mir dann so „Scheiß drauf, ich schreib jetzt einfach über meinen Gefühlszustand genau in diesem Moment, wie ich mich jetzt am Ende des Songwritings und des ganzen Prozesses fühle.“ Also hab ich mich mit Kopfhörern in ein Café gesetzt, den Song den ganzen Tag auf Repeat gehört und in einem koffeinbetriebenen Rage den Text in einem Zug runtergeschrieben. Ich bin wirklich sehr froh, wie der dieser letztendlich geworden ist.

Gringoz: Kommen wir nun zur abschließenden Frage: Was wäre die absolute Traumvorstellung für euch als Band?
Joost: Als Band, da spreche ich mal für alle, wäre es sicherlich, einmal auf dem Glastonbury Festival zu spielen! Das wäre so das Ultimo, das Höchstziel, was wir als Band erreichen könnten. Für mich persönlich wäre es, auch wenn sie ein ganz anderes Genre vertritt, ein Feature mit der Pop-Sängerin „Sigrid“ aufzunehmen. Ich glaube, dass sie absolut die Stimme dazu hätte, wenn sie mal so richtig zu einem Punk-Song ausrasten würde!

Gringoz: Joost, ich danke dir für das tolle Gespräch!
Joost: Ich danke dir!

Photocredits: Catapults

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