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Boston Manor spielen ungewöhnliches Heimatkonzert

by Jana Gall

Boston Manor sind ein gutes Beispiel für Künstler, die von der derzeitigen Krise stark getroffen wurden. Sie mussten ihre für Mai geplante UK-Tour bereits zwei Mal verschieben, zunächst auf September, nun auf März. Ob die angekündigte Vorband Trophy Eyes, die den weiten Weg aus Australien auf sich nehmen wollte, überhaupt noch mit an Bord ist, ist unsicher. Es ist eine merkwürdige Situation für das Quintett aus Blackpool: Erst im Mai veröffentlichten sie ihr drittes Album, GLUE (2020), die neuen Songs live spielen können sie jedoch nicht. In solchen Situationen muss man kreativ werden. Um dieses Jahr wenigstens ein Mal auf der Bühne stehen zu können, ließen sie sich etwas ganz Besonderes einfallen. Es geht um ihr erstes Konzert in ihrer Heimatstadt Blackpool. Ursprünglich sollte es in dem ikonischen Blackpool Tower stattfinden, aufgrund technischer Schwierigkeiten musste auf den nicht weniger besonderen Empress Ballroom ausgewichen werden. Vor Ort darf natürlich kein Fan zuschauen, allerdings konnten für einen geringen Preis von zwölf Euro Tickets für einen Livestream erworben werden.

Das Konzert beginnt mit einem Intro über das Aufwachsen in Blackpool. Es wird über die Armut in der Stadt gesprochen, aber auch über den Zusammenhalt und die Gemeinschaft. Auch wenn die Stadt von Außenstehenden eher bemitleidet wird, sind Boston Manor sichtlich stolz auf ihre Herkunft.

Nach dem Intro geht es feurig los. Everything Is Ordinary war die zweite Single vom neuen Album und war wegen des übermäßigen Gebrauchs von Auto-Tune unter den Fans stark umstritten. Live dagegen bietet es einen starken Auftakt und bringt Sänger Henry Cox schon ganz schön außer Atem. Eine Pause bekommt er nicht, Ratking und Only1 setzen den hitzigen Start fort. Die Screaming Parts, die auf GLUE (2020) mehr vertreten sind, als auf ihren vorherigen Alben, meistert Cox ohne zu schwächeln. Diese Show ist das Live-Debüt für die neuen Songs, doch die Feuerprobe meistern die fünf Jungs ohne Probleme. Natürlich ist es ungewöhnlich, ohne sichtbares Publikum zu spielen. Davon lässt sich Cox jedoch nicht beirren, er fordert zum Mitsingen auf und verlangt von den Fans, in ihren Wohnzimmern für Stimmung zu sorgen. Es fühlt sich tatsächlich wie ein richtiges Konzert an, auch die Lichttechnik und Kameraführung ist nicht zu bemängeln.

Alte Klassiker dürfen natürlich nicht fehlen. England’s Dreaming, Flowers in Your Dustbin, Halo, Bad Machine und Funeral Party schaffen es auf die Setlist. Songs, die vor ihrem zweiten Album, Welcome to the Neighbourhood (2018), erschienen, fehlen dagegen. Dies dürfte das erste Mal sein, dass Boston Manor sich dagegen entscheiden, Laika oder Lead Feet live zu spielen. Ob dies das endgültige Aus für diesen Teil ihrer Diskografie ist, bleibt abzuwarten, schließlich sollte der Fokus bei diesem Livestream auf den bisher ungespielten Songs liegen. Bei zukünftigen Konzerten könnte die Setlist also schon wieder anders aussehen.

Vor On a High Ledge hält Cox eine kurze Rede zum Thema psychische Gesundheit. Besonders in diesen Zeiten sei es wichtig, auf seine Angehörigen, aber auch auf sich selbst zu achten. Die Musiker hatten schon vor der Show einige Male betont, wie sehr ihnen das Thema am Herzen liegt. Während On a High Ledge hört man den Hall der leeren Konzerthalle doch recht stark, allerdings spielt es der Band in diesem Fall in die Karten und trägt positiv zur Atmosphäre bei. An anderen Stellen ist der Hall auch verstärkt zu hören, jedoch nie wirklich störend. Auf On a High Ledge folgt mit You, Me & the Class War wohl einer der herausforderndsten Songs des neuen Albums, doch auch dieser Song wird inklusive der Screaming Parts fehlerfrei gemeistert.

Ein Livestream ersetzt kein richtiges Konzert. Das betont Cox an einigen Stellen und verspricht, dass Boston Manor für richtige Konzerte zurückkehren, sobald es wieder möglich ist. Bis dahin bietet ein solcher Livestream jedoch eine sichere Alternative für Fans und Künstler und steigert die Vorfreude darauf, bald hoffentlich selbst wieder in einer Konzerthalle stehen zu dürfen.

Foto: Edd Taylor / Offizielles Pressefoto

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