Home Reviews Live-Review: Ein Spätsommernachmittag mit Provinz draussen im Grünen

Live-Review: Ein Spätsommernachmittag mit Provinz draussen im Grünen

by Kevin

Es ist ein perfekter Septembertag. Die Spätsommersonne scheint warm vom makellosen blauen Himmel auf die Parkanlagen hinab. Zwischen Kastanienbäumen und Blumenarrangements schwingt schöne Musik. Das kann nur eins bedeuten: die deutsche Indie-Pop-Band Provinz spielt in einer der wohl schönsten Open Air Bühnen des Nordens ihre Zusatzshow am Nachmittag.

„Mach Platz, mach Platz, mach Platz für uns, denn wir bleiben wach, ja wir bleiben wach“. Die einzigartige Stimme von Sänger Vincent Waizenegger trägt die erste Liedzeile des Openers „Mach Platz“ durch die Zuschauerreihen des Musikpavillons. Diese sind corona-konform angeordnet; auch hier überzeugt das Konzept. Und das ist auch schon der letzte Gedanken, den wir an das Setting verschwenden, da die vier Jungs, also nach eigener Aussage „drei Cousins und Leon“, mit „Verlier dich“ direkt ins Konzerterlebnis einladen. Die Stimmung ist zu jeder Zeit beschwingt und fröhlich. Die ganze Kulisse gleicht insgesamt mehr einem Picknick mit Freunden im Park als einer Live-Show. Das Auftreten der Band und vor allem ihre Ansagen sind ungezwungen und unbeschwert. Dies erzeugt eine gute Laune, die wirklich anstrengend ist. Alle Zuschauer*innen lächeln eigentlich permanent und klatschen euphorisch mit. Mit dieser Unbeschwertheit verfliegt die Zeit im Nu und die Künstler aus einem Dorf nahe Ravensburg leiten durch ihr im Juli erschienenes Debütalbum „Wir bauten uns Amerika“. Neben dem Thema Liebe, ist das wichtigere Leitmotiv die Ambivalenz des Dorflebens, Aufwachsen in der Provinz eben. So vermögen sie es mit ausdrucksstarken Lyrics in Liedern wie „Neonlicht“ oder „Augen sind rot“ dieses bestimmte Gefühl zu transportieren. Immer wieder blitzen in Textteilen oder vom Klang her Parallelen zu Annenmaykantereit auf, die mit dem gleichen Produzenten arbeiten.

Nach einer Stunde ist das offizielle Programm schon zu Ende, was neben der manchmal zu lallenden Stimme des Frontsängers der einzige kleine Kritikpunkt ist. Doch natürlich lassen sich die Jungs zu einer Zugabe bitten, die Vincent entspannt allein am Keyboard mit „Weit weg“ eröffnet. Selbstverständlich darf dann auch der Radiohit „Wenn die Party vorbei ist“ nicht fehlen, den mit Abstand die meisten Leute kennen. Dennoch war bereits beim zehnten Lied der Höhepunkt der heutigen Party erreicht und die Begeisterung am maximalen Punkt. Es ist ein lockeres und leichtes Konzert im Licht des Samstagnachmittags, da die Abendvorführung zu Recht ausverkauft ist. Vielen Dank für die höchst kurzweiligen Stunden und wir freuen uns auf jeden Fall auf mehr Songs aus der Provinz.

Fotocredit: Kevin Randy Emmers @Gringoz Magazine

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