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Review: Everything Everything – Re-Animator

by Jana Gall

So wie nicht alle Literaturwissenschafts-Studierenden Bestsellerautoren werden, werden nur wenige, die einen Abschluss in Musikwissenschaften haben, bekannte Musiker. Everything Everything stellen somit sicher eine Ausnahme dar. Zehn Jahre nach Erscheinen ihres Debüt-Albums, Man Alive (2010), wagen die Indie-Rocker sich mit ihrem fünften Album, Re-Animator (2020), zurück zu ihren Wurzeln.

Obwohl das Album vor Beginn der Corona-Pandemie fertiggestellt wurde, enthält es Elemente und Thematiken, die in der derzeitigen Lage an Relevanz gewonnen haben. Die erste erschienene Single, In Birdsong, wurde genau aus diesem Grund ausgewählt. Es geht um die Rückbesinnung zur Natur, um Vogelgezwitscher, dass wir im Alltag kaum noch wahrnehmen. Die ruhigen, fast träumerischen Melodien lassen den Zuhörer runterkommen. Auch der fröhlich klingende zweite Albumtrack, Big Climb, der an Songs von Maroon 5 erinnert, wurde ursprünglich ohne Corona-Bezug geschrieben. Jetzt, in Zeiten einer Pandemie, klingt die Zeile „not afraid that it will kill us, we’re afraid that it won’t“ noch düsterer. Es führt uns all die Probleme vor Augen, die der Welt derzeit noch bevorstehen. Ähnlich apokalyptisch klingt Lord Of The Trapdoor. Darin heißt es: „I need an Armageddon“, am Ende wird dieser Text in einem langen instrumentalen Part mit schrillen Gitarren nur noch verzerrt im Hintergrund gesungen.

Bei allem, was einen derzeit so beschäftigt, verliert man sich gerne in Erinnerungen. In It Was a Monstering besuchen die Erinnerungen Sänger Jonathan Higgs in Form von Monstern. Von Slenderman bis zum geschuppten Mann klopfen alle Monster an sein Fenster. Es ist ein verzweifelter Aufruf, das Hier und Jetzt zu genießen.

Wichtig ist es, trotz allem positiv zu bleiben. So öffnet das Album mit einem unbeschwerten Song namens Lost Powers, in dem der Zuhörer daran erinnert wird, dass es okay ist, auch mal den Kopf zu verlieren. Und so, wie das Album eröffnet wird, wird es auch wieder beendet: Positiv. Violent Sun beschreibt den Zeitpunkt der Apokalypse, aber bleibt dabei fröhlich und optimistisch. Statt auf das bevorstehende Ende konzentriert sich Higgs auf die Person, die er liebt. Der Weltuntergang ist eben nur halb so schlimm, wenn man Menschen hat, die einem wichtig sind.

Everything Everything haben mit Re-Animator (2020) eine apokalyptische Welt erschaffen, die sowohl Ängste als auch Hoffnungen bringt. Das Album ist kein „Corona-Album“, lehrt uns jedoch einige Lektionen bezüglich der derzeitigen Situation. Die Band wagt sich, zu ihrem älteren Sound zurückzukehren, und schafft dabei ein rundes Album, das auch in einigen Jahren noch relevant sein wird.

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