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Live-Review: Mono Inc. Fanclub-Treffen im Hamburger Cruise Inn

by Kevin

Hamburg, was für ein schönes Bild! Wir sehen die 402 Besucher des heutigen Konzerts geschlossen in Schwarz. Denn heute Abend steht die Veranstaltung endlich wieder im Zeichen des Rocks. Die deutsche Gothic-Rock-Gruppe Mono Inc. gibt sich im Rahmen ihrer Mini-Tour die Ehre in der Hansestadt. Dabei geht es nicht nur rockig zur Sache, sondern mindestens genauso emotional.

Den Part der Eröffnung übernimmt die Düsseldorfer Band Storm Seeker. Die Jungs und Mädels sind sich ihrer Rolle selbstironisch bewusst und freuen sich mit dem Publikum gemeinsam auf ihren Headliner; jeay! Dementsprechend verhalten bleibt zunächst die Stimmung. Obwohl die Band ansprechenden, und mit adäquaten Instrumenten wie verschiedenen Drehleiern, Cello und Blockflöte auch ansprechenden, Pirate Folk Metal anbietet, lassen sich die Metallheads maximal zu einem Im-Takt-Nicken hinreißen. Somit besteht das Highlight tatsächlich aus dem Ende des 45-minütigen Sets. Uns gefällt vor allem der letzte Song, der durch einen starken Tempowechsel überzeugt, dann abrupt endet und nach der Verabschiedung der Band rasant zu Ende gebracht wird. Es folgen 25 Minuten Umbaupause, die man sich am Merchstand vertreiben konnte (immerhin der erste, den wir auf Corona-Konzerten erspähen konnten).

Für die nächsten knappen anderthalb Stunden gehört die Bühne Mono Inc. Diese beginnen vielversprechend und äußerst passend mit „Welcome to Hell“. Die Stimmung verbessert sich schlagartig und es kommt mehr Bewegung ins Publikum. Jedoch hält diese Euphorie genau für den ersten Song an und bereits während des zweiten Liedes verebbt die Hälfte der Energie genauso schnell wieder, wie sie gekommen war. Insgesamt bleibt es also sehr gesittet. Ohne Circle Pits ist es halt einfach nicht das Gleiche. Und das merkt auch Frontmann Martin Engler ganz deutlich. In einer sehr emotionalen Ansage, in denen er fast den Tränen nahe ist, verkündet er, dass das Hamburger Konzert das diesjährige Jahresabschlusskonzert ist. Im August. Nicht nur für die Band schwer zu verkraften. Umso größer die Freude, dass hauptsächlich bekannte Gesichter in den ersten Reihen zu erkennen sind. Es ist quasi ein Fanclub-Treffen von Mono Inc. So überrascht es auch nicht, dass auf die Frage hin, wer das erste Mal zu Besuch sei, sich so gut wie niemand meldet. Treue wird einfach großgeschrieben. Was passiert sonst noch? Erstens sind wir geflashed von Katha Mias Stimme. Die Schlagzeugerin begeistert mit melodischem Hintergrundgesang. Zweitens performen Mono Inc. und Storm Seeker stellvertretend für Tanzwut die gestern erschienene Single „Right for the devil”. Drittens gibt es anstelle einer Wall of Death ersatzweise eine Laola-Welle.

Dann ist es noch einmal Zeit für die Taschentücher. Engler erzählt von der 83-jährigen dementen Oma Erna S. im Pflegeheim, die indirekt durch Corona aufgrund von Vereinsamung starb, da sie keinen Besuch mehr empfangen durfte und regelrecht in ihrem Zimmer eingesperrt wurde. Während der Geschichte ist es totenstill. Die zentrale Fragestellung der Erzählung lautet „Wie viel Nähe braucht ein Mensch?“, was musikalisch in der folgenden Akustikversion von „An klaren Tagen“ beantwortet wird. Danach Black-Out und Gänsehaut am ganzen Körper. Was folgt ist ein meisterhafter Übergang: Katha Mia zeigt ein Schlagzeug-Solo auf illuminierten Drums zu der Melodie von „Das Boot“. Es ist einfach richtig gut inszeniert, als Überleitung absolut großartig verwendet und offenbart eine ideale Publikumsinteraktion. Zwei Zusagen runden den gelungenen Abend ab. Endlich gibt es mal musikalische Abwechslung im Programm des Cruise Inn!

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