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Review: Der Ole – Durch die Zeit

by Denise

Ist das Punkrock? Wenn man sich die Vita von Ole anschaut wird man automatisch versucht sein „ja“ zu antworten, doch Durch die Zeit ist weitaus mehr als einfach nur Punkrock. Hier ist ein Album entstanden, dem man von Anfang bis Ende anmerkt, dass es ein Produkt aus Leidenschaft ist. 124 Künstler aus 26 Ländern haben an diesem großen Projekt zusammengearbeitet und dementsprechend ist es auch nicht verwunderlich, dass der ursprüngliche Releasetermin im Mai gekippt wurde. Solch ein Album bringt man nicht nebenbei, in Corona Zeiten auf den Markt, solch ein Album muss gewürdigt werden und das geht nicht ohne Live Performance.
Durch die Zeit schlägt gänzlich verschiedene Töne an. Bei dem Song Bullenstaat, welcher schon vorab als Single ausgekoppelt wurde, handelt es sich um eine solche, typische Punkrock Nummer, wie man sie vielleicht erwartet hätte. Versehen mit dem dazu erschienenen Video macht der Song sogar noch mehr Spaß.
Allerdings liegt die wahre Stärke des Albums in seiner Diversität. Die Mischung machts, zusammen mit der Detailverliebtheit. Persönlicher Favorit ist und bleibt hier die Cover Version des Klassikers The Wild Rover, bei dem allein von Wizo, über Slime, oder auch Mars Saibert gesanglich alles vertreten ist. Hier hat auch Oles Sohn seinen zweiten kleinen Gastauftritt, nach dem Intro, welches so herzlich ist, dass man die Platte einfach mögen muss („Papa ich möchte einen Iro“).
Weiterhin hat Durch die Zeit einen sehr emotionalen Hauch, der einen mitnimmt und einhüllt. Die schönsten Songs sind meistens diejenigen, die man am wenigsten hört, nicht weil sie schlecht sind, sondern weil sie die Macht haben, einen emotional so sehr zu ergreifen und mitzunehmen. Durch die Zeit hat nicht nur einen solchen Song, sondern gleich mehrere, beispielsweise Die Amsel mit dem Drosselbart oder Schwarz wie die Sonne.
Man kann sagen, dass die musikalische Spannbreite genauso groß ist, wie das Arsenal der vertretenen Künstler. Von Ska bis Bigbandsound bis Punk, manchmal ein bisschen poppig manchmal sehr ruhig, zieht sich als roter Faden ein leichter Hauch der Melancholie durch die Platte. Mal stärker, mal absolut unterschwellig.
Man könnte das Album auch schlichtweg als chaotisch beschreiben, weil es ein Zusammenspiel aus so vielen verschiedenen Einflüssen ist, doch durch die Melancholie wird eine runde Sache daraus. Egal ob eigener Song oder Cover, durch das Zusammenspiel der verschiedenen Akteure wird etwas ganz besonderes geschaffen und Durch die Zeit erfindet sich mit jedem Song wieder auf andere Weise neu.
Generell ist es kein Album, wie jedes andere und wird es so wohl auch nicht noch einmal geben.
Durch die Zeit ist ein Album von Freunden für Freunde, die an Musik mehr schätzen als nur den Unterhaltungswert. Neben den schon erwähnten Gastauftritten, ist natürlich auch Massendefekt vertreten, die genauso Freunde ihres ehemaligen Sängers geblieben sind, wie auch einige Freunde und Bekannte, die mit der Musikszene eigentlich nichts am Hut haben.
Man sollte sich das Album anhören, nicht nur einmal, sondern zwei oder dreimal. Es wird mit jedem Hören besser, neue Facetten kommen zum Vorschein und Dinge fallen auf, die man vorher noch nicht wahrgenommen hat in diesem bunten Mix aus Einflüssen und Musikern, die ein wundervolles Gemeinschaftsprojekt geschaffen haben.

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