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Produzent, Sänger und Songwriter – Im Interview mit Elderbrook

by Kevin

Alexander Kotz aus London alias Elderbrook ist grade mal 28 Jahre alt und schon überall auf der Welt zuhause. Mit seinem Megahit „Numb“ Anfang des Jahres stürmte er die Charts und Radiosender. Dabei generierte er insgesamt weit über 300 Millionen Streams und feiert wöchtlich weitere große Erfolge.

Am 18. September wird sein Debütalbum „Why Do We Shake In The Cold?“ hinzu kommen. Wir sprachen vorab mit Elderbrook über sein kommendes Album und was Enter Shikari mit ihm gemacht haben. Dies und vieles mehr erfahrt ihr in unserem Interview.

Danke Elderbrook, dass Du Dir etwas Zeit für uns und das Interview nimmst.

Gringoz: Keine vier Wochen mehr, dann ist es endlich soweit und Dein Debütalbum „Why Do We Shake In The Cold?“ erscheint. Wie fühlt es sich an endlich dieses Album Deinen Fans präsentieren zu können?

Elderbrook: Es ist so aufregend. Es fühlt sich wie der Höhepunkt all der Arbeit an, die ich in den letzten Jahren geleistet habe, und ich kann nicht glauben, dass es endlich veröffentlicht wird. Ich bin so glücklich mit dem Album. Auf meiner musikalischen Reise habe ich viele verschiedene Klangwelten durchlebt und das Album ist definitiv eine gute Darstellung all dieser Klänge. Es ist genau das, was ich wollte, und ich kann es kaum erwarten, es mit der Welt zu teilen.

Gringoz: Elf Songs erwarten uns auf dem Album. Einer dieser Songs, „Numb“, erschien im März bereits als Single und schlug ein wie eine Bombe. Gefühlt jeder Radiosender spielte dieses Lied. Fühlt es sich nicht komisch an, wenn man im Auto sitzt und seinen eigenen Song im Radio hört?

Elderbrook: Ja, es ist absolut verrückt. Mein ganzes Leben lang habe ich Musik über jedes Medium gehört, das man sich vorstellen kann. Zu wissen, dass ich jetzt auf eine Art und Weise ein Teil der Musik bin, ist alles, was ich so lange gewollt habe. Ich erinnere mich an das allererste Mal, als ich mein Lied im Radio hörte. Ich hatte keine Ahnung, dass es gespielt werden würde, und ich fuhr irgendwo hin, während ich plötzlich mein Lied „Wie oft“ hörte. Ich dachte erst, dass was mit meinem Auto verkehrt gewesen wäre, als ob es Musik von meinem Telefon wiedergibt oder so etwas. Aber ich überprüfte es doppelt und dreifach und mein eigenes Lied, das ich in meinem schmuddeligen Uni-Schlafzimmer geschrieben hatte, wurde wirklich im richtigen, nationalen Radio gespielt. Ich hätte beinahe einen Unfall gebaut, als ich es anfing zu begreifen.

Gringoz: Wir empfinden das Album als Befreiungsschlag, um aus dem Alltag auszubrechen und tun und lassen zu können, was man will. War das eventuell auch Deine Intention dahinter?

Elderbrook: Ich denke auf jeden Fall, dass der Song „Back to my bed“ definitiv von dieser Idee handelt. Hier geht es alles darum, „Nein“ zur Normalität und zu Grenzen zu sagen, und das Leben zu leben, das man leben möchte. Ich glaube, wir befinden uns in einer Zeit der Geschichte, in der wir alle aus dem täglichen Leben ausgebrochen sind, und ich bin mir sicher, dass viele von uns dabei eine Menge über sich selbst und das Leben, das sie führen, gelernt haben. Daher denke ich, dass das Album, obwohl es nie meine Absicht war, zu einem guten Zeitpunkt kommt.

Gringoz: Das Album behandelt als großes Thema das Menschliche. Wieso hast Du Dich ausgerechnet für diese Komponente entschieden? Findest Du, dass wir als Gesellschaft immer weiter voneinander entfernen und verlernten uns füreinander einzusetzen und füreinander da zu sein?

Ich habe das Album über das Menschsein und zwischenmenschliche Beziehungen geschrieben, weil es instinktiv das ist, worüber ich schon immer geschrieben habe. Dabei geht es gar nicht so sehr um gesellschaftliche Kommentare oder ähnliches, sondern sehr viel mehr um das, was uns menschlich macht. Die Art und Weise, wie der Verstand arbeitet. Das hat mich schon immer interessiert, und ich denke, dass es so wie von selbst zum Thema des Albums geworden ist.
Was eure andere Frage betrifft: Ich glaube nicht, dass wir als Individuen kontinuierlich Werte der Menschlichkeit verlieren. Ich glaube jedoch eher, dass Regierungen und Unternehmen ihre Macht genau auf die Weise missbrauchen, die ihr geschildert habt!

Gringoz: Das Album wird sehr durch Indie/Alternative und Electro geprägt. Deine Liebe gilt der elektronischen Musik, die Du gerne mit anderen Genres mischst. Könntest Du Dir zum Beispiel vorstellen, auch mal einen Song mit einem Rock, Metal oder Hardcore Act zu machen? Wir denken da vor allem an den Stil von beispielsweise Enter Shikari aus dem Großbritannien.

Elderbrook: Es ist lustig, dass ihr das sagt! Früher habe ich Enter Shikari absolut geliebt! Damals habe ich sie ununterbrochen gehört. Als ich sie zum ersten Mal gehört habe, fand ich gleichzeitig vielleicht erstmalig Achtung für die Emotionen der elektronischen Musik. Dass es mehr sein könnte als nur Club-Tanzmusik. Ich könnte mir durchaus vorstellen, einen Metal-Act zu produzieren. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob viele Leute viel mit mir zu tun haben wollen!

Gringoz: Du bist als Multitalent bekannt: Produzent, Sänger und Songwriter in einem. Kaum ein Genre macht vor Dir Halt. Das sieht man auch an den Kooperationen mit anderen Künstlern wie Diplo, Rudimental oder auch Friendly Fires. Gibt es einen Act, mit dem Du gerne noch einmal unbedingt zusammenarbeiten würdest? Egal ob lebend oder bereits verstorben?

Elderbrook: Ich wollte schon immer mit Jamie xx zusammenarbeiten. Ich liebe die Originalität dessen, was er tut. Das erste Album von Jamie xx war das erste Album, das ich von Anfang bis Ende gerne gehört habe, und seitdem bin ich immer ein Fan gewesen. Wenn ich an verstorbene Helden denke, glaube ich, dass ich am liebsten mit Etta James, ihrer schönen Stimme wegen, zusammengearbeitet hätte.

Gringoz: In Deinen Elderbrook Hotel Room Sessions auf Youtube hast Du schon so manchen weltbekannten Song wie zum Beispiel „Use Somebody“ von den Kings of Leon oder Black Eyed Peas‘ „Shut Up“ und einige mehr gecovert, und das Alles während Corona. Wie triffst Du die Auswahl der Song? Und können wir weiterhin mit diesem Format rechnen, auch nach der Krise?

Die Idee begann auf Tour als Hotelzimmer-Sessions. Das war eine Gelegenheit für mich, einige meiner Allzeit-Lieblingssongs zu covern. Als ich durch den Lockdown zu Hause festsaus, beschloss ich, das Gleiche von meiner Hütte aus zu machen. Sobald ich wieder auf Tour gehen kann, werde ich auf jeden Fall mit diesen Sessions weitermachen.

Elderbrook: 2017 hast Du gemeinsam mit Camelphat den Song „Cola“ veröffentlicht. Auf YouTube hat der Song schon über 110 Millionen Klicks und bei Spotify über 160 Millionen Zuhörer*innen. Als wir im Folgejahr auf Ibiza waren, lief der Song in jedem Club. Wie gehst du mit dem Gefühl um, dass viele Leute deine Songs kennen und mit der einhergehenden steigenden Bekanntheit?

Es ist verrückt. Das, worüber ich mir am meisten Gedanken mache, ist, wie viele Leute meine eigentliche Stimme gehört haben. Wie… hat die Queen meine Stimme im Hintergrund in einer Fernsehwerbung gehört oder hat Obama sie in der Halbzeitpause beim Super Bowl gehört? Das sind immer meine Gedanken. Da es nur meine Stimme ist, kommt sie mir nicht wirklich besonders vor, da ich sie ja fast mein ganzes Leben lang gehört habe. Glücklicherweise gibt es keinen Ruhm, mit dem man sich beschäftigen müsste. Im Allgemeinen kennen die Leute meine Stimme mehr als mich!

Gringoz: Du bist ja klassisch ausgebildeter Multi-Instrumentalist und beherrschst damit einige Instrumente. Gibt es ein Musikinstrument, was Du noch nicht spielen kannst, aber unbedingt nochmal lernen möchtest, um dies auch in Deinen Songs zu verwenden?

Elderbrook: Obwohl ich ein bisschen Klavier spiele, habe ich mir immer gewünscht, dass ich es ein bisschen besser könnte, da es ein so erstaunliches Schreibwerkzeug sein kann. Wenn ich ein Lied schreibe, dann greife ich immer zur Gitarre.

Gringoz: Unsere letzte Frage ist immer etwas aus der Reihe. Was darf auf Deinen Reisen durch die Welt nie fehlen und ist Dein ständiger Begleiter?

Elderbrook: Bring immer eine Frisbee mit, das ist mein Motto. Es gibt nichts Therapeutischeres als Frisbee zu werfen.

Wir danken Dir, dass Du Dir die Zeit genommen hast, für unser Interview. Außerdem wünschen wir Dir viel Erfolg mit Deinem Debütalbum und hab noch eine gute Zeit!

Heute erschien ein weiterer Track von Elderbrooks kommenden Album „Why Do We Shake In The Cold?“

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