Home Interviews 21 Jahre später und noch immer nicht müde – Im Interview mit Sänger Björn von Mando Diao

21 Jahre später und noch immer nicht müde – Im Interview mit Sänger Björn von Mando Diao

by Kevin

Corona macht bekanntlich viele Leute kreativ. Dazu zählt auch die schwedische Alternative-Rock-Band Mando Diao. Nur fünf Wochen nach Veröffentlichung ihres letzten Albums haben sie vergangene Woche überraschend ihre EP All the People (2020) herausgebracht. Im gleichen Zuge wurde noch ein Livestream-Konzert angekündigt. Diese kreative Energie nahmen wir uns zum Anlass, mit Björn dem Lead-Sänger, über das neue Stück Musik zu sprechen. Wie sie Corona für sich genutzt haben und was es mit dem Namen Caligola auf sich hat, erfahrt ihr hier im Interview.

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Gringoz: Dieser Sommer ist anders als alle jemals zuvor dagewesenen Jahreszeiten, so ganz ohne Festivals, Konzerte oder Liveshows. Wie fühlt es sich normalerweise für Euch an vor zehntausenden von Leuten verschiedener Nationen zu spielen?

Björn: Es macht immer Spaß Festivals vor den großen Mengen zu spielen. Wir lieben es live zu spielen, dafür leben wir und wir erhalten eine Menge Energie vom Publikum. Es ist jedes Mal ein bisschen anders und das ist es, was es aufregend macht. Wir vermissen es auf jeden Fall und können es kaum erwarten wieder vor Live-Publikum zu spielen!

Gringoz: Glaubst Du, dass es nächstes Jahr überhaupt wieder solche Festivals und Shows geben kann, wie sie es 2019 noch Gang und Gäbe waren?

Björn: Wir werden abwarten müssen, was die Zeit bringt. Wir haben als Ausweg eine Menge Dinge aufs nächste Jahr verschoben, wenn wir wieder so viel, wie möglich live spielen wollen. Aber wir wissen natürlich nicht, was passieren wird. Es fühlt sich so an, als ob wir hier alle gemeinsam drinstecken und dabei viel lernen. Wir werden flexibel und bereit sein müssen oder die gültigen Vorschriften respektieren.

Gringoz: Kurz nach der Veröffentlichung eurer EP All the People habt ihr ein Live-Konzert zum Streamen gespielt. Kannst Du das Gefühl beschreiben, wie es war endlich wieder eine Live-Show zu spielen, wenngleich es nur ein Event zum Streamen, also mit den Zuschauern vor ihren Bildschirmen, war?

Björn: Es hat sehr viel Spaß gemacht live zu spielen. Wir konnten uns anders einrichten, was sich zwischen uns auszahlte und so richtig Spaß machte. Generell ist es immer ein Heidenspaß Musik zu machen und wenn es kein Publikum gibt, motivieren wir uns stattdessen gegenseitig. Tatsächlich war es auch ziemlich nervös. Selbst ohne Leute fühlt es sich immer noch wie ein Fallschirmsprung an. Man springt raus und hofft auf das Beste!

Gringoz: Die vier Tage zuvor erschienene EP ist ein Ergebnis der aktuellen Krise. Während Ihr Euer vorletztes Album Bang (2019) geschrieben habt, war die Idee für die EP schon da. Wie wäre die EP ohne Corona geworden? Wäre sie überhaupt in dieser Form veröffentlicht wurden?

Björn: Wir lieben die Songs und hätten sie früher oder später veröffentlicht. Wir haben sehr viele Aufnahmen und für uns ist es wichtig, dass wir die Sachen weiterhin rausbringen. Corona hat vielleicht das Timing geändert, aber mein Tipp ist, dass sie sowieso irgendwann veröffentlicht wurden wären. Als wir Bang geschrieben haben, hatten wir für das Album die Vision, dass es roh, punkig, direkt, schnell und in die Fresse sein sollte, BANG eben! Die Songs der EP sind keine Reste oder Lieder, die es nicht aufs Album geschafft hätten. Viel mehr sind es Songs, die unserer Meinung nach nicht zur Idee des Albums gepasst haben. Daher ist es jetzt umso schöner sie auf diese Weise veröffentlicht zu wissen.

Gringoz: Die fünf Songs der EP befassen sich mit unterschiedlichen Thematiken wie Liebe, Verlust und Natur. Wurden diese Themenbereiche absichtlich gewählt?

Björn: Während des Schreibprozess kommen die Dinge auf eine natürliche Art und Weise. So wie Dinge, die uns inspirieren oder über die wir nachdenken. Für jeden aus der Band spielt die Natur eine besondere Rolle und war schon früher Thema. Die Themen Liebe und Verlust sind ebenso gängig in unseren Texten, da es so starke Gefühle sind.

Gringoz: Siehst Du die EP als eine Fortsetzung des Albums an?

Björn: Hmm, gute Frage. Ja, nein, vielleicht. Es ist ein Teil der Bang-Phase, aber auch eine neue Phase für sich. Schwierig zu sagen.
Schreibt Ihr all Euer neues Material auf dem Land? Ist es ein besonderer Ort für Euch?
Wir schreiben überall, egal ob zu Hause, auf der Straße, in Flugzeugen, Hotels oder sonst wo. Wir haben die Aufnahmen auf dem Land gemacht, was sehr inspirierend war. Wir fahren gemeinsam weg, sind zusammen und haben so eine großartige Atmosphäre, um Musik zu kreieren.

Gringoz: Eure Band hat nun seit mehr als 21 Jahren Bestand. Andere Gruppen haben sich schon in weit weniger Zeit aufgelöst. Was ist Euer Geheimnis für eine gute Chemie innerhalb der Band?

Björn: Wir sind zusammen aufgewachsen und gemeinsam erwachsen geworden. Wir sind Freunde, Kollegen und Familie. Ich glaube, wir sind besser darin jemand anderen zuzuhören und bei Problemen zu helfen, wenn wir jünger sind.

Gringoz: Ein Highlight dieser langen Karriere war Euer Top-Album Infrused (2012) welches in Schweden vier Mal Platin-Status erreichte, und somit zu einem der erfolgreichsten, schwedischen Alben aller Zeiten zählt. Eine Leistung, die auf einem Level mit Größen wie ABBA, Avicii oder Roxette anzusiedeln ist. Wie geht Ihr mit diesen Vergleichen um?

Björn: Wir sind stolz darauf etwas erschaffen zu haben, was solche Auswirkungen hatte. Es war ein besonderes Album mit Texten eines berühmten Dichters. Es ist schwer verschiedene Aufnahmen miteinander zu vergleichen, da jede für ihre Zeit und Situation einzigartig sind. Es war eine großartige Erfahrung auf Schwedisch zu schreiben und zu singen, daher war es etwas ganz Besonderes für uns, sodass wir dieses Jahr das zweite Album auf Schwedisch nachlegten.

Gringoz: Seit 2008 seid Ihr Mitglied des Stockholmer Musiknetzwerkes „Caligola“ unter dessen Namen man schon einige Aufnahmen bestaunen konnte. Wie wahrscheinlich ist es, dass wir noch einmal von Euch auf diesem Wege hören?

Björn: Wir haben sehr viele Projekte, also weiß man es nie so genau. Vielleicht dieses oder vielleicht etwas anderes!

Gringoz: Die letzte Frage ist immer etwas losgelöst von Eurer Musik, sondern bezieht sich mehr auf Eure Vorlieben. Also, wer ist Euer deutsche Lieblingskünstler*in?

Björn: Aktuell ist mein Favorit DJ Koze.

Vielen Dank für das hervorragende Interview und wir wünschen Euch, dass Ihr ganz schnell wieder auf der Bühne stehen dürft!


Fotocredit: Adina Scharfenberg

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