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Live- Review: Sido Autokinotour 2020 Seat Cruise Inn Hamburg

by Kevin

-Hupkonzert bei Sido-

Wenngleich die Bezeichnung „der Rapper mit der Maske“ gerade auf ziemlich viele zutreffen würde, meinen wir aber den einzig echten Sido. Die Rap-Legende spielt, unter beträchtlichem Hupen, am Mittwoch im Hamburger Autokino auf.
Es scheint fast, als hätten die Betreiber des Seat Cruise Inn das gute Wetter gebucht. Am späten Nachmittag strahlt die Sonne immer noch und fast schon erbarmungslos vom Hamburger Himmel herab, während sich bereits die ersten Fans an der Einfahrt zum Gelände tummeln, um ihren Rapper im Norden willkommen zu heißen. Frühes Anstehen sichert bekanntlich die besten Plätze, denn es ist klar, dass diese Show heute Abend ausverkauft ist und das gesamte Gelände geschäftiger wirkt als bei vergangenen Events.

Im Gepäck bringt Rap-Papa seinen Schützling Estikay mit, der nicht nur bei Sidos Eigenlabel „Goldzweig“ unter Vertrag steht, sondern heute auch den Abend eröffnen darf. Von den Autofenstern hat uns seine Vorstellung jetzt nicht gerade gerissen, aber sein Potential ist definitiv zu erkennen. Pünktlich im Anschluss betritt dann der Mann des Abends die Bühne. Sido kommt stilecht in Adidas-Jogginghose und Bomber-Jacke mit roten Highlights (Cap, Mikrofon und Bauchtasche) auf die Spielfläche. Dazu trägt er, natürlich, eine rote Maske. Bevor alle Fans jetzt aber ausrasten, es handelt sich dabei lediglich um den vorgeschriebenen Mund-Nasen-Schutz. Das Emblem der berühmten, berüchtigten Totenkopfmaske ziert jedoch weiter die Rückseite der Jacke.

Mit alten Songs aus der Masken-Zeit startet der Hip-Hopper in den Abend. Allerdings spielt er von vielen Songs häufig nur einen oder zwei Verse. Pro: man kann Einblicke in sage und schreibe 26 Songs der bewegten Musikkarriere erhalten. Contra: von „Mein Block“ nur einen Vers plus Refrain zu hören ist schon schade. Außerdem geht dadurch ein ganzes Stück Emotion verloren. Man hat das Gefühl nicht richtig in die Songs reinzukommen. Diesen Umstand löst Sido normalerweise gekonnt mit provozierenden Ansagen, die heute allerdings auch eher ausgelutscht wirken, und nicht stichhaltig überzeugen können.

So verleben wir die erste Hälfte des Konzertes nicht so richtig abgeholt. Und dann gibt es noch eine Sache, die höllisch nervt. Neue Kommunikationsformen im Autokino sind berechtigterweise Blinker, Scheibenwischer oder (Licht)Hupe. Leider hat der Künstler es an dieser Stelle zu gut gemeint, indem er das Publikum animierte mit ihren Signalhörnern in Refrains mit einzustimmen. Dazu gab es ebenfalls Applaus in Form von Hupen, sodass einem danach die Ohren klingelten. Nett gemeint, aber für uns definitiv an der Intention vorbei.

Nichtsdestotrotz kann kein Sido natürlich wirklich schlecht sein. Je später die Stunde, desto entspannter er selbst und desto mehr kommen die Gäste in den Abend. Vor allem die Radio-Songs mit „richtigem Gesang“, wie Sido selbstironisch konstatiert, kommen besser an und es lässt sich ein Funken Stimmung erahnen. Diese Gunst der Stunde nutzt der Ex-Voice-of-Germany-Juror zum Song „Tausend Tattoos“ und läuft noch eine kurze Runde durch die ersten Autoreihen. So wird immerhin noch etwas Nähe aufgebaut. In einem emotional angehauchten Statement erinnert er auch noch einmal an das Privileg Veranstaltungen wie diese überhaupt besuchen zu dürfen. Zudem sei es „das Beste, was wir gerade machen können“. Und da geben wir dem guten Sido voll und ganz Recht mit. Vielen Dank an die Personen hinter den Kulissen, die das Ganze gerade so möglich machen! Es war mal wieder ein vergnüglicher Abend im Hamburger Hafen. Auch wenn wir jetzt gefühlt alle Automarken anhand der Hupen unterscheiden können….

Fotocredit: Kevin Randy Emmers @Gringoz Magazine

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