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Livereview: FiNCH ASOZiAL– Fiesta Tour im Seat Cruise Inn Hamburg

by Kevin

-Es ist immer noch ein Konzert!-

Am Freitag heißt es Abfahrt im Seat Cruise Inn Hamburg. Vor beeindruckender Hafenkulisse gibt sich Rapper Finch Asozial die Ehre. Im Rahmen seiner Fiesta- Tour stattet er der Hansestadt an einem milden Sommerabend einen Besuch ab. Wir fahren zwar nicht mit einem Ford vor, sind für Euch aber trotzdem ganz nah dran mit dabei.

Das Konzept Autokinokonzert hat sich mittlerweile in mehreren deutschen Großstädten etabliert (u.a. Hannover und Bonn, wir berichteten) und bewährt. Jetzt ist auch die Elbmetropole mit von der Partie. Auf den ersten Blick wirkt am Steinwerder Cruse Terminal alles sehr organisiert und durchdacht. Einziger Kritikpunkt ist, dass man wirklich nicht zu weit hinten stehen sollte, denn sonst sieht man vermutlich lediglich die riesige LED-Wand, aber beim besten Willen nichts von der Bühne oder gar dem Künstler, der draufsteht.

Eingeläutet wird das Spektakel vom DJ-Duo Gebrüder Brett mit einem eher durchwachsenen Auftritt. Zwar werden sie immer besser, aber so richtig in Feierstimmung sind die Vierradbesitzer*innen noch nicht. Wenngleich sich die Hamburger*innen sichtlich Mühe mit ihren Outfits gegeben haben und die meisten einen quietschbunten, vergnüglichen 80er-Jahre-Retro-Look präsentieren. Zur Einstimmung gibt es dann noch einmal ein Intro im Flugzeugansagen-Style. Also Tische hochgeklappt und ab dafür.

Wirklich positiv fällt auf, dass Finch diese gelungene Kommunikation das ganze Konzert durchzieht bis zum Dank am Schluss an alle Leute hinter der Bühne. So erklärt er geduldig, wieso es asi ist, während der Musik zu hupen und dass es halt immer noch ein Konzert ist, sich die Leute zusammenreißen und Spaß haben sollen, während sie ohne Hupen und Warnblinker feiern, verdammte Scheiße! Und was sollen wir sagen, das Partyvolk setzt diese Anweisungen, ohne mit der Wimper zu zucken, um. An Musiker-Publikum-Interaktion sehen wir (fast) alles, was normalerweise auch auf einem handelsüblichen Konzert stattgefunden hätte: Arme schwingen zu „Pattaya“, Handylichtromantik zu „Zopfhalter“ und euphorisches Mitklatschen zu „Rave Religion“.

Doch der „letzte, echte Macho“ begeistert seine Fans nicht nur mit zahlreichen Tracks aus seinem aktuellen Album „Finchi’s Love Tape“ (2020), sondern bietet mindestens genauso viele Lieder von seiner Debütplatte „Dorfdisco“ (2019) dar. Somit kann Finchi am Ende auch eine ordentliche Spieldauer von ungefähr zwei Stunden vorweisen. Kleines Manko ist, dass Tour-DJ Snax zwischendurch etwas Zeit von der Uhr spielt. Aber gönnen wir dem nach eigener Aussage „alten Mann“ und seinem Show-Assistenten Asi, der zwischenzeitlich im Bühnenhintergrund uriniert, diese Verschnaufpausen. Denn auch diese Momente gehören zur Kunstfigur FiNCH ASOZiAL und machen seinen Reiz aus.

Natürlich muss man die vulgäre Ostalgie irgendwie mögen, aber trotzdem kann man zumindest für zwei Stunden Partyeskalation mit Lines wie „piss mich an, wixx mein Schwanz“ mal an was anderes denken als den Corona-Wahnsinn. Auch wenn wir alle wie Gefangene in unseren Autokäfigen hocken und darauf warten wieder einen echten Moshpit zu feiern. Bis es so weit ist vergehen die nächsten Minuten mit dem Rapper, der spätestens seit der Dorfdisco 2019 für Furore sorgt, wie im Flug. Dabei können wir beobachten wie übertrieben der selbsternannte Vokuhila-König polarisiert. Die Menschen freuen sich über den absolut erfolgreichen Auftritt, singen fast jedes Lied mit und ahmen ihrem Idol nach; Mini-Finch inklusive, der seinem Helden am Ende noch ein Geschenk überreichen darf. Damit, und mit der Zugabe, sind dann eigentlich alle Wünsche erfüllt. Wir hatten uns nur für eine Sekunde in der Träumerei verloren den Wahl-Hamburger H.P. Baxxter zu dem neuen Projekt „Bassdrum“, welches Anfang des Monats erschienen ist, auf der Bühne begrüßen zu dürfen. Gepasst hätte es alle mal. Aber auch ohne den Scootermann liefert FiNCHiBOY sehr ordentlich ab und wir können es gar nicht erwarten ihn wieder real abzufeiern.

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