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Review: In Extremo – Kompass zur Sonne

by Denise

2020 ist vielleicht nicht für jeden ein Jahr zum Feiern, doch In Extremo haben sogar doppelt Grund dazu. Nicht nur das neue Studioalbum Kompass zur Sonne,  welches nun endlich seit dem 08.05. in den Läden steht (nachdem der eigentliche Release Termin vom 27. März verschoben wurde), nein auch 25 Jahre Bandbestehen sind keine Selbstverständlichkeit. Zwar kann dies in der aktuellen Situation nicht live zelebriert werden, jedoch versüßt der neue Longplayer die Wartezeit, bis wieder live auf der Bühne musiziert werden kann.

Das letzte Album Quid pro quo (2016) liegt mittlerweile vier Jahre zurück und es war schwer zu glauben, dass ein Album noch einmal so sehr den Nagel auf den Kopf trifft wie dieses. Mit Kompass zur Sonne (2020) ist genau das gelungen. Die drei vorab veröffentlichten Singles haben einen guten Querschnitt geliefert und schon nach dem hören dieser war klar, dass hier etwas großes auf uns zugerollt kommt. Der erste Song Troja beschreibt ganz gut, was die Sieben da mit uns vor haben. Was wir von diesen 12 Songs erwarten können. Ein wilder Ritt, der alles bietet, was man von einem In Extremo Album erwartet. Es ist kein Album das völlig neue Wege einschlägt, aber das ist auch nicht nötig.

Es ist auch ein Werk, dass wahrscheinlich weit besser in die Zeit passt, als es die sechs um das letzte Einhorn (Michael Rhein) vielleicht gedacht hatten. Hier sollte man definitiv Lügenpack anspielen, dass nicht nur textlich glänzt, sondern auch einen so eingängigen Refrain hat, dass man sich schnell beim mitsingen ertappt. Ebenso mit politischer Message wartet Saigon und Bagdad auf. Ein absolutes Antikriegslied, dass die mittelalterlichen Klänge etwas zurück hält und mit Härte und Druck glänzt. Der Song sorgt für eine Gänsehaut der anderen Art und Weise.

Der Song, an dem sich wohl am meisten die Geister scheiden ist die dritte Single, die dem Album voran ging. Wer kann segeln ohne Wind basiert auf dem schwedischen Volkslied Vem kan segla und hier haben sich die Sieben mit Johann Hegg (Sänger von Amon Amarth) sprichwörtlich den richtigen Mann ins Boot geholt. Gesungen wird im Wechsel Deutsch Schwedisch und Johann Hegg presst die Worte nur so hervor. Das ist vielleicht nicht für jedermann, aber es passt zum Song, der kraftvoll und doch zugleich melancholisch ist. Wer aber wirklich die Gefühlsachterbahn fahren will muss sich Schenk nochmal ein zu Gemüte führen. Ein Song über Trauer, Verlust, aber auch über Hoffnung.

Eine weiteres musikalisches Gastspiel bietet Gogiya, denn hier wird In Extremo von Russkaja unterstützt.  Natürlich gibt es auch wieder Songs, die nicht ganz so leicht zu verstehen sind, aber genauso gut im Ohr hängen bleiben, als wären sie nicht in Latein verfasst. Besonders erwähnenswert ist hier Biersegen, welches genau die Mitte zwischen rockigen Klängen und mittelalterlichen Melodien findet und vor allem Live sehr gut funktionieren wird.

Was fehlt also noch zum perfekten In Extremo Album? Richtig, eine Ode an den Kneipenkult. Wo Sternhagelvoll auf Quid pro Quo zum Schunkeln einlädt ist Reiht euch ein ihr Lumpen zwar, anders, kraftvoller bringt aber dasselbe Gefühl rüber und ist ein Song der sofort ein wohliges Lächeln aufs Gesicht zaubert.

Kompass zur Sonne ist das Warten wert gewesen. Vom ersten Hören an hat der Longplayer keine schlechten Songs. Schwächere im Vergleich zu den Stärkeren vielleicht, aber keinen Ausreißer. Keinen Song, bei dem man sich an den Kopf fasst und sich fragt, was hat die denn da geritten? Mit Wintermärchen, einer Ballade nach dem gleichnamigen Gedicht von Otto Ernst, bekommt das Album nach fast einer Stunde Spielzeit einen runden, stimmigen Abschluss. Jetzt heißt es nur noch, warten auf bessere Zeiten und die neuen Songs so schnell wie möglich auch live zu sehen. Wir können es nicht abwarten.

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